Diagonale: Blick auf einen Kultkriminellen

Sladjana Krsteska und Alban Bekic haben eine Dokumentation über den im Vorjahr verstorbenen Zuhälter und Gewalttäter Heinz Sobota gemacht.

Die Autodidakten Alban Bekic und Sladjana Krsteska haben einen Film über den einst umschwärmten „Minus-Mann“ gemacht. Premiere ist morgen bei der Diagonale.
Die Autodidakten Alban Bekic und Sladjana Krsteska haben einen Film über den einst umschwärmten „Minus-Mann“ gemacht. Premiere ist morgen bei der Diagonale.
Die Autodidakten Alban Bekic und Sladjana Krsteska haben einen Film über den einst umschwärmten „Minus-Mann“ gemacht. Premiere ist morgen bei der Diagonale. – (c) Akos Burg

Eine exakte Begründung stand nie in den Absagen. Aber dass die grassierende Political Correctness ihrem Projekt nicht gerade Rückenwind verliehen hat, ist für die beiden Filmemacher Sladjana Krsteska und Alban Bekic evident. Ihre Dokumentation über Heinz Sobota, einen Gewalttäter und Zuhälter, der 1978 mit seinem bekenntnishaften Buch „Der Minus-Mann“ einen internationalen Bestseller geschrieben hat, liegt nicht im heutigen Zeitgeist.

„Es sollte aber nicht sein“, „sagt Krsteska, „dass man aus Puritanismus bei solchen Themen die Augen verschließt. Solche Typen gibt es schließlich immer noch.“ Mehrere Jahre lang haben sich die beiden, die einander aus dem Gymnasium Wasagasse kennen, mit Finanzierung und Dreh geplagt. Sie sind Jahrgang 1977, haben also nicht bewusst mitbekommen, wie Sobota in den frühen Achtzigerjahren von der Intelligenzija umschwärmt wurde. Es gab in jenen Jahren viele Kultkriminelle. Das Spektrum reichte vom dichtenden Killer Jack Unterweger über die Zuhälterin Wanda Kuchwalek (nach der sich die Band Wanda benannte) bis zum beinah liebevoll „Minus-Mann“ genannten Sobota. Die schöne Idee einer vollständigen Resozialisierung zu promoten, war damals einfach Pflicht. Starjournalisten wie Helmut A. Gansterer und Peter Michael Lingens bemühten sich darum, dem nicht unintelligenten Sobota weiterzuhelfen. Sobota sollte beim „Profil“ angestellt werden, schrieb dann aber nur ein paar Artikel für den deutschen Playboy. Immerhin. Irgendwann zog er es vor, nach Deutschland in die Anonymität zu verschwinden. Krsteska und Bekic fanden ihn mithilfe des Heyne-Verlags schließlich in München. „Erstaunlich, wie Sobota den Wahnsinn gegen ein recht triviales Leben eingetauscht hat“, sagt Krsteska.

Was fasziniert Nachgeborene an der Lektüre des „Minus-Mann“? Für Bekic ist es, „dass man risikofrei in Abgründe schauen kann. Die Form selbst ist rätselhaft. Einen Romanbericht nannte Sobota sein Buch.“ Für Krsteska ist die Sache ambivalenter. „Ich war teilweise sehr angewidert, habe das Buch immer wieder weggelegt. Hart waren die Stellen, wo Sobota sehr offen Missbrauch beschrieben hat.“ Das Duo machte sich schließlich ein erstes Treffen im Wiener Café Sperl aus. „Er hatte schon damals diese demolierte Stimme, die einer Krebserkrankung geschuldet war. Sein Sprechen war ein heiseres Hauchen, unter dem er sehr litt, weil er damit nicht einmal einen Kaffee bestellen konnte.“ Nach dem Treffen überlegten sie einen sinnvollen Ansatz für den Film. Krsteska: „Uns interessierte, wie es möglich sein konnte, dass der Sohn eines Bankangestellten so brutal werden konnte. Er hatte ja keine Kindheit im Heim, kam aus soliden Verhältnissen. Auch, wie er sein kriminelles Leben im Nachhinein beurteilt hat. Fühlt er so etwas wie Reue? Am wichtigsten war uns aber die Blickweise der Frauen, die mit ihm zu tun hatten. Gewalt, Manipulation, Hörigkeit, der ganze Komplex.“

„Es gab gruselige Momente“

Und so besteht der Film aus Dialogen mit Sobota, die diese heiklen Themen erörtern. Im Gegenschnitt wird die Sichtweise von Frauen gezeigt, die in seinen Bannkreis gekommen sind. Bekic dazu: „Es war – bis auf die Ehefrau – nicht leicht, sie dazu zu bringen, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Eine der Frauen, die er auch auf den Strich geschickt hat, trifft ihn im Film zum ersten Mal nach 25 Jahren in der Loos-Bar. Diese Szene war ein gewisses Highlight für uns. Die beiden haben sich gewundert, dass sie so alt geworden sind. Sie haben das Alter nur am jeweils anderen gesehen.“

Krsteskas Resümee der nicht gerade einfachen Dreharbeiten: „Am Ende hat es sich ausgezahlt, obwohl wir keinerlei Förderungen bekommen haben. Es gab gruselige Momente, wenn ich in diese Psychoaugen geschaut habe. Insgesamt war Sobota sehr respektvoll, aber ich war trotzdem froh, dass ich nie mit ihm allein war.“

AUF EINEN BLICK

„Der Minus-Mann – Die Doku“:Sladjana Krsteska und Alban Bekic haben Heinz Sobota vor seinem Tod 2017 über sein Leben als Rotlichtgröße befragt. Auf der Diagonale:

Freitag, 16. 3. um 11.30 Uhr im Schubert-Kino, Samstag 17. 3. um 18.30 Uhr im UCI Annenhof.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2018)

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