Zu patriotisch? Aufregung über „Mulan“-Trailer

Keine Komik, keine Musik: Der neue Disney-Film, basierend auf einer chinesischen Sage, zündet Debatten.

Der Trailer zum neuen Film sorgt für Debatten.
Der Trailer zum neuen Film sorgt für Debatten.
Der Trailer zum neuen Film sorgt für Debatten. – Disney/YouTube

Selten stößt ein Disney-Film in China auf derartiges Interesse: Nach Neuverfilmungen von Zeichentrickklassikern von „Aladdin“ bis „Dumbo“ kommt 2020 eine neue Version von „Mulan“ ins Kino. Diese Woche wurde der erste Trailer veröffentlicht, 175 Millionen Mal wurde er allein in den ersten 24 Stunden angesehen. 52 Millionen Klicks davon kamen aus China. Der Grund liegt nahe: Der Disney-Film basiert, wie schon sein Zeichentrickvorgänger von 1998, auf dem rund 1500 Jahre alten chinesischen Volksgedicht „Hua Mulan“. Ein Mädchen verkleidet sich darin als Mann, um anstelle seines Vaters in den Krieg zu ziehen.

1998 bastelte Disney daraus ein vergnügliches Musical-Abenteuer, das ganz nebenbei Themen wie Geschlechterrollen, Familienehre, Mut behandelt. Die neue Realfilmversion mutet düsterer an: „Ruhig, anmutig, diszipliniert“ soll eine Frau sein, hört man eine Stimme sagen – während man Mulan (Yifei Liu) in aufwendigen Kriegsszenen beim Kämpfen sieht. Sie wirkt wie eine Frau mit stählernem Charakter, ohne das Tollpatschige, das ihr im alten Disney-Film anhaftete, auch ohne ihren Beschützer, den dümmlichen Drachen Mushu, der für Komik sorgte. Gesungen wird hier offenbar auch nicht mehr. Das spaltet die Gemüter in den (sozialen) Medien: Die einen erwarten ein historisch akkurates Martial-Arts-Spektakel, andere einen Kniefall vor Chinas nationalistischer Agenda.

 

So doof ist kein chinesischer Drache!

Jingan Young, die in Hongkong aufwuchs, fragt sich im „Guardian“, warum Disney den Film überhaupt macht, wenn damit nur „die nationalistischen Werte der chinesischen Regierung befriedigt“ werden sollen. Mulan wirke wie eine roboterhafte Kampfmaschine, der Trailer sei völlig humorlos. Andere meinen, dass der Film die chinesische Kultur einfach ernster nehme (auch wenn er immer noch nicht völlig authentisch sei): Die „wahre“ Mulan sei eben eine selbstbewusste Kriegerin. Und der alte Film ohnehin zu amerikanisiert: So wie der lächerliche Mushu würde sich kein chinesischer Drache benehmen!

Der Film floppte einst in China: Disney hatte es sich mit den Behörden verscherzt, weil es den Martin-Scorsese-Film „Kundun“ über den Dalai-Lama herausgebracht hatte. „Mulan“ durfte nach zähen Verhandlungen doch in China starten, aber die Zahlen waren enttäuschend. Heute ist China das Land mit dem größten Kinopublikum. Dieses für den neuen „Mulan“-Film zu begeistern, wird sich Disney nicht nehmen lassen. (kanu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2019)

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