„Zerschlag mein Herz“: Ein Rom und seine Julia

KritikDer österreichische Film „Zerschlag mein Herz“ erzählt von Liebe unter Ausgegrenzten: intensiv und ungewöhnlich.

(c) Filmdelights

Man müsse den Leuten immer in die Augen schauen, sagt der junge Rom Pepe zu seinem Lehrmädchen, sonst geben sie nichts. Und den Becher ausleeren, wenn sich zu viel Kleingeld angesammelt hat – mehr als ein paar Münzen sollten nie drin sein. Ein Kissen fürs Sitzfleisch, ein Starteuro fürs Glück, schon beginnt Marcelas Arbeitstag: „Biiite Herr, klein Spende, biiite.“

Viele kennen diesen Satz. Nur wenige die Menschen, die mit ihm zu Werke gehen. Allein die Tatsache, dass Alexandra Makarovás „Zerschlag mein Herz“ zwei von ihnen zu Hauptfiguren kürt, ist ungewöhnlich für einen österreichischen Film. Es ist nicht sein einziges Alleinstellungsmerkmal: Auch die Art, wie er seine Geschichte erzählt, sticht aus der Masse heimischer Dramen heraus.

 

Große Gefühle, satte Farben

Statt tristen Grau strahlen hier satte Farben von der Leinwand. Statt kühler, analytischer Distanz setzt es große Gefühle. Pepe schuftet in Wien für seinen jähzornigen Zuhälter-Onkel. Marcela kommt aus der Slowakei, um Schulden ihres Vaters abzuarbeiten. Die beiden verlieben sich, und mit einem Schlag ist alles andere egal. „Star-crossed lovers“, wie es bei Shakespeare heißt: vom Schicksal gebunden, von der Gesellschaft getrennt, auf Zweisamkeit versessen.

Ihr Liebes- und Leidensweg ist ein Etappenlauf. Als Gliederung dienen Kapiteleinblendungen im Art-Brut-Stil, wie bei jüngeren Filmen Lars von Triers. „Zerschlag mein Herz“ erinnert eher an dessen „Goldherz“-Trilogie aus tränenintensiven Melodramen – nur mit mehr Leichtigkeit im Blut. Eine Eigenschaft, die Makarovás Film dank seiner Laienhauptdarsteller Roman Pokuta und Simona Kovácová selten verliert. Um die beiden zu finden, unternahmen Maraková und ihr Partner, der Schauspieler Simon Schwarz, der hier erstmals als Produzent fungierte, aufwendige Castingreisen in die Slowakei. Die gefundenen Darsteller sind zwar dem Stoff nicht immer gewachsen, doch ihre natürliche Ausstrahlung macht vieles wett.

Genau wie der überhöhte Stil – Zeitlupen, Traumsequenzen, expressive Farbdramaturgie – dabei hilft, manch eine holprige Plotwendung dieses schönen, tragischen Liebesmärchens nicht allzu sehr unter die Glaubwürdigkeitslupe zu nehmen. Dass in Wirklichkeit alles noch schlimmer ist, weiß man ohnehin. Umso beachtlicher, wie „Zerschlag mein Herz“ dieser Wirklichkeit etwas Poesie abringt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2018)

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