Die Viennale wagt sich in neue Gebiete vor

Am 24. Oktober startet die 57. Viennale. Donnerstags lüpfte Eva Sangiorgi den Vorhang zu ihrer zweiten Festivalausgabe. Der Schwerpunkt des Ausblicks lag auf entdeckungsfreudigen Nebenschienen.

VIENNALE: PK 'SOMMER-PREVIEW'
VIENNALE: PK 'SOMMER-PREVIEW'
VIENNALE: PK 'SOMMER-PREVIEW' – APA/GEORG HOCHMUTH

Eva Sangiorgi hat ein Herz für Tiere. In ihrem ersten Jahr als Viennale-Intendantin zierte ein Flamingo das Plakatsujet des Filmfestivals. Heuer ist es der gewundene Leib einer Schlange. Ein Symbol für Bewegung und Veränderung, hieß es am Donnerstag im Volksgarten bei der traditionellen Sommervorschau auf die kommende Festivalausgabe: im Kino, aber auch bei der Viennale selbst. 2018 wurde die 41-jährige, eine gebürtige Italienerin, zur Nachfolgerin des überraschend verstorbenen Langzeitdirektors Hans Hurch gekürt. Davor war sie in Mexiko tätig, der fliegende Wechsel bot wenig Einfindungszeit. Inzwischen sei sie wirklich in Wien angekommen, meinte Sangiorgi nun: Die 57. Festivaledition würde ganz ihren Vorstellungen entsprechen.

Tatsächlich bot schon der erste Programmausblick Anzeichen einer sanften Schwerpunktverschiebung. Statt Stargäste zu verheißen oder mit der Vorstellung zeitgenössischer Filme einzuleiten, legte Sangiorgi den Fokus ihrer Präsentation auf neu kategorisierte Nebenschienen. Diese wagen sich in neue Gebiete vor. Drei Werkschauen widmen sich kaum bekannten Weltkinofiguren: dem Tunesier Ala Eddine Slim, der Portugiesin Sílvia das Fadas und dem Franzosen Pierre Creton. Eine weitere gilt der eigenwilligen deutschen Filmemacherin Angela Schanelec, deren Selbstporträt „Ich war zuhause, aber...“ unlängst bei der Berlinale reüssierte.

 

Die Dardenne-Brüder, Jessica Hausner

Auch die historischen Sektionen verzichten auf große Namen, wollen neuen Horizonte eröffnen. Das Filmarchiv Austria würdigt die Wiener Kinopionierin Louise Kolm-Fleck: Regisseurin, Autorin und Mitbegründerin der Produktionsfirma Vita-Film. Das Österreichische Filmmuseum bereitet indes eine länder-, genre- und dekadenübergreifende Schau namens „O Partigiano!“ vor, deren Beiträge den bewaffneten Widerstand gegen Faschismus ins Bild setzen. „Filme, in denen man einen Nazi auch einen Nazi nennen darf“, wie es der Leiter des Filmmuseums, Michael Loebenstein, bei der Pressekonferenz formulierte.

Politisch wird auch das Programmfenster „Brasilien entflammt!“, das einen brisanten Einblick in die jüngere Kinogeschichte des krisengeschüttelten Landes verspricht.

Das Hauptprogramm ist noch im Entstehen begriffen. Unter den schon angekündigten Titeln: Die jüngste Arbeit der Dardenne-Brüder, der israelische Berlinale-Gewinner „Synonymes“ und Jessica Hausners Cannes-Starter „Little Joe“. Österreich ist überdies mit der Doku „Space Dogs“, dem Künstlerporträt „Dieser Film ist ein Geschenk“ und dem Biopic „Die Dohnal“ vertreten. Die restlichen Viennale-Karten werden im Oktober auf den Tisch gelegt. Schon jetzt ist klar: Es tut sich was.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2019)

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