"Storm Hunters":Diese Tornados packen uns nicht

„Storm Hunters“ ist mehr Digitaltrick-Demo denn Spielfilm, daran ändern auch die soliden Schauspiel-Leistungen von Richard Armitage und Sarah Wayne Callies nichts.

Storm Hunters
Storm Hunters
(c) Warner

Sucht man auf der größten Videoplattform im Internet nach dem Stichwort „Tornado“ wird man mit Millionen Suchergebnissen belohnt. Die meisten davon zeigen wackelige Aufnahmen von Wirbelstürmen, nicht wenige gedreht von professionellen Sturmjägern. Die Fahrzeuge mit modernen meteorologischen Messstationen ausgestattet, rasen sie übers Land, immer auf der Suche nach auffälligen bis spektakulären Wetterphänomenen.

„Stormhunters“ heißt ein US-Actionthriller, der versucht, die Abenteuer einer solchen draufgängerischen Sturmjäger-Crew in ein klassisches Spektakelfilm-Korsett zu fassen. Das hat schon einmal ganz gut funktioniert: 1997, als die Filmwelt noch überzeugt davon war, dass Jan de Bont das Actionkino nachhaltig beeinflussen würde, inszenierte der gebürtige Niederländer mit einem Faible für Hochgeschwindigkeitsdramaturgie „Twister“. Gut besetzt mit Helen Hunt, Bill Paxton und einem noch nicht in den Schauspielgötter-Olymp aufgestiegenen Philipp Seymour Hoffman in einer launigen Nebenrolle, war der hochspannende Wirbelsturm-Thriller ein internationaler Erfolg.

 

Sparen am falschen Platz

Selbiges wird „Stormhunters“ nicht gelingen. Regisseur Steven Quale („Final Destination 5“) lässt zwar brav einen atemberaubenden Tornado nach dem anderen über die Leinwand fegen, Figuren und Handlung sind in seinem Film allerdings von Anfang an vom Winde verweht, soll heißen: so gut wie nicht existent. Die Wurzel allen Übels ist zumindest in diesem Fall der Found-Footage-Stil, in dem „Stormhunters“ inszeniert worden ist. Die Wackelkamerabilder sorgen zwar für Unmittelbarkeit beim Wirbelsturmschauen, nehmen dem Regisseur aber auch alle Instrumente zum sonstigen Stimmungsgewinn aus der Hand. Lediglich der Moment, in dem einer der Jäger in die Windhose gesaugt wird und sich selbst dabei filmt, wie er über die Wolkendecke in einen blauen Himmel mit orange leuchtender Sonne geschleudert wird, bevor er zu Boden stürzt und stirbt, bleibt im Gedächtnis.

Man sagt es nicht gern, aber in diesem Fall stimmt's: In den Neunzigern war alles besser. In „Twister“ sind die Tornados noch zur mythischen Bedrohung stilisiert worden: Die Toneffekt-Künstler haben den Wetterphänomenen sogar „Stimmen“ gegeben; basstiefe Audio-Signaturen, in die man alles zwischen Götterdämmerung und Dämonenniederkunft hineininterpretieren konnte, die den schnöden Windhosen auf der Leinwand aber jedenfalls eine Persönlichkeit verliehen haben. Quale verwechselt den Faux-Hyperrealismus der Found-Footage-Form jetzt mit dem Amateurfilm-Schick von Internet-Clips: Sein „Storm Hunters“ ist mehr Digitaltrick-Demo denn Spielfilm, daran ändern auch die soliden Schauspiel-Leistungen nichts.

Richard Armitage, der Thorin Eichenschild aus der „Hobbit“-Trilogie“, und Sarah Wayne Callies, eine der Hauptdarstellerinnen der Hit-Serie „The Walking Dead“, haben bewiesen, dass sie auch spektakellastige Geschichten tragen können, bleiben hier als zentrales Figuren-Paar aber enttäuschend farblos: Das Drehbuch von John Swetnam gibt ihnen wie auch sämtlichen anderen Charakteren viel zu wenig Spielraum und Fallhöhe. Neben „Transformers 4“ ist „Stormhunters“ das grellste Beispiel dieses Kinojahres dafür, dass das gute alte Geschichtenerzählen in der US-Filmindustrie keine Rolle mehr spielt. Die Studios sparen besonders bei Großproduktionen bei kreativen Schlüsselfiguren. Lieber pumpen sie das Geld in Schauwerte und Marketing-Kampagnen. Umsonst: An der US-Kinokasse ist der Thriller jedenfalls bereits gefloppt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2014)

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