Kieberer in Serie: Tatort, Streife, Wachstube

Der ORF-Fernsehherbst liefert besonders viele Krimis. Eine Serie geht zu Unrecht unter: Obwohl die „CopStories“ drei Jahre im Archiv lagen, sind sie stimmiger als andere dieses Genres. So ähnlich wie „Schnell ermittelt“.

Angelika Schnell (Ursula Strauss) und Harald Franitschek (Wolf Bachofner) ermitteln wieder gemeinsam in der neuen „Schnell ermittelt“-Staffel.
Angelika Schnell (Ursula Strauss) und Harald Franitschek (Wolf Bachofner) ermitteln wieder gemeinsam in der neuen „Schnell ermittelt“-Staffel.
Angelika Schnell (Ursula Strauss) und Harald Franitschek (Wolf Bachofner) ermitteln wieder gemeinsam in der neuen „Schnell ermittelt“-Staffel. – ORF

Drei Jahre lag die neue Staffel der „CopStories“ im ORF-Archiv und wartete auf einen Sendeplatz. Da die Kosten für eine Produktion im ORF erst im Jahr der Ausstrahlung bilanzwirksam werden und jahrelang nicht genug Abspielbudget vorhanden war, wurde die Serie gebunkert. Was schade ist, denn man merkt auch einer Krimiserie an, wenn sie nicht mehr ganz aktuell ist. Dieser ganz besonders. Da es darin um den Alltag auf einer Ottakringer Polizeistube geht und dabei auch hie und da auf aktuelle Ereignisse und Themen Bezug genommen wird. Sehenswert ist die Serie, die der ORF nun seit August zeigt, aber immer noch, weil sie die Polizeiarbeit sehr authentisch und angenehm unpeinlich darstellt. Angeblich finden sogar echte Kieberer und Kriminalbeamte ihre Berufsgruppe wirklich gut getroffen. Polizisten haben dem Regie- und Drehbuchteam im Vorfeld viel Einblick in ihre Arbeit gegeben.

In der neuen, dritten Staffel geht es neben den kleinen, manchmal fast zu vielen Alltagseinsätzen pro Folge vor allem um die Dynamik im Team der Polizisten. Die eigentlich gut aufeinander eingespielten Kollegen werden auf eine harte Probe gestellt, als die Polizisten Florian und Tina bei einem Häftlingstransport von einem Schwerverbrecher überwältigt werden. Florian muss, mit Handschellen an das Lenkrad des Streifenwagens gefesselt, mit anhören wie seine Kollegin von dem Mann vergewaltigt wird. Der zum Einsatz gerufene Polizist Roman verprügelt den Täter im Affekt verletzungsreif.

Gespielt ist das von fast allen Darstellern sehr passabel. Nur die weinerliche Art von Michael Steinocher als Freund von Tina ist schwer erträglich. Und der Schnitt in den ersten Folgen der neuen Staffel eine Spur zu hektisch. Aber man spürt, dass das große Ensemble rund um Johannes Zeiler, Claudia Kottal, Serge Falck und Martin Leutgeb sehr gut eingespielt ist. Manche Darsteller haben seit den Dreharbeiten 2015 einen großen Karrieresprung gemacht: Verena Altenberger dank des Films „Die beste aller Welten“ zum Beispiel oder Murathan Muslu, der mit seiner Rolle in der jüngsten „Vorstadtweiber“-Staffel einem breiteren Publikum bekannt wurde.

Die Schuld des Sohnes

Eingespielt ist auch das Team von „Schnell ermittelt“, das ab Montag wieder wöchentlich zu sehen ist. Ähnlich wie bei den „CopStories“ geht es in der neuen und sechsten Staffel viel um die Dynamik des Ermittlerteams rund um Angelika Schnell (Ursula Strauss) und Harald Franitschek (Wolf Bachofner). Wer die Serie verfolgt hat, erinnert sich: Schnells Sohn Jan (gespielt und in der Rolle groß geworden: Simon Morzé) hat jemanden umgebracht. Das wissen nur seine Mutter, Franitschek und bald auch sein Vater, der Gerichtsmediziner Stefan (Andreas Lust) – und jeder geht anders damit um.

„Schnell ermittelt“ ist bald zehn Jahre alt. 2009 ging es los, dazwischen gab es vier Spielfilme. Dass die Darsteller mit der Serie gereift sind, sieht man auch am Vorspann, der noch von damals ist und auch nicht geändert werden soll, der enervierende Sirenenton von Schnells Mobiltelefon ebenfalls. Die Serie bleibt stark bei den zentralen Figuren, flacht allerdings stark ab bei der Komposition der einzelnen Kriminalfälle. Wie die Schuld ihres Kindes an der Mutter nagt, wird einfühlsam dargestellt. Obwohl die seit vielen Staffeln und Filmen ständig neben sich stehende, nun auch zu viel Alkohol trinkende Angelika Schnell mitunter nervt.

Der ORF zeigt nicht nur in diesem Herbst viele Krimis, aber jetzt fallen sie wieder mehr auf. Von den „Soko“-Reihen am Dienstagnachmittag bis zu einigen neuen Landkrimis. Vielleicht heben sich die „CopStories“ auch deshalb so wohltuend vom Rest ab: Es ist eben keine klassische Krimi-, sondern eine Polizeiserie. Die selten, aber doch auch kontroverse Themen wie Beschneidung abhandelt. Beide ORF-Serien leben auch vom Wiener Lokalkolorit. Sowohl was Sprache als auch Stadtbild anbelangt.

„Schnell ermittelt“, Montag, 20.15 Uhr. „CopStories“, jeden Dienstag um 21.05 Uhr, beides ORF eins.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2018)

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