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Eine Geburt ist kein Kindergeburtstag! Bemerkenswerte Entbindungsszenen auf Netflix und Amazon

Bei der Geburt des "Royal Baby" waren keine Kameras dabei. Im Film ist man weniger zimperlich: Da wird gebrüllt oder stoisch gewartet, da schlüpfen Aliens und Vampire. Sieben Geburtsszenen aus dem Streaming-Programm zum Nach-, Mit- oder Vorempfinden.

Geräuschlos und zackig: ein satirischer Geburtsmoment bei Monty Python.
Geräuschlos und zackig: ein satirischer Geburtsmoment bei Monty Python.
Geräuschlos und zackig: ein satirischer Geburtsmoment bei Monty Python. – Universal Pictures

Beim ersten Mal (Knocked Up)

Von Judd Apatow, 2007
Zu sehen auf Netflix

Die Darstellung des In-die-Welt-Kommens war in Hollywood lange Zeit mit einem Tabu belegt – dem Zeugungsakt selbst nicht unähnlich. Entweder brachte ein zeitüberspringender Schnitt das Baby anstelle des Storchs, oder die Kamera nahm die Perspektive kopfscheuer Väter ein: Begleitet vom Ticken der Wanduhr läuft ein rastloser Mann vor dem Kreißsaal auf und ab, während hinter verschlossenen Türen Mysteriöses vonstatten geht. Schließlich winkt ihn der Arzt herein, um ein rührendes Madonnenbildnis zu präsentieren. Überstanden! Mittlerweile ist Hollywood weniger scheinheilig, wenn es um Entbindungsszenen geht, und würdigt endlich auch die Passion der Mütter. Ein markantes, humorvolles Beispiel bietet Judd Apatows Beziehungs-Dramödie „Knocked Up“ (2007). Alison (Katherine Heigl) liegt in den Wehen: Ihr ist alles egal. Gaffer werden aus dem Raum gebrüllt, Hebammen mit Schimpfe überschüttet, Ärzte um Anästhesie angebettelt; Erzeuger Ben (Seth Rogen) kann nur moralischen Beistand leisten.

 

Alien: Die Wiedergeburt

Von Jean-Pierre Jeunet, 1997
Zu sehen auf Netflix

Für eine Spezies, die es bevorzugt, dramatisch durch Bauchdecken zu platzen, muss es besonders demütigend sein, per Kaiserschnitt zur Welt gebracht zu werden. So was hat schon gar nicht die Alien-Königin verdient, die im vierten Teil der legendären Sci-Fi-Bodyhorror-Saga von Wissenschaftlern mit Laser und Kneifzange aus dem Körper einer geklonten Ellen Ripley geschnitten wird – ausgerechnet jener Frau, die 200 Jahre zuvor eine ganze Kolonie von Artgenossen ausgerottet hat.

 

The Twilight Saga: Breaking Dawn – Part 1

Von Bill Condon, 2011
Zu sehen auf Amazon und Netflix

Die Risiken und Nebenwirkungen von Vampirgeburten? Nicht zu unterschätzen. Bella (Kristen Stewart) lernt das im vierten „Twilight“-Teil auf die harte Tour. Erst bricht ihr der Fötus fast das Kreuz, dann greift Papa Edward (Robert Pattinson) per Notfall-Kaiserbiss ein. Ein Schauspiel an der Grenze zum Grotesken – doch bei aller Fantasy-Überzeichnung ehrlicher als diskretes Wegschauen.


Baby Mama

Von Michael McCullers, 2008
Zu sehen auf Netflix

„Ich bin erstaunlich ruhig“, freut sich Angie, nachdem ihre Fruchtblase geplatzt ist. Einen Augenblick später fühlt sie sich, als müsse sie „ein Messer scheißen“ – und schreit das halbe Krankenhaus in Grund und Boden. Gespielt wird sie von Komödiantin Amy Poehler, die sich in der amüsanten Geburtsmontagesequenz dieses Films (2008) so richtig austoben kann: Verknappt, aber prägnant.

 

Monty Python: Der Sinn des Lebens

Von Terry Jones, 1983
Zu sehen auf Netflix

Flügeltüren knallen auf, Maschinen werden eilig für den herannahenden Verwalter im Kreißsaal aufgestellt. Aber irgendwas fehle noch, meint der Arzt mit Blick auf die apparative Anordnung. Die Patientin! Nach der geräuschlosen Entbindung wird die Nabelschnur zackig mit einem Hackebeil durchtrennt, der Säugling wie ein glitschiger Fisch mit einem Handtuch abgerubbelt und schnurstracks in einen Brutkasten gesteckt, eingeschlossen und abtransportiert. Eine satirische Demontage des modernen Umgangs mit dem Entstehungsmoment des Lebens in schnellen, gegen den Pragmatismus technokratischer Geburtshelfer gerichteten Gags – urkomisch!

 

Children of Men

Von Alfonso Cuarón, 2006
Zu sehen auf Amazon

Die Scheune, in der die Immigrantin ihren Babybauch enthüllt, lässt an den Geburtsort des Heilands denken. Das von brennenden Mülltonnen erleuchtete Flüchtlingslager, in dem ihr Kind auf einer dreckigen Matratze zur Welt kommt, an die Apokalypse. Alfonso Cuaróns („Roma“) Sci-Fi-Dystopie gleicht einem christlichen Leinwandgemälde, besonders zum Schluss, wenn Rebellen und Soldaten in einer von Bürgerkrieg und Terrorismus betroffenen Zukunft anno 2027 gemeinsam in die Knie gehen und sich bekreuzigen, als die frisch geborene Hoffnungsträgerin einer seit 18 Jahren unfruchtbaren Menschheit an ihnen vorbei getragen wird. Doch dann fällt wieder ein Schuss . . .

 

Apocalypto

Von Mel Gibson, 2006
Zu sehen auf Amazon

Mel Gibsons Maya-Epos (2006) ist vor allem dafür bekannt, in der Sprache der Ureinwohner Mittelamerikas gedreht worden zu sein. Notabel ist aber auch seine Abbildung einer Wassergeburt: im 16. Jahrhundert keine Lifestyle-Entscheidung, sondern Zufall (oder Notwendigkeit). Die hochschwangere Frau eines Jägerhelden (Dalia Hernández) steckt in einer von Sturzregen gefluteten Höhle fest. Ihr Sohn flutscht quasi aus ihr raus – und treibt samt Nabelschnur an die Oberfläche. Ein geborener Schwimmer!

 

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