„Countdown Copenhagen“: Sind diese Geiseln „billig“?

Die Serie „Countdown Copenhagen“ versucht den Spagat zwischen Action und Moral, bleibt aber klischeehaft.

In „Countdown Copenhagen“ warten Geiseln in einem U-Bahn-Schacht verzweifelt auf ihre Befreiung.
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In „Countdown Copenhagen“ warten Geiseln in einem U-Bahn-Schacht verzweifelt auf ihre Befreiung.
In „Countdown Copenhagen“ warten Geiseln in einem U-Bahn-Schacht verzweifelt auf ihre Befreiung. – (c) ZDF und Christian Geisnæs

Ein Schreckensszenario in Echtzeit – das gab's schon. Zwischen 2001 und 2010 entstanden 192 Episoden der Fernsehserie „24 – Twenty Four“, deren einzelne Teile stets eine Stunde der Handlung erzählten – eine innovative Inszenierung, bei der die Spannung mit dem Ticken der Sekundenuhr vorangetrieben wurde. Seither hat sich das gefühlte Tempo von Serien erhöht, denn man kann sich auf Streamingdiensten oft auch gleich alle Episoden am Stück anschauen. Generell geben heute vor allem Streamingportale die Qualitätsstandards und die Schlagzahl vor. Das haben die analogen TV-Stationen spürbar verinnerlicht – und schauen sich das eine oder andere Erfolgsrezept ab.

So startet ZDFneo am Freitag seine erste internationale Koproduktion, die Serie „Countdown Copenhagen“, deren acht Folgen ab dann täglich (um 23.15 Uhr) ausgestrahlt werden – und jeweils von einem Tag der Ereignisse erzählen. Da tickt auch die Uhr – nur laufen Tage, nicht Stunden ab. Dabei würde es einen nicht wundern, käme „24“-Star Kiefer Sutherland alias Jack Bauer mit entschlossener Miene um irgendeine Ecke, um im Alleingang jene 15 Geiseln zu befreien, die drei bewaffnete Männer mitsamt einem U-Bahn-Zug ausgerechnet im sonst so beschaulichen Kopenhagen entführt haben. Er würde gut in den Plot passen, der um den Kriegsveteranen Philip Nørgaard (Johannes Lassen) kreist, der einst in Afghanistan selbst als Geisel genommen wurde und seither unter Albträumen und Flashbacks leidet.

Showrunner Kasper Barfoed ist nicht zimperlich, wenn es um die Action geht: Schon zum Auftakt wird der Zuschauer Zeuge einer Folterszene, in der Nørgaard (noch als Soldat) an die Grenze der Bewusstlosigkeit geprügelt wird. Als er aus der Erinnerung aufschreckt, läuft bereits die Entführung – und Nørgaard wird in die Taskforce berufen, die die Geiseln befreien soll.

Barfoed will vor dem Hintergrund des terroristischen Angriffs aber vor allem moralische Fragen abhandeln. Zum Beispiel: Wie viel ist ein Menschenleben wert? („Zwei Millionen Kronen pro Geisel – ist das billig oder teuer?“, fragt man sich in der Taskforce.) Oder: Was dürfen Medien? Journalistin Naja Toft (Paprika Steen) gefährdet mit ihren Aktionen (sie ruft in ihrem Blog zu Spenden für das Lösegeld auf) und Interviews die Befreiungsaktion – und als ein Skype-Interview mit den Eingebunkerten aus dem Ruder läuft, wird eine Geisel erschossen . . .

 

Journalistin? Publicitygeil!

Das Szenario wirkt konstruiert und bleibt klischeehaft à la Hollywood (zumindest in den ersten beiden Folgen, die ZDFneo zur Voransicht bereit stellte) – mit einer publicitygeilen Journalistin, einem traumatisierten Ex-Soldaten (der eine Affäre mit der Polizeipsychologin hat, die ihn durchschaut) und Geiseln wie Adel, dem Karatelehrer, der Männer mit Migrationshintergrund lehrt, ihre Aggressionen im Zaum zu halten. Am Ende führt der Kreis zurück zu Nørgaard, der sich seiner Vergangenheit und der Frage stellen muss, wie moralisch er selbst gehandelt hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2017)

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