"Sex and the City": Teils unfreiwillig komisch

Neu im Kino: Der Film zur Erfolgsserie „Sex and the City“. Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda ab Donnerstag im Kino.

(c) Warner

Als „Sex and the City“ 1998 erstmals in US-Wohnzimmer gesendet wurde, ahnte Serienerfinder Darren Star wohl nicht, welchen durchschlagenden Erfolg die Abenteuer seiner vier New Yorkerinnen haben würden: Das zwischen Edelpumps, Designer-Handtaschen und Sexplaudereien verortete Leben der Stadtpflanzen Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda eroberte die Herzen der vornehmlich weiblichen Zuschauer in Windeseile: In deren Manhattanesken zwischen schicken Restaurants, feschen Männern und Haute Couture konnten sich Provinzhausfrauen und Karrieristinnen (sicherlich auch einige Männer) gleichermaßen hineinträumen.

Die Kinoversion zur Erfolgsserie war nur eine Frage der Zeit. Regisseur Michael Patrick King, der schon viele Schlüsselepisoden von „Sex and the City“ inszenierte, lässt nun im gleichnamigen Film Carrie Bradshaw (klar: Sarah Jessica Parker) zu Beginn über den Big Apple sinnieren: „Frauen kommen nach New York City auf der Suche nach den zwei Ls: Labels und Liebe.“ Die zwei L-Wörter taugen zur groben Inhaltsbestimmung der zweieinhalbstündigen (!) Komödie: Mode und Männer. Jede Hauptfigur definiert sich über den jeweiligen Beziehungsstatus.


Glamouröse Reinvestitionen

Kolumnistin und Autorin Carrie (modelliert nach dem „Original“ Candace Bushnell) läuft mit dem vermögenden Mr. Big (Chris Noth) endlich in den Ehehafen ein. Charlotte (Kristin Davis) ist verheiratet und erzieht ihr chinesisches Adoptivkind. Die Amouren der Rechtsanwältin Miranda (Cynthia Nixon) und der sexhungrigen Managerin Samantha (Kim Cattrall) zerbröseln langsam, aber sicher. Sex and the City ist aus Phantasmen zu einer neuen urbanen Weiblichkeit gezimmert: Es ist kein Zufall, dass der Arbeitsalltag der Damen nie zu sehen ist. Hier geht es um die glamouröse Reinvestition des Verdienten: das Aufmotzen mit Statussymbolen, Essen in hippen Futtertempeln, Tanzen in angesagten Clubs, Entdecken neuer Designer. Und natürlich um die Liebe. Das Konzept ist so glatt und geschmeidig – nur Hochglanz, Künstlichkeit, Oberfläche –, dass es sich zugleich selbst bestätigt und ad absurdum führt: Augenzwinkern ist eben en vogue.

Trist ist bei aller Suderei über unbedingte weibliche Selbstbestimmtheit das Einbiegen all der Femmes fashionables in die konservative Lebensplanung. Nur der 50-jährigen Lustfrau Samantha wird noch die Auszeit vom Schicksal der „Desperate Housewives“ gewährt: „Ich liebe dich, aber ich liebe mich mehr!“, flüstert sie dem langjährigen Partner zu und schreitet davon. Ansonsten: eine Aschenputtelei, ein Tülltraum vom „Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende...“.


Überlange Romantic Comedy

Wenn Carrie bei der Hochzeit – natürlich: im Vivienne-Westwood-Brautkleid – von Big (Spender?) versetzt wird, zerbricht ein Mädchenmärchen: In Zeitlupe fällt ihr Mobiltelefon zu Boden, die Musik geigt das Melodram herbei. Sex and the City ist ein Kinofilm für jene, die der Serie sechs Staffeln lang die Treue hielten: Für alle anderen bleiben die Hauptfiguren gut gespielte, aber hermetisch abgeriegelte Entwürfe in einer leidlich unterhaltsamen, überlangen Romantic Comedy.

Schuld ist Regisseur King, der nie Kino aus der etablierten TV-Marke machen will, sondern nur Erwartungen erfüllt. Doch was am kleinen Schirm funktioniert, wird auf der großen Leinwand schnell zur unfreiwilligen Parodie: Etwa, wenn Carrie ihrer Assistentin (Oscar-Gewinnerin Jennifer Hudson) zum Abschied eine Louis-Vuitton-Handtasche schenkt und die vor Freude Luftsprünge macht. Während die selbstbewussten „Material Girls“ in New York den neuesten Trends nachjagen, ist ihr erster Kinoausflug nicht mehr als eine Komödie von der Stange.

DAS FERNSEHPHÄNOMEN

1998 startete die TV-Serie „Sex and the City“ in den USA – sie wurde zu einer der erfolgreichsten US-Serien überhaupt. Sechs Staffeln, insgesamt 94 Folgen wurden vom TV-Sender HBO produziert.

Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Buch von Candace Bushnell. Im deutschen TV startete die Serie 2001.

65 Millionen Dollar hat der Film dem Vernehmen nach gekostet – 15 Mio. davon Gage für Sarah Jessica Parker.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2008)