Darf eine Weiße einen Film über Rassismus machen?

In "Detroit" zeigt Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow die fünftägigen Rassenunruhen aus dem Jahr 1967. Nun wird debattiert, ob eine weiße Regisseurin dieses Thema verfilmen darf.

Bilder des Tages July 25 2017 Detroit MI USA Director and producer Kathryn Bigelow arrives fo
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Bilder des Tages July 25 2017 Detroit MI USA Director and producer Kathryn Bigelow arrives fo
Kathryn Bigelow bei der Weltpremiere von "Detroit" in Detroit. – (c) imago/ZUMA Press (Romain Blanquart)

Kathryn Bigelow gilt als eine der besten Action-Regisseurinnen Hollywoods. Für "The Hurt Locker" erhielt sie 2010 den Oscar für die beste Regie - als erste Frau überhaupt. Danach erschien ihr viel beachteter Thriller "Zero Dark Thirty" über die Tötung Osama Bin Ladens.

"Detroit", Bigelows aktueller Film, befasst sich mit einem einerseits historischen, andererseits höchst aktuellen Thema: Rassismus in den USA. Schauplatz ist die Industriestadt Detroit im Jahr 1967. Die schwarze Bevölkerung leidet unter Rassismus und sozialer Ungerechtigkeit. Am 23. Juli eskaliert der Konflikt durch eine Polizeirazzia in einer Bar. Fünf Tage lang dauern die Unruhen, die 43 Tote und fast 1200 Verletzte fordern.

 

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Filmstill aus "Detroit" – (c) Constantin Film

Der Film beleuchtet Tag drei, den sogenannten "Algiers Motel Icident", bei dem drei schwarze Teenager während des Ausnahmezustands im Algiers Motel Zuflucht suchen und schließlich von Polizisten gequält und getötet werden.

In den USA sorgt der Film für Debatten - nicht wegen seiner Aktualität oder Brutalität, sondern wegen der Hautfarbe der Regisseurin. Der aus Detroit stammende Künstler John Sims etwa meinte in einem Beitrag auf Al Jazeera, "Detroit" sei ein Film von weißen Menschen für weiße Menschen und Richard Brody, Filmkritiker des angesehenen "New Yorker" betrachtet den Film als "moralisches Versagen".

In einem Interview mit der New York Times meinte die Regisseurin, sie wäre zuerst selbst nicht ganz sicher gewesen, ob sie als Weiße die richtige Person sei, diese Geschichte zu erzählen. Aber das ständige Wiederkehren ähnlicher Ereignisse und die Hoffnung, dadurch zur Diskussion beizutragen, hätten sie bestärkt, diesen Film zu machen: "To do nothing was not an answer.”

 

>> Beitrag auf Al Jazeera

>> Artikel im New Yorker

>> Interview in der New York Times

 

 

 

 

 

(mel)

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