"Deadpool 2": Mit Cher, Charme und Millionen

Auch die Fortsetzung des nicht jugendfreien Comicstreifens mit Ryan Reynolds ist voller Selbstironie, Querverweise zu anderen Genrefilmen und brutaler Gewalt. Das Sequel ist gelungener, der misanthropische Protagonist fast schon sozial.

Deadpool 2
Deadpool 2
Sagen Sie niemals Spiderman zu ihm - Ryan Reynolds in "Deadpool 2". – (c) Centfox

"Egoismus ist Einsamkeit", sagte einst der Dichter und Philososph Friedrich Schiller. Mit diesem Zitat eine Brücke zum zeitgenössischen Comicfilmgenre, im Speziellen zur Fortsetzung der Geschichte eines nach einem Experiment de facto unverwundbaren, bis ins Mark politisch unkorrekten, zynischen Marvel-Antihelden in roter Lederkluft zu schlagen ist zugegeben schwierig. Moment, "Deadpool" ist (noch) kein Begriff? Spulen wir ein paar Jahre zurück, wie es sich Cher im Achtzigerjahre-Hit "If I Could Turn Back Time" wünscht: 2004 begannen die Pläne einer Verfilmung von "Deadpool" mit dem kanadischen (Rom-Com-)Schauspieler Ryan Reynolds in der Hauptrolle. Die Realisierung geriet ins Stocken, auch weil Reynolds mit der CGI-Katastrophe "Green Lantern", einer anderen Comicverfilmung, einen massiven Flop ablieferte.

Erfolgreichster nicht-jugendfreier Kinofilm

Doch "Deadpool" kam Jahre später tatsächlich ins Kino (2016), auch weil die Kosten für einen Genrestreifen überraschend niedrig gehalten wurden (60 Millionen Dollar) und Reynolds finanziell ins Projekt einstieg. Mit viralen Marketing-Aktionen gelang ein riesiger Hype, der zu einem enormen wirtschaftlichen Erfolg führte. Mit mehr als 780 Millionen Dollar schaffte "Deadpool" das höchste Einspielergebnis eines nicht jugendfreien Kinofilms. Reynolds, der sich an den Erlösen beteiligte, gewann mehrfach: Niemand erinnerte sich mehr an "Green Lantern", nur er selbst, als er sich in "Deadpool" persiflierte.

Bromance mit Wolverine geht weiter

Wer mit dem ersten Teil von "Deadpool" seine diebische, trashige und (selbst-)referenzielle Freude hatte, wird auch nach Teil zwei frohlocken (alle anderen werden sich auch mit dem teils arg pubertären Humor des Sequels nicht anfreunden können): Schon in der ersten Sequenz des Films (sorry für den Miniatur-Spoiler, inhaltlich wird natürlich absolut gar nichts verraten) spielt Deadpool mit einer aufgespießten Wolverine-Actionfigur. Bereits in Teil eins wurde die Bromance der beiden, Ryan Reynolds und Hugh Jackman, ausgekostet, und zwischen den Filmen auf Social Media (Sorry, das wäre somit auch der Spoiler für den letzten Wolverine-Film "Logan").

Tolle Besetzung

Wie überhaupt Reynolds meisterhaft das Spiel mit Medien, Fans und deren Erwartungen beherrscht. Trailer werden im Vorfeld konterkariert, das Genre dekonstruiert, wie auch der Vorspann der Filme, diesmal eine Anspielung auf die Bond-Streifen - nur eben nicht maskulin. Oberflächlich kämpft Deadpool mit fiesen Schergen (wie etwa Cable, gespielt vom herrlich grimmigen Josh Brolin), auf der Meta-Ebene mit Sexismus (X-People statt X-Men), Rassismus, Homophobie und sich selbst.

Und weil Egoismus Einsamkeit bedeutet, nehmen die "X-Men" den einsamen Misanthropen bei sich auf. Dieser wiederum entdeckt sein Helfersyndrom und will den jungen, wütenden Mutanten Rusty Collins/Firefist (toll: Julian Dennison, bekannt aus dem Film "Wo die wilden Menschen jagen" des neuseeländischen Regisseurs Taika Waititi) auf den richtigen Pfad führen. Ob das gutgehen kann?

Weniger kann man bei einer Filmbesprechung kaum preisgeben, nicht wahr? Denn der Kinospaß, und der ist in der derben Fortsetzung neben ultrabrutalen Kampfszenen und unzähligen Querweisen durch die popkulturellen Universen (etwa "Yentl"-Referenzen) auch reichlich vorhanden, soll eben nicht zu kurz kommen. Mehr soll nun aber wirklich nicht verraten werden ... außer, dass ein dritter Teil schon geplant ist. Und, dass man nach dem Kinobesuch einen Cher-Klassiker als hartnäckigen Ohrwurm mit nach Hause nimmt. Wenn man jetzt bloß die Zeit zurückdrehen könnte!

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