Maximilian als Superheld der Habsburger

KritikAndreas Prochaska hat die Geschichte von Maximilian I. und Maria von Burgund als mit Intrigen gewürzte, romantisierte Lovestory verfilmt: ein sehenswerter dreiteiliger History-Schinken, auch dank der großartigen Schauspieler.

Maximilian.
Maximilian.
Jannis Niewöhner spielt Maximilian – (c) ORF (Thomas Kiennast)

Trommeln kündigen das Unheil an. Auf dem Schlachtfeld nahe Nancy werden die letzten noch Lebenden im Schlamm abgestochen wie Vieh. Es schneit. Ein weißes, für den Kampf geschmücktes Pferd kommt gelaufen. Sein Reiter? Tot. Karl der Kühne ist im Kampf gegen die Lothringer gefallen. Es ist der Jänner des Jahres 1477 – und der Beginn eines erbitterten Ringens um Karls Herzogtum, das sich vor allem der französische König, Ludwig XI., gern einverleiben würde. Denn Karl der Kühne hat keine männlichen Nachkommen – nur eine 19-jährige Tochter: Maria. Als Frau aber kann sie nicht herrschen. Nur eine Heirat kann ihr das Erbe sichern. „Alle werden versuchen, sich dein Land zu nehmen – und dich dazu“, warnt die Stiefmutter, Margareta von York. Und schon ist man mittendrin im „Spiel von Macht und Liebe“, das Regisseur Andreas Prochaska („Das finstere Tal“) in seinem Dreiteiler „Maximilian“ erzählt. Ein History-Schinken, der sich um das junge Fernsehpublikum bemüht.

Denn Prochaska veredelt die Überlieferung zur romantisierten Lovestory zwischen dem „letzten Ritter“ und der Herzogin von Burgund, er würzt sie mit politischen und persönlichen Intrigen. Ein „House of Cards“ der frühen Neuzeit, quasi. Meuchelmord inklusive. Prochaska hat sichtlich Spaß am Spektakel: Er inszeniert Schlachtgetümmel und Verfolgungsjagden hoch zu Ross (ein 15-Mio.-Euro-Budget, das ORF, ZDF und Beta-Film mit Unterstützung des Fernsehfonds Austria aufbrachten, machte nicht alles, aber einiges möglich). Einmal erlebt man einen ritterlichen Turnierkampf Maximilians aus der Perspektive des Sehschlitzes seiner Rüstung (Kamera: Thomas Kiennast) – und fühlt sich als Zuschauer wie hilflos eingezwängt in einer Blechdose.

Maria und das Merkel-Zitat

Drehbuchautor Martin Ambrosch legt seinen Helden heute wie damals aktuelle Kraftausdrücke („Leck mich!“) in den Mund, der edlen Herzogin sogar ein zeitgenössisches Angela-Merkel-Zitat: Als die von ihren Höfen und Feldern Vertriebenen in einer Kirche Schutz suchen, die vor Flüchtlingen fast überquillt, beruhigt Maria sich und ihre Kritiker mit einem: „Wir schaffen das!“ Dazwischen versehen Brieftauben ihren Dienst als Vorvorfahren von E-Mails, und statt auf Tinder den feschesten Bewerber auszusuchen, schickt Maria ihre vertraute Kammerzofe zu Maximilian, um sich ein erstes Bild vom Heiratswerber zu machen. Denn Maria war zu Ohren gekommen, der Habsburger wäre ein ziemlich roher und ungehobelter Geselle. Ganz unverhohlen schnüffelt also Johanna an ihm, fragt, wie oft er bade, ob er rohes Fleisch esse und ob er auch schreiben und rechnen könne. Erst nachdem die Hofdame mit der zufriedenstellenden Antwort zurück ist, kommt Maximilian in die engere Wahl. Später, bei der Tafel, maßregelt ihn seine Frau freundlich: „Wir benutzen Gabeln.“ Er kontert keck: „Wir auch. Zum Heuwenden.“

Maria (Christa Théret) am Krankenbett von Maximilian (Jannis Niewöhner): Er überlebt alle Angriffe und Verletzungen, sogar den Sturz in eine Pestgrube.
Maria (Christa Théret) am Krankenbett von Maximilian (Jannis Niewöhner): Er überlebt alle Angriffe und Verletzungen, sogar den Sturz in eine Pestgrube.
Maria (Christa Théret) am Krankenbett von Maximilian (Jannis Niewöhner): Er überlebt alle Angriffe und Verletzungen, sogar den Sturz in eine Pestgrube. – (c) ORF

Hollywood hätte den beiden wohl ein Happy End vergönnt. Aber das Leben schreibt seine eigenen Drehbücher – und so endete die Ehe zwischen Maximilian I. und Maria von Burgund völlig unerwartet: Ein Reitunfall riss die Herzogin und dreifache Mutter 1482 mit erst 25 Jahren aus dem Leben. Auch Prochaska lässt seine der damaligen Legende entsprechend überhöht schöne Herzogin am Ende dramatisch sterben – aber mehr aus dem Zwang heraus, die Geschichte zumindest bis zu diesem Ende fertig zu erzählen: Maximilian überlebte seine Frau um fast 37 Jahre und erreichte erst nach deren Tod den Höhepunkt als römisch-deutscher König (ab 1486) und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (ab 1508).

Typen: Fussenegger, Moretti, Karl

Für die Darstellerriege setzte Prochaska auf eine Mischung aus Newcomern, internationalen Stars und österreichischen Publikumslieblingen. Jannis Niewöhner ist weitgehend unbekannt, aber ein würdiger Maximilian: fesch, frech und durchtrainiert nimmt man ihm die Rolle des Heißsporns gerne ab, der sich zum Ritter und Edelmann mausert – ja fast zum Superhelden wird (er überlebt schlimmste Verletzungen). Christa Théret ist Teenagern als Tochter von Sophie Marceau in der Komödie „LOL“ bekannt. Ihre Maria von Burgund wirkt wie eine Mischung aus Heiliger (zwischen den Flüchtlingen in der Kirche oder als sie ihren Sohn bei der Taufe entblößt, um den Untertanen zu beweisen, dass es kein Mädchen ist) und gegen die Männerwelt revoltierender Emanze. Die beiden sind ein fast schon zu schönes Paar!

Dreimal neunzig Minuten Sendezeit geben auch den anderen Darstellern Gelegenheit, ihre Figuren einprägsam zu gestalten: Ex-Buhlschaft Miriam Fussenegger ist als Kammerfrau eine zaghafte Geliebte von Maximilians Freund Polheim (Stefan Pohl) – und muss sich von ihrem Ehemann (widerwärtig: Erwin Steinhauer) schlagen lassen. Tobias Moretti gibt Kaiser Friedrich III. als innerlich versteinerten Menschen, der alle Unannehmlichkeiten in der finsteren Burg in Wiener Neustadt aussitzt. Ludwig XI. (Jean-Hugues Anglade) und seine zweite Frau, Charlotte von Savoyen (Sylvie Testud), sind ein verbittertes, machtbesessenes Paar; Fritz Karl ein abstoßender, sexistischer Herzog von Geldern. Auch Lili Epply (Maximilians Geliebte), Johannes Krisch (Berater von Friedrich III.) und Martin Wuttke (Ulrich Fugger) sorgen für charakterlichen Tiefgang. Ein sehenswertes Kostümspektakel.

„Maximilian“: 1., 2. und 3. März, 20.15 Uhr, ORF eins.
Doku von Manfred Corrine: 3. März, 22 Uhr, ORF eins.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2017)

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