BBC Ranking: Die 20 besten Filme seit der Jahrtausendwende

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Wenn Filmkritiker über die besten Filme abstimmen, dann sind die Spitzenreiter üblicherweise einige Jahrzehnte alt. Das störte die BBC. "Umfragen über die besten Filme blicken oft in die Vergangenheit - aber wir wollten wissen, welche die besten Filme aus jüngster Zeit sind", sagt BBC-Kulturredakteur Matthew Anderson. Die britische Rundfunkanstalt hat darum 177 Filmkritiker gebeten, ihre zehn Favoriten seit der Jahrtausendwende aufzulisten. Aus diesen Listen ergab sich das Ranking der 100 besten Filme seit 2000. Der Österreicher Michael Haneke ist gleich mit drei Filmen darauf vertreten. "Die Presse" stellt die Top 20 vor.

Zum vollständigen Ranking der BBC (Link kommt am Ende der Galerie nochmal)

(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
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Platz 20: "Synecdoche, New York"

von Charlie Kaufman, 2008

Das Regiedebüt von Drehbuchautor Charlie Kaufman ("Vergiss mein nicht!", "Adaption", "Being John Malkovich"): Die hypochondrische Hauptfigur, ein vom zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman großartig gespielter Theatermacher, leidet an Zivilisationskrankheiten und existenziellen Ängsten. In einem Lagerhaus lässt er seinen ganzen Stadtteil Schenectady nachbauen, um "alles" auf die Bühne zu bringen. Immer labyrinthischer verschränken sich Kunst und Leben.

(c) Polyfilm
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Platz 19: "Mad Max: Fury Road"

von George Miller, 2015

Im genialen, größenwahnsinnigen vierten Teil der "Mad Max"-Reihe von George Miller jagt ein machistischer Wasserbeherrscher Charlize Theron und Tom Hardy durch die Wüste. Ein Fiebertraum in Rostrot. Bei der Oscar-Verleihung hatten "Mad Max: Fury Road" (und das Überlebensdrama "The Revenant") allerdings das Nachsehen gegenüber der Aufdeckergeschichte "Spotlight". Der liegt übrigens auf Platz 88 des Rankings.

(c) Warner
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Platz 18: "Das weiße Band"

von Michael Haneke, 2009

Vor "Amour" auf Platz 42 und "Caché" auf Platz 23 liegt der vielfach ausgezeichnete Schwarzweiß-Film "Das weiße Band". Darin spürt Haneke die Ursprünge von Gewalt in einem kleinen deutschen Dorf kurz vor dem Ersten Weltkrieg auf. In Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

(c) Verleih
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Platz 17: "Pans Labyrinth"

von Guillermo del Toro, 2008

Guillermo del Toro verknüpfte in "Pans Labyrinth" ein Kinderschicksal mit dem Spanischen Bürgerkrieg, erweitert um Märchenelemente. Ein Mädchen taucht da in seine fabelhafte Fantasiewelt ein, während ihr Stiefvater, ein brutaler Franco-Offizier, erbarmungslos Jagd auf die verbleibenden Widerstandskämpfer macht. Berührend, verstörend und stilbildend.

(c) Senator
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Platz 16: "Holy Motors"

von Leos Carax, 2012

Denis Lavant, französischer Schauspielgigant, erhält in einer Limousine Aufträge, in Rollen zu schlüpfen. Vor dem Schminktisch im Auto, mit Masken und Perücken macht er sich bereit für das, was Schauspieler seit Jahrhunderten machen: das Leben zu imitieren. "Holy Motors" ist eine intelligente und dabei höchst unterhaltsame Versuchsanordnung zum Kino selbst.

(c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
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Platz 15: "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage"

von Cristian Mungiu, 2007

Das Abtreibungsdrama des rumänischen Regisseurs erhielt die Goldene Palme in Cannes. Der Film erzählt die erschütternde Geschichte einer Frau, die im kommunistischen Rumänien eine illegale Abtreibung vornehmen lassen will.

(c) Filmladen
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Platz 14: "The Act of Killing"

von Joshua Oppenheimer, 2012

Der einzige Dokumentarfilm unter den Top 20 stammt von dem US-Regisseur Joshua Oppenheimer. Für das Oscar-nominierte Epos ließ er zwei Kriegsverbrecher des indonesischen Massenmords ihre Taten spielerisch reinszenieren. Verstörend.

(c) Viennale
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Platz 12 (ex aequo): "Zodiac - Die Spur des Killers"

von David Fincher, 2007

Der zweieinhalbstünde Film handelt von dem nie geklärten Fall des gleichnamigen südkalifornischen Serienmörders, der vor allem durch seine (gern verschlüsselten) Botschaften an die Medien in den späten 1960ern und frühen 70ern berühmt-berüchtigt wurde. "Zodiac" erzählt dabei viel über Massenmord als eine Art Ersatzreligion der USA. Die Besessenheit verlangt ihren Tribut von den drei Hauptfiguren: Robert Downey jr. spielt einen dem Alkohol und Drogen verfallenden Starreporter, Mark Ruffalo einen zunehmend enervierten Vorzeigepolizisten und Jake Gyllenhaal den Cartoonisten, der schließlich auch das Familienglück dem Fall opfert.

(c) Warner
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Platz 12 (ex aequo): "Children of Men"

von Alfonso Cuarón, 2006

Cuaróns Film wurde als spannende Anti-Utopie gefeiert. Die Menschheit ist unfruchtbar geworden, die Welt versinkt im Chaos. Bürokrat Clive Owen soll ein schwangeres Mädchen, die einzige Zukunftshoffnung, in Sicherheit bringen.

(c) imago stock&people (imago stock&people)
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Platz 10 (ex aequo): "No Country For Old Men"

Joel and Ethan Coen, 2007

Die amerikanischen Regiebrüder ("The Big Lebowski") verfilmten einen Roman von Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy. Die Geschichte von einem Cowboy, der Millionen findet (Josh Brolin) und von einem Killer (Javier Bardem) gejagt wird, endet im Blutbad.

(c) Universal Pictures
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Platz 10 (ex aequo): "Inside Llewyn Davis"

von Joel und Ethan Coen, 2013

Und noch einmal die Coen-Brüder: Titelheld Llewyn Davis (Oscar Isaac, inzwischen bei "Star Wars") kämpft sich als Folksänger im Jahr 1961 mehr recht als schlecht durch. Gewohnt sarkastisch, am besten steigt noch die Katze aus.

(c) Studiocanal/ Alison Rosa
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Platz 9: "Nader und Simin - Eine Trennung"

von Asghar Farhadi, 2011

Das vielschichtige und bewegende Drama bekam den Goldenen Bären und den Fremdsprachen-Oscar. Im Zentrum steht ein Paar, das sich scheiden lassen will, weil sie - mit der gemeinsamen Tochter - aus dem Iran auswandern möchte. Er will bei seinem dementen Vater bleiben, dann beschuldigt ihn dessen streng gläubige Pflegerin der Gewalttat.

(c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
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Platz 8: "Yi Yi - Eine Eins und eine Zwei"

von Edward Yang, 2000

Dem Taiwanesen Edward Yang ist mit dieser epischen, durch Detailreichtum faszinierenden Familienchronik ein unaufdringliches Meisterwerk gelungen. Ein Melodram der leisen Töne und weit reichenden Folgen, mit außerordentlicher Subtilität inszeniert, zutiefst bewegend und sehr zugänglich.

(c) Cinematograph
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Platz 7: "The Tree of Life"

von Terrence Malick, 2011

Der öffentlichkeitsscheue Meisterregisseur drehte in den Siebzigern zwei der wichtigsten Filme des "New Hollywood", "Badlands" und "Days of Heaven", dann zog er sich zwei Jahrzehnte zurück. "The Tree of Life" ist ein bildgewaltiges, radikal unkommerziell erzähltes, eher philosophisch als narrativ angelegtes Epos mit vielen Stars (und sogar Dinosauriern). Brad Pitt ist als strenger Patriarch zu sehen, Jessica Chastain als liebende Mutter und Sean Penn als einer der Söhne im Erwachsenenalter.

(c) Verleih
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Platz 6: "Vergiss mein nicht" (Eternal Sunshine of the Spotless Mind)

von Michel Gondry, 2004

Rasante Liebesdramakomödie, dessen Drehbuch auch von Charlie Kaufman stammt, von Musikvideo-Meister Michel Gondry inszeniert. Jim Carrey und Kate Winslet treiben durch die Reste ihrer Beziehung. Ein surrealer, teuflisch vertrackter, cleverer, wohlproportionierter Film über den Schmerz und das Glück der Liebe

(c) imago stock&people (imago stock&people)
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Platz 5: "Boyhood"

Richard Linklater, 2014

Das Langzeitprojekt des Regisseurs wurde über zwölf Jahre gedreht und schildert das Aufwachsen des jungen Mason (Ellar Coltrane), in den Rollen der Eltern sind Patricia Arquette und Ethan Hawke zu sehen. Ein so bewegender wie einzigartiger Spielfilm, der beim Oscar leider der technisch virtuosen Hollywood-Reflexion "Birdman" unterlag. Der ist in der Liste übrigens nicht angeführt.

(c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
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Platz 4: "Chihiros Reise ins Zauberland"

von Hayao Miyazaki, 2001

Der zauberhafte Film von Anime-Großmeister Hayao Miyazaki ist keineswegs nur für Kinder. Die Odyssee der kleinen Chihiro durch eine Fantasiewelt erinnert in ihrem absonderlichen Einfallsreichtum an "Alice im Wunderland", die erzählerische Finesse und detaillierte Animation tragen aber eindeutig die Handschrift des Meister-Regisseurs. Ein bewegender, vielschichtiger, humorvoller Film. 

(c) imago stock&people (imago stock&people)
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Platz 3: "There Will Be Blood"

von Paul Thomas Anderson, 2007

Im dreistündigen Historienepos porträtiert US-Autorenfilmer Paul Thomas Anderson einen Ölmagnaten als einen von Instinkten, Gier und Menschenhass getriebenen Mann. Fantastische Peformance von "Tour de Force"-Darsteller Daniel Day-Lewis, der auch mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.

(c) imago stock&people (imago stock&people)
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Platz 2: "In the Mood for Love"

von Wong Kar-wai, 2000

Eine wunderschöne Liebesgeschichte im Hongkong der 1960er: Maggie Cheung und Tony Leung als von ihren Angetrauten betrogene Nachbarn, die einander näher kommen. Die Geschichte fand ihre Fortsetzung im Sci-Fi-Melodram "2046".

(c) imago stock&people (imago stock&people)
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Platz 1: "Mulholland Drive"

von David Lynch, 2001

Ein überraschender Platz eins, gilt "Mulholland Drive" doch nicht als Lynchs stärkster Film - "Blue Velvet" würde da vermutlich vorgereiht. Doch "Mulholland Drive" wirkt nach: Eine junge Schauspielerin (Naomi Watts, links) kommt nach Hollywood, trifft eine Frau (Laura Harring), die ihr Gedächtnis verloren hat. Gemeinsam versuchen sie, mehr herauszufinden. Atmosphärisch überreiches, rätselhaftes und vielschichtiges Verwirrspiel.

Zum vollständigen Ranking der BBC

(c) imago stock&people (imago stock&people)
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