Eine Roma ermittelt in Lissabon

Fernsehen. Mit erst 26 Jahren spielt die Wienerin Vidina Popov eine Krimihauptrolle. Im Interview spricht sie über Roma-Frauen, ihren Trainervater und ihre bulgarische Herkunft.

Prädikatsexamen hin oder her – die junge Lissabonner Juristin Telaitha Amaya bekommt bei keinem Rechtsanwalt eine Chance als Assistentin. Weil sie eine Roma ist, begegnet man ihr überall mit Vorurteilen. Also nennt sie sich Marcia, was auch nicht hilft: Ein Blick auf den Ausweis – schon wird (nur) sie am Security-Check zur Leibesvisitation gebeten . . . „Ich habe mich mit der Geschichte Portugals und der dort ansässigen Roma-Gesellschaft beschäftigt“, erzählt Marcia-Darstellerin Vidina Popov: „Es gibt nicht viele Berührungspunkte zwischen Roma und Portugiesen. Die Roma kommen schwer aus ihren familiären Strukturen heraus, vor allem die Frauen. Nur wenige gehen auf eine weiterbildende Schule. Das ist das Interessante an Marcia: Sie löst sich aus der Rolle, die ihr die Gesellschaft aufdrückt. Sie will etwas erreichen.“ Es ist ein holpriger Start für die erste deutsche TV-Ermittlerin mit Roma-Hintergrund. Anwalt Eduardo Silva (Grimme-Preisträger Jürgen Tarrach) gibt ihr zwar eine Chance – aber auch nur, weil er gegen Marcias Onkel eine Wette verloren hat . . .

Popov, das ist bereits eine schauspielerische Erfolgsgeschichte: Mit nur 26 Jahren hat es die Wienerin zu einem fixen Engagement am Maxim-Gorki-Theater in Berlin und zu einer Hauptabend-Serienrolle im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gebracht. Das habe aber nichts mit Drill zu tun, sagt sie, auch wenn ihr Vater, Ilija Popov, einst Leichtathletikprofis trainierte: „Er hat mich vielmehr positiv geprägt. Er hat mir eine gesunde Portion Mut, Kraft und Willen mitgegeben. Ich schätze seine Stärke, einen dazu zu motivieren aufzustehen und weiterzumachen – egal, was passiert. Rückschläge kommen in jedem Leben vor.“

Weil ihre Eltern aus Bulgarien stammen, besuchte sie einmal wöchentlich die bulgarische Schule in Wien, wo sie die Sprache und die kyrillische Schrift lernte und im Schultheater auftrat. Eine Regisseurin, die im Publikum saß, heuerte Popov daraufhin für eine kleine Rolle am Volkstheater an. Damals war sie acht. „Da habe ich sofort gespürt: Ich will auf die Bühne.“

 

Und wie sind die Bulgaren so?

Fortan spielte sie, moderierte (im ORF-Kinder-TV) und sang (in der Schulband) und wagte nach der Matura ein „Experiment“: Sie nahm an „Deutschland sucht den Superstar“ teil. „Das war eine sehr gute Erfahrung. Ich habe viel gelernt.“ Und es hat ihr die Wahl erleichtert – für die Schauspielerei. Einmal im Jahr müssen die Studenten am Salzburger Mozarteum eine eigene Arbeit vorlegen: Popov schrieb den Monolog „Ich bin Bulgare“ – ein Stück, das humorvoll (und musikalisch) mit Klischees spielt.

Wie sind sie also, die Bulgaren? „Die sind sehr gastfreundlich, sehr direkt und offen. Ich mag ihre warme Art. Und sie sind sehr musikalisch.“ Sie selbst habe nie in Bulgarien gelebt, das Land nur in den Ferien kennengelernt. „Aber ich bin sehr dankbar, dass ich zwei Kulturen habe. Es ist ein Geschenk, mit zwei Sprachen aufzuwachsen. Und ich habe es nie als negativ empfunden – habe nie Rassismus oder Diskriminierung erlebt.“ Die Bulgaren und die Österreicher seien jedenfalls „sehr unterschiedlich“, sagt Popov: „Ich bin ja Wienerin. Aber mein Herz hat den bulgarischen Rhythmus – das ist ein Siebenachteltakt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2018)

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