Serientipps

Die besten Zeichentrickserien für Erwachsene auf Netflix & Co.

Mit "Disenchantment" präsentierte der "Simpsons"-Macher gerade eine neue Animationsserie für Erwachsene. Davon gibt es viele gute – über verkorkste Familien oder neurotische Tiere. Eine Auswahl zum Streamen im Netz.

Das Großstadtleben setzt auch den Tieren zu – in der derbhumorigen Serie „Animals“.
Das Großstadtleben setzt auch den Tieren zu – in der derbhumorigen Serie „Animals“.
Das Großstadtleben setzt auch den Tieren zu – in der derbhumorigen Serie „Animals“. – HBO

Mit den "Simpson", später auch mit "Futurama" hat Matt Groening den Weg geebnet für eine ganze Welle von Zeichentrickserien, die sich nicht (nur) an Kinder richten. Sein neuester Streich, "Disenchantment", ist gerade auf Netflix gestartet. Daneben gibt es aber noch viele weitere empfehlenswerte Serien im Programm der Streamingdienste. Eine Auswahl.

F is for Family

Familien-„Sadcom“, 2 Staffeln seit 2015
Zu sehen auf Netflix

Alle glücklichen Zeichentrickfamilien ähneln einander; jede unglückliche ist auf ihre Art unglücklich. Wobei das mit dem Unglück – genauer gesagt der expliziten, ungefilterten Darstellung von Unglücklichsein – im Animationsserienbereich ein relativ junges Phänomen ist. Die „Simpsons“, Prototyp und Vorbild aller verkorksten Trickfilm-Mischpochen, waren in der Regel eher auf Satire aus als auf die dramatische Erkundung prekärer Familiendynamiken. Die Griffins, ihr zugespitztes Abziehbild aus „Family Guy“, hatten als buchstäbliche Cartoon-Figuren kaum psychologisches Profil. Doch nach dem rezenten Erfolg von „Sadcoms“ wie „BoJack Horseman“ und „Rick & Morty“, TV-Tragikomödien mit Hang zum Seelenstriptease, scheint die Zeit reif für eine Sippschaft wie die Murphys. Der Vater (im Original gesprochen von Komiker und Show-Schöpfer Bill Burr) jähzornig und abgehärmt dank den Zumutungen des Lebens, die Mutter auf der Suche nach Sinn im suburbanen Ödland, die Kinder im Fegefeuer der Pubertät – oder auf dem Weg dorthin. Durch ihre Augen schweift der Blick über ein hämisches Sittengemälde der US-Siebziger, wo einsame Seelen mit Müh und Not gegen Erfolgsdruck und Rollenzwang ankämpfen. Zwischendurch gibt's aber auch was zu Lachen – und ein bisserl klassische Gemeinschafts-Gefühligkeit.

 

Animals

Neurotische Tauben, 3 Staffeln seit 2016
Zu sehen auf Sky

Großstädte machen aus Menschen Nervenbündel, heißt es. Wie ergeht es dann erst den tierischen Bewohnern unserer Metropolen? Nicht viel besser, lautet die Antwort der vom Kreativgespann Phil Matarese und Mike Luciano ersonnenen und von HBO produzierten Zeichentricksitcom „Animals“: New Yorker Ratten kiefeln auf Kanalpartys an ihren Unsicherheiten, Tauben fordern einander wegen Kleinigkeiten zum Wettflug Richtung Freiheitsstatue, Hausstaubmilben streiten sich wegen Modesünden. Der Dialog ist zum Teil improvisiert, der Animationsstil krud, der Humor derb – aber oft nah am wunden Punkt. Und im englischen Original übernehmen Folge für Folge andere Gaststars die Stimmen der neurotischen Menagerie.

 

Robot Chicken

Popkultur-Witzkiste, 9 Staffeln seit 2005
Zu sehen auf Sky

Die Sketchcomedy „Robot Chicken“ ist ein parodistischer Fleischwolf: Schon seit neun Staffeln verwurstet sie Versatzstücke der US-Popkultur – ein unerschöpflicher Quell an Steilvorlagen – zu kurzweiligen Witzewundertüten, zappt sich im Eiltempo durch einen stetig wachsenden Wust an Mini-Persiflagen. Dabei werden meistens überlebensgroße Heldenfiguren aus dem Marvel-Universum, „Star Wars“ & Co von ihrem Podest gerissen und in einen banalen Alltagskontext gestellt, wo ihre Fähigkeiten eher hinderlich sind. Und obwohl sich der Humor der Serie an Erwachsene richtet (auch Polit-Anspielungen ploppen auf), zeugt ihr anhaltender Erfolg davon, wie schwer sich selbige oft tun, Kindheitsobsessionen abzulegen.

 

Rick and Morty

Grotesk und existenziell, 3 Staffeln seit 2013
Zu sehen auf Netflix

Ein „grelles Verzweiflungslachen vor dunklem Grund“ nannte der Phänomenologe Helmuth Plessner einmal jenes Lachen, das aus gründlich erfahrenem Schrecken emporsteigt. „Rick and Morty“ löst es manchmal auch aus. Ein alter Wissenschaftler, den seine Genialität zum Nihilisten werden ließ, reist darin mit seinem unbeholfenen Teenager-Enkel per Dimensionsportal durch groteske Paralleluniversen. Die von der Serie konstant vermittelte Erkenntnis von der Gleichgültigkeit des beängstigend unendlichen Universums und der Hinfälligkeit aller Existenz in ihr ist mit Referenzen aus Philosophie, Popkultur und Wissenschaft unterfüttert und mit zotigem, überdrehtem Humor durchsetzt – bodenloser Tiefsinn!


 

 

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