"Sisi": Nur ja nicht den Mythos zerstören!

Regisseur Xaver Schwarzenberger dreht in einer italienisch-deutsch-österreichischen Großproduktion eine neue "Sisi" – mit Krisen, aber bitte nicht zu vielen.

ORF zeigt den Eventzweiteiler Sisi voraussichtlich im Weihnachtsprogramm 2009
ORF zeigt den Eventzweiteiler Sisi voraussichtlich im Weihnachtsprogramm 2009
(c) ORF (Bernhard Berger)

Wenige Minuten vor der Trauung ist Kaiserin Elisabeth von Österreich in der Michaelerkirche auf den Boden niedergesunken, hat die Augen niedergeschlagen, das weiße Brautkleid bedeckt den schmutzigen Boden. Sechs kleine Brautjungfern hinter ihr überbrücken die Drehpause mit halben Schinkensemmerln; Herren in Galauniform fotografieren sich gegenseitig mit dem Handy. Maskenbildner und Friseurinnen tupfen Puder, stecken getürkten Hochzeitsgästen noch einmal die Haare zurecht. Gedämpfte Scheinwerfer imitieren an dem verregneten grauen Donnerstagvormittag das durch die Fenster fallende Sonnenlicht. „Und, bitte!“, ruft Xaver Schwarzenberger in Jeans, mit seinen grauweißen Haaren und nur Schnauz- statt Vollbart. Cristina Capotondi als „Sisi“ und Herbert Knaup als Maximilian in Bayern schreiten los. Der Dolly mit Schwarzenberger und seiner Kamera fährt im Schritttempo das Seitenschiff der Kirche entlang.

Filmproduktionen – insbesondere die fürs Fernsehen besonders knapp budgetierten – müssen sich eben der Wirtschaftlichkeit und Pragmatik beugen – und weichen so von der „Realität“ ab: „Sisi“ und Franz-Joseph heirateten in der Augustinerkirche und zwar am Abend, bei Kerzenschein, heißt es. „Ich wollte es in der Augustinerkirche machen. Aber die ist zum Drehen ungünstig“, sagt Regisseur Schwarzenberger im Gespräch mit der „Presse“. Seine „Sisi“ (mit einem „s“ wie Elisabeth sich selbst schrieb; „Sissi“ hieß Romy Schneider bei Ernst Marischka) spielt bis zur Krönung in Budapest, als sie 29 war. Authentisch, nicht kitschig will Schwarzenberger („Elisabeth war die erste Pop-Ikone, viel wilder als z.B. Diana“) sie haben – allerdings nicht zu authentisch: „Wir wollen ihre Geschichte als Siegerin erzählen, keinen Mythos zerstören.“ Ob dazu aber nicht auch Elisabeths „dunkle“ Seite gehört, ihre Krankheit, Eigentümlichkeiten, Depression? „Nein, das ist nicht die Absicht.“

Was ihn denn doch interessiere, sind die Konflikte: zwischen Mutter und Sohn, Schwiegertochter und Schwiegermutter – oder „wie Elisabeth aus der Wildnis der bayrischen Wälder ins Korsett in Wien geschnürt wird und folgende Ausbruchsversuche“, so Schwarzenberger. Diese Krisen spielte Romy Schneider im Nachkriegsmärchen seiner Meinung nach nicht. Von seiner Hauptdarstellerin Cristiana Capotondi (28) schwärmt der Regisseur nun, sie schaffe mühelos die Spanne der Teenager-Kaiserin zur Dreißigjährigen. Die Römerin bezeichnet Romy Schneider in „Sissi“ zwar als ihr „Idol“, allerdings: „Kopieren will ich auf keinen Fall.“

 

Erwin Steinhauer spielt Napoleon

Elf Millionen Euro Budget steckt in der italienisch-deutsch-österreichischen Großproduktion. Gedreht wird in Wien, Niederösterreich, der Steiermark, Venedig und Ungarn – und zwar „babylonisch“: Jeder Schauspieler spielt in seiner Sprache. Ende Juli soll der Film erst einmal im Kasten sein; der Sendetermin für den Zweiteiler steht noch nicht fest, wird laut ORF aber noch 2009 stattfinden. Zu sehen dann übrigens auch: Erwin Steinhauer als Napoleon.

DIE BESETZUNG

Cristiana Capotondi (I) als Elisabeth

David Rott (D) als Franz-Joseph

Martina Gedeck („Das Leben der Anderen“, „Der Baader-Meinhof-Komplex“) als dessen Mutter Erzherzogin Sophie

Fritz Karl als Graf Andrassy

Friedrich von Thun als Radetzky

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2009)

Kommentar zu Artikel:

"Sisi": Nur ja nicht den Mythos zerstören!

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen