Filmfirmen verpflichten sich zu mehr Gendergerechtigkeit

38 heimische Filmproduzenten haben einen Inclusion Rider unterzeichnet, um den Frauenanteil im Film zu steigern.

90th Academy Awards - Oscars Show - Hollywood
90th Academy Awards - Oscars Show - Hollywood
Frances McDormand nutzte ihre Dankesrede, um mehr Vielfalt im Film zu fordern – (c) REUTERS (Lucas Jackson)

Zwei Wörter habe sie noch für das Publikum der Oscar-Gala, sagte Frances McDormand, die gerade als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden war, 2018 am Ende ihrer Dankesrede: „Inclusion Rider.“ Das ließ viele Zuschauer – auch im Saal – ein bisschen ratlos zurück: Was soll das sein? Tatsächlich hatte McDormand selbst erst kurz zuvor von der Maßnahme gehört, die erstmals 2014 von der Uni-Professorin Stacy Smith vorgeschlagen worden war, um den Frauenanteil in Hollywood zu heben. Es handelt sich um eine Vertragsklausel, mit der gefragte Schauspieler mehr Vielfalt in ihren Filmen einfordern können.

Smith, Gründerin der Annenberg Inclusion Initiative an der University of Southern California, erforscht seit vielen Jahren die (Unter-)Repräsentation von Frauen und Randgruppen im Film. Ihr Vorschlag setzt vor allem bei den Nebenrollen an: Ein typischer Film habe 40 bis 45 Sprechrollen, von denen meist nur zehn für die Handlung relevant seien. Es gebe keinen Grund, argumentiert Smith, warum die restlichen Rollen nicht der Demografie des jeweiligen Filmschauplatzes entsprechen sollten. Anders ausgedrückt: Ein Kellner, der der Hauptfigur einen Kaffee bringt, ein Arzt in der Notfallambulanz, ein Polizist im nächtlichen Wachzimmer müsste nicht immer von einem weißen, männlichen Darsteller gespielt werden – wird es meistens aber.

Frauen auch für „männliche“ Rollen

Smith formulierte also eine Vorlage, den sogenannten Inclusion Rider, den Star-Schauspieler adaptieren und in ihre Filmverträge hineinverhandeln können. Ben Affleck, Matt Damon, Michael B. Jordan und Brie Larson haben sich bereits dazu bekannt. Eine österreichische Initiative setzt nun nicht auf den Druck durch Stars, sondern auf den freiwilligen Einsatz der Produktionsfirmen: 38 – darunter die Firmen hinter „Baumschlager“ (Dor Film), „Cops“ (Golden Girls) und „Angelo“ (Amour Fou) – haben eine Absichtserklärung unterzeichnet. Sie verpflichten sich, Rollen „jenseits von gängigen Geschlechterklischees“ zu besetzen, nicht geschlechtsspezifizierte Nebenrollen „nach Möglichkeit“ an Frauen zu vergeben und zumindest eine Rolle, die eigentlich laut Drehbuch männlich ist, möglichst mit einer Frau zu besetzen.

Für Jobs hinter der Kamera (etwa Regie, Kamera, Schnitt) müssen auch Frauen interviewt werden, in Drehbüchern soll der sogenannte Bechdel-Test (gibt es mindestens zwei Frauen, die miteinander über etwas anderes als Männer reden?) angewandt werden – auch umgelegt auf Männerfiguren. Auch gleiche Bezahlung bei gleicher Leistung wird zugesagt.

Im Vergleich zu Smiths Vorlage fehlt im österreichischen Inclusion Rider vor allem eines: Eine Konsequenz, wenn das Geschlechterverhältnis in einem Film am Ende trotz allem unausgewogen ist. Die Hollywood-Variante sieht Strafzahlungen vor – an einen Förderfonds.


[PJIW0]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2019)

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