Dokumentarfilm: Plastik im Blut, im Müll, in der Nahrung

Werner Boote warnt mit "Plastic Planet" vor zu viel Kunststoff. Und argumentiert dabei selbst zu glatt.

Plastic Planet
Plastic Planet
(c) Neue Sentimental Film

„Glauben Sie, dass die Plastikindustrie das weiß?“, fragt der Wiener Filmemacher Werner Boote mit (hoffentlich gespielter) Naivität einen Wissenschaftler, der über Kunststoff als Problemstoff referiert. Wie Spuren von Plastik längst in die Nahrungsketten (und in Blutbilder, auch Bootes eigenes) eingesickert sind, wie der haltbare, allgegenwärtige Stoff zu wachsenden Müllbergen beiträgt, das sind die Anliegen, die hier den bisher vor allem mit (TV-)Musikdokumentationen aufgefallenen Boote beschäftigen.

Die Methode folgt den erfolgreichen einseitigen Polemiken eines Michael Moore (das Austroexempel sind wohl die doch journalistischeren Filme Erwin Wagenhofers wie We Feed the World). Ein Moore ist Boote aber nicht, das gibt seiner Dokumentation einen gewissen mitleiderregenden Charme: Gleich anfangs gibt er sich fassungslos, weil der WM-Fußball aus Plastik, nicht mehr aus Leder ist.

Der Ton bleibt engagiert, aber oberflächlich: Trotz des großen Themas wirkt der Film kaum abendfüllend. Interviews sind abwechselnd leicht informativ und manipulativ (bevorzugter Gegenschnitt: mit offenem Mund nickender Boote). Einige Bilder sind gut, aber zu kurz – Leute räumen zu Anschauungszwecken all ihr Plastik vor ihre Häuser –, viele aber beliebig und zu kurz: Plastiksackerl wehen noch immer übers Filmset von Lawrence von Arabien. Diverse Einlagen, von Animation zur Konfrontation, tragen auch nicht zur Vertiefung bei: Auf einer Kunststoffmesse will Boote einen Powerplayer stellen, hilflos ein Rollwagerl voller Studien nachziehend. Doch fast rührend.

Wie das neue US-Filmexposé Addicted to Plastic belegt Bootes Film ein berechtigtes Interesse an Aufklärung, das er nur begrenzt einlösen kann – oder will. hub

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2009)

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