Regisseur Niki List gestorben

Der Erfinder von "Müllers Büro" ist völlig überraschend verstorben. Der 52-Jährige stürzte nach einer Premierenfeier und blieb bewusstlos liegen. Woran List starb, ist unklar.

(c) ORF (Cult-Film)

Der österreichische Regisseur Niki List ist tot. Der Filmemacher ist Mittwoch Nacht im Alter von 52 Jahren verstorben. Lists Schwester bestätigte der APA am Donnerstag einen entsprechenden Bericht des "Kurier".

Der bekannte Filmemacher soll im Anschluss an die Eröffnung des Wiener Filmakademie-Festivals in einem Innenstadtlokal gestürzt und bewusstlos liegen geblieben sein. Die Rettungskräfte stellten gegen zwei Uhr nachts den Tod von List fest. Ob er an den Verletzungen durch den Sturz oder an einem Herzinfarkt starb, wurde zunächst nicht bekannt.

List wurde vor allem mit seinem Film "Müllers Büro" einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Mit 441.000 Kinobesuchern liegt der Film auf der ewigen Bestenliste heimischer Streifen hinter "Hinterholz 8" und "Poppitz" auf Platz drei.

Preis für "Café Malaria"

Niki List wurde am 28. Juni 1956 in Wien geboren, studierte Theaterwissenschaft und besuchte ab 1977 die Höhere Graphische Bundes-, Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Danach arbeitete er als Pressefotograf und wirkte bei einigen Theaterprojekten mit. 1982 landete er mit seinem ersten Spielfilm "Café Malaria" einen ersten Publikumserfolg, für den er auch mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet wurde.

1986 sorgte sein Detektivmusical "Müllers Büro" mit u.a. Christian Schmidt, Max Müller und Andreas Vitasek für ausverkaufte Kinos. Lieder wie "Weil ich so sexy bin", "Männer sind wie Marzipan", vor allem aber der Titelsong zu "Müllers Büro" rissen das Publikum auch mehr als 20 Jahre nach der Uraufführung von Niki Lists Film-Musical noch mit: 2007 feierte im Wiener Metropol die Theaterversion von "Müllers Büro" Premiere.

Drei Filme über Mann mit Down-Syndrom

In Folge arbeitete er als Regisseur in Deutschland, der Schweiz und Österreich. In dieser Zeit entstanden Kinofilme wie "Sternberg-Shooting Star" (1988), "Werner Beinhart" (1990), "Der Schatten des Schreibers" (1995), "Helden in Tirol" (1998) und "Nick Knatterton" (2001).

Eine besondere Stellung in seinem Schaffen stellt eine Trilogie dar (1984 "Mama lustig?" - 1991 "Muss denken" - 2001 "Mein Boss bin ich"). In dieser dokumentierte er über die Jahre hinweg das Leben von Christian, einem Mann mit Down-Syndrom. 1992 gründete List die Cult-Filmproduktion. Zuletzt drehte List 2002 das Dokudrama "Move!" über das multi-kulturelle Leben der heutigen Jugend in Wien.

Titel Professor verliehen

Niki List wurde drei Mal mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet, zu seinen internationalen Preisen zählen der Max Ophüls Preis für "Malaria", der Preis Young Cinema Tokyo für "Müllers Büro" und der Preis Bergfilmfestival Trento für "Helden in Tirol". Zuletzt wurde ihm Anfang März vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur der Berufstitel Professor verliehen.

Bildergalerie: Der Regisseur von "Müllers Büro"

(c) APA (K. TITZER)

 

NIKI LISTS WERKE

Regisseur:

  • Cafe Malaria (1982)
  • Mama lustig ...? (1984)
  • Die Dreckschleuder (1986)
  • Müllers Büro (1986)
  • Sternberg - Shooting Star (1988)
  • Nummer 11 (1989)
  • Ach, Boris... (1990)
  • Muss denken (1992)
  • Der Schatten des Schreibers (1994)
  • Copa Kagrana (1995)
  • Helden in Tirol (1998)

Produzent:

  • Cafe Malaria (1982)
  • Mama lustig ...? (1984)
  • Der Schatten des Schreibers (1994)
  • Ein Anfang von etwas (1994)
  • Eine Reise in das Innere von Wien (1995)
  • Copa Kagrana (1995)
  • Auf Teufel komm raus (1995)
  • Die Liebe des Ganoven (1996)
  • Gebürtig (2002)
  • Der Weihnachtshund (2004)
  • Zwei Weihnachtshunde (2005)

Darsteller:

  • Cafe Malaria (1982) .... Thomas
  • Müllers Büro (1986) .... Delgado
  • I Love Vienna (1991) .... Herr Mitterbauer
  • Muttertag (1993) .... Faher
  • Helden in Tirol (1998) .... Lorenz Luftsprung

Drehbuchautor:

  • Cafe Malaria (1982)
  • Müllers Büro (1986)
  • Ach, Boris... (1990)
  • Der Schatten des Schreibers (1994)
  • Helden in Tirol (1998)

Niki List im ORF

In memoriam Niki List ändert der ORF sein Programm und spielt am Samstag, dem 4. April 2009, um 22.50 Uhr in ORF 2 den Kultfilm "Müllers Büro" mit Christian Schmidt, Andreas Vitasek, Barbara Rudnik u. v. a.

(APA/Red.)

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