Mit künstlichem Bein über dem digitalen Abgrund

Kritik Der 3-D-Blockbuster „Skyscraper“ ist ein überzogenes Katastrophenspektakel, maßgeschneidert für Weltstar Dwayne Johnson.

US-'SKYSCRAPER'-NEW-YORK-PREMIERE
US-'SKYSCRAPER'-NEW-YORK-PREMIERE
Dwayne Johnson – APA/AFP/GETTY IMAGES/Michael loc

Muss Dwayne „The Rock“ Johnson noch irgendwem irgendwas beweisen? Angesichts der massiven Filmerfolgsserie, die den nicht minder massiven Ex-Wrestler aus Kalifornien zu einem der beliebtesten und bestbezahlten Schauspieler (und zum womöglich ersten genuinen Kino-Superstar des Globalisierungszeitalters) gemacht hat, könnte man meinen, dass es keiner weiteren Versicherungen seines Status als ultimativer Zeitgeist-Actionheld bedarf.

So wirkt das maßgeschneiderte Johnson-Vehikel „Skyscraper“, das auf „Stirb langsam“ sowie auf „Total Recall“ und „Mission Impossible 4“ direkt Bezug nimmt, also den Vergleich mit ausgemachten Klassikern (und einer markanten Klassiker-Fortsetzung) des Action-Genres sucht, fast ein wenig protzig. Umso mehr, da der Film nicht einmal halb so gut ist wie diese Vorbilder.

Johnson spielt Will Sawyer, einen Ex-Waffenträger der Sonderklasse (diesmal aus der FBI-Elite – irgendwie muss man die imposante Physis des Mannes ja rechtfertigen). Dieser hat bei einem heiklen Einsatz sein Bein verloren, verdingt sich nunmehr als privater Sicherheitsexperte. Ein Auftrag bringt ihn nach Hongkong, wo ein Milliardär (Chin Han) seinen Rekordwolkenkratzer auf Risken abklopfen will. Doch böse Buben mit tückischen Plänen setzten selbigen in Brand, und Sawyer setzt alles aufs Spiel, um seine im Hochhaus gefangene Familie zu retten.

Diese Mission verleitet ihn zu allerlei Waghalsigkeiten, die ebenso effekthascherisch wie unglaubwürdig sind. Sawyer klettert nächtens todesmutig einen Baukran hoch, springt von dessen Arm ins flammende Inferno, bewahrt mit Atlantenkraft eine Brücke vor dem Einsturz. Er ist ein Improvisationskünstler wie John McClane und ein Adrenalinjunkie wie Ethan Hunt. Die Wucht der Eskapaden dieser kultigen Draufgänger haben seine Abenteuer trotzdem nicht, weil alles digital und irgendwie egal ist, vom Abgrund über der Stadt bis zum Bernsteinfarbenrausch der Feuersbrunst.

 

Dwayne Johnson spricht Kantonesisch!

Ersterer erregt immerhin Schwindel, düster-trübem 3-D sei Dank. Hin und wieder kommt auch Sawyers künstliches Bein zum Zug, wobei nie ganz klar wird, ob es vorrangig Drehbuchwürze, Inklusionsgeste oder doch nur Prothesenwerbung sein soll. Handlung und Figuren sind bloße Abziehbilder.

Zugegeben: Wie jeder Film, der mit Gusto über die Stränge schlägt, reißt auch „Skyscraper“ stellenweise mit – bis er sich vollends in Nonsens auflöst. Auf dem asiatischen Markt, den er mit Schauplätzen, Nebenrollen und Details (Johnson spricht Kantonesisch!) bedient, sollte das seinem Erfolg keinen Abbruch tun – schließlich zählt dort die „Transformers“-Reihe zu den einträglichsten Hollywood-Exporten. Die Produzenten konnten sogar einen Juli-Start in China sichern, was keine Selbstverständlichkeit ist: Im Sommer gilt in der Volksrepublik für gewöhnlich eine staatlich verordnete Schonzeit für heimische Produktionen, Hollywood wird ausgesperrt. (and)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2018)

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