Otto Pammer: "Doyen der österreichischen Filmwelt"

Vom Kameramann bei der Wien-Film über die "Tönende Wochenschau" bis zur eigenen Produktionsfirma - Das Leben des Otto Pammer.

"Die Kamera war meine Lebenserfüllung", meinte Otto Pammer einmal. Rund einhundert Mal reiste der Doyen der österreichischen Filmszene im Laufe seiner Karriere um die Welt. Er war "ein Volksbildner der ganz besonderen Art, der Brücken zwischen Hochkultur und so genannter Massenkultur gebaut hat", sagte der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) 2006 anlässlich der Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst. In der Nacht auf heute, Montag, starb der "Seitenblicke"-Erfinder an einem Herzversagen in der Döblinger Privatklinik in Wien.

Otto Pammer wurde am 9. Mai 1926 in Wien geboren. Nach seiner Schulausbildung war er zunächst als Volontär und kaufmännischer Angestellter in der Textilbranche tätig. Durch Zufall - ein Freund hatte von seinem Vater eine Filmkamera geschenkt bekommen, mit der die beiden die Ruinen in Wien filmten - wurde er von Fritz Erban, dem damaligen Präsidenten der Filmgewerkschaft, entdeckt. Dieser verhalf dem jungen Pammer zu einem Engagement bei der Wien-Film, wo er sich vom Volontär zum Kamera-Assistent, Schwenker und schließlich Kameramann hocharbeitete. Der Spielfilm war jedoch "nicht so meine Welt", so Pammer damals. Als er nämlich bei der Wien Film gleich nach dem Krieg anfing, war er noch "ein junger Bub. Der Regisseur hatte die Hauptdarstellerin als Geliebte, und mir sind die Schwulen nachgerannt."

Wechsel zur "Tönenden Wochenschau"

Daraufhin wechselte er mit 1. Mai 1950 zur "Tönenden Wochenschau" bei Fox - "das war mein Leben". In rund 24.000 Beiträgen in 24 Jahren berichtete er (schon im Alter von 26 Jahren als Österreich-Chef) aus Österreich und Südost-Europa, er reiste "zu jeder Olympiade und zu jedem Staatsbesuch" - "und dafür hab ich auch noch Geld gekriegt". Pammer berichtete von großen sportlichen Ereignissen ebenso wie vom österreichischen Staatsvertrag, vom Ungarn-Aufstand und dem Prager Frühling. Er war Regisseur, Kameramann, Cutter, Texter und Chauffeur in einem, "das Kilometergeld hat mir in kurzer Zeit viel Geld gebracht", schmunzelte er. Seine Reportagen von der Revolution in Ungarn 1956 erregten weltweite Aufmerksamkeit. 1974, nachdem der Siegeszug des Fernsehens zur Einstellung der "Wochenschau" geführt hatte (ein "bitteres Ende" für Pammer), gründete er seine eigene Produktionsfirma Pammer Film.

Otto Pammer war dabei, als das Fernsehen auch in Österreich seinen Siegeszug antrat. Von 1980 bis 1999 produzierte seine Firma die Sendung "Seinerzeit" (ab 2000 "Deja vu"), seit 1982 das wöchentliche Kinderverkehrssicherheitsvideo "Helmi". Die ebenfalls von der Pammer Film produzierte, 1987 erstmals ausgestrahlte tägliche Gesellschaftssendung "Seitenblicke" wurde zu einer der erfolgreichsten Sendungen des ORF, bis 1996 war Pammer als Produzent dabei.

Dokumentationen über Österreich

1965 gestaltete er die Wochenschaudokumentation "20 Jahre Republik Österreich" und im Jahr 1968 die historische Dokumentation "50 Jahre Republik Österreich", eine filmische Geschichte Österreichs seit dem Beginn der 1. Republik. 2005 produzierte Otto Pammer die Dokumentation "Vom Kriegsende 1945 bis zum Staatsvertrag 2005", 2006 folgte "50 Jahre Volksaufstand in Ungarn". Zuletzt produzierte Pammer heuer "Die Erfindung Europas - (un)erwartete Folgen des Marshallplans".

Neben dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik (1970) trug Pammer seit 1992 den Ehrentitel "Kommerzialrat" (verliehen durch die Kammer der gewerblichen Wirtschaft) und seit 1996 die "Julius-Raab-Ehrenmedaille" des Wirtschaftsbundes. In den vergangenen Jahren erhielt Pammer u.a. den Professorentitel (2001), die Silberne Ehrenmedaille der Wirtschaftskammer Wien (2001) und das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (2005). 2006 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

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