Nach Kritik: Roman Polanski verzichtet auf César-Vorsitz

In den USA wird Roman Polanski wegen Vergewaltigung gesucht. Dass er der César-Verleihung vorsitzen sollte, sorgte für Kritik. Eine Petition sammelte 60.000 Unterschriften für die Absetzung des Regisseurs.

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Roman Polanski auf einem Archivbild – (c) APA/AFP (VALERY HACHE)

Der französisch-polnische Starregisseur Roman Polanski verzichtet auf den Vorsitz der César-Verleihung am 24. Februar. Frauenrechtsorganisationen hatten die Ehrung wegen früherer Vergewaltigungsvorwürfe gegen Polanski als "Verhöhnung" von Opfern sexueller Gewalt bezeichnet. Eine Online-Petition zur Absetzung Polanskis hat bis dato mehr als 60.000 Unterstützer gefunden.

Die Präsidentschaft der wichtigsten französischen Filmpreise ist eine Ehrung für renommierte Schauspieler und Regisseure. Polanski, der mit Filmen wie "Chinatown" und "Der Pianist" Weltruhm erlangte, sollte unter anderem bei der Zeremonie die Eröffnungsrede halten.

Die mit der Ernennung entstandene Kontroverse habe Polanski "tief betrübt" und auch seine Familie "getroffen", weshalb der Regisseur entschieden habe, "die Einladung nicht anzunehmen", hieß es am Dienstag in einer Aussendung seines Anwalts.

Gesucht wegen Vergewaltigung 1977

Die US-Justiz versucht seit Jahren, Polanski wegen der Vergewaltigung einer Minderjährigen 1977 vor Gericht zu bringen. Man wirft ihm vor, im Alter von 43 Jahren im Haus von US-Schauspieler Jack Nicholson in Hollywood die damals 13-jährige Samantha Geimer sexuell missbraucht zu haben. Geimer berichtete damals, Polanski habe sie mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht und vergewaltigt.

Polanski bestritt die Vorwürfe, bekannte sich aber wegen Sex mit einer Minderjährigen schuldig und saß zunächst 42 Tage im Gefängnis, bevor er auf Kaution frei kam. Vor der Urteilsverkündung floh der Filmemacher 1978 nach Europa. Er ließ sich in Frankreich nieder und kehrte nicht mehr in die USA zurück, weil er fürchtete, dass die Strafe trotz einer Übereinkunft mit der Staatsanwaltschaft höher als vereinbart ausfallen würde.

Zivilrechtliche Einigung auf Entschädigungszahlung 

Den Oscar für den besten Film, den er 2003 für "Der Pianist" bekam, nahm Polanski nicht persönlich entgegen. Geimer erklärte damals, sie habe Polanski verziehen. Mit ihr hatte der Regisseur bereits 1994 eine zivilrechtliche Einigung auf eine Entschädigungszahlung erzielt.

Die Justiz in Kalifornien hielt stets an ihren Tatvorwürfen fest. Vor einigen Jahren scheiterte sie in der Schweiz mit einem Auslieferungsantrag. Zwar nahmen die Schweizer Behörden Polanski auf US-Anweisung 2009 in Zürich fest und stellten ihn in seinem Chalet in Gstaad unter Hausarrest. Nach zehn Monaten wurde Polanski aber wegen Unklarheiten im Auslieferungsgesuch wieder freigelassen.

>> Petition auf change.org

 

(APA/AFP)

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