Im Kino: Uber ist schneller als die Polizei

Taxifahrer durften im Film schon bei der Verbrechensbekämpfung assistieren, jetzt kommt Uber dran. „Stuber“ ist eine Buddy-Komödie mit müden Witzen.

Symbolbild "Stuber".
Symbolbild "Stuber".
Symbolbild "Stuber". – (c) 2019 Twentieth Century Fox

Das ist schon ein bisschen schräg: Ein Wiener Taxiunternehmen lässt zum Kinostart von „Stuber“ über diverse Medienpartner Taxigutscheine verlosen. Dabei dreht sich die amerikanische Komödie, die diesen Donnerstag in den Kinos anläuft, ganz um den aktuellen Lieblingsfeind der Taxibranche. Die Fahrdienst-App Uber wird von ihrer alteingesessenen Konkurrenz auf der ganzen Welt bekämpft, in Österreich stützt man sich dabei aufs Gewerberecht. Am Stammtisch wird über Lohndumping und transparente Preise, über dreckige Rückbänke und freundliche Fahrer, über Fortschrittsfeindlichkeit und Ortskenntnisse diskutiert. Die Frage, welches Gefährt sich besser eignet, um Verbrecher dingfest zu machen, wird dem Kino überlassen. Der neue Film etabliert Uber-Fahrer als diskrete, treue Partner aller Ordnungshüter: Diese Autos kommen schneller und verlässlicher als die Polizei! Auch mit Elektroantrieb!

Dabei ist der Protagonist von „Stuber“, der sensible, sanftmütige Sportartikelverkäufer Stu (Kumail Nanjiani), der sich abends mit Uber-Fahrten etwas dazu verdient, gar kein typischer Actionheld. Er ist ungefähr das Gegenteil des furchtlosen Rasers Daniel, der in den französischen „Taxi“-Filmen nach Drehbüchern von Luc Besson einem Polizisten assistiert.

 

Schießerei mit Kaninchen

Für Stu gilt: Im Zweifelsfall lieber einen Meter vor der Haltelinie stehen bleiben als einen Zentimeter dahinter. In seinem Handschuhfach hält er Schokolade und Wasserflaschen für seine Fahrgäste bereit, die ihn trotzdem mies bewerten. Er hofft auf rettende fünf Sterne, als er mit äußerster, wortreicher Höflichkeit den Polizisten Vic (Ex-Wrestler Dave Bautista) auf dem Beifahrersitz begrüßt. Der sieht nach einer Augenoperation unscharf – aber die Chance, einen Drogendealer zu schnappen, der Jahre zuvor seine Kollegin getötet hat (die Vic im Übrigen nur „Kleines“ genannt hat), will er sich nicht entgehen lassen.

Also geht es via Uber auf Verbrecherjagd. „Schreien Sie mir nicht irgendwelche Stadtviertel ins Ohr, so funktioniert Uber nicht!“, unterrichtet Stu seinen Kunden. Es geht in einen Stripclub, in dem Managerinnen männliche Tänzer herumkommandieren, oder in eine Tierarztpraxis, wo bei einer Schießerei fünf Gangster umgelegt werden, während Kaninchen und Papageien unversehrt durch die Schussbahn hopsen.

Der kanadische Regisseur Michael Dowse zeigt das in Zeitlupe und legt die Ballade „The Air That I Breathe“ darüber. „Stuber“ ist eine Buddy-Komödie, die sich über Actionfilmklischees lustig macht und unterschiedliche Männlichkeitskonzepte aufeinanderprallen lässt – aber die Witze sind müde, die Handlung ist haarsträubend, was vielleicht nicht stören würde, wäre es einem nicht zunehmend egal, ob die beiden ungleichen Partner ihr Ziel erreichen. Anspruchsloses Popcornkino – „disruptiv“, wie Branchenstörer Uber sich gern bezeichnet, ist daran nichts. (kanu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2019)

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