Bunter die Mörder nie meucheln

Lederhandschuhkiller, nackte Haut, ästhetischer Exzess: Der Giallo ist die Kehrseite des Neorealismus. Das Filmmuseum widmet dem blutig schillernden Italo-Genre eine umfassende Schau, die seine ganze Bandbreite auffächert.

Jean-Louis Trintignant und Ewa Aulin in „La morte ha fatto l'uovo“ („Die Falle“, 1968).
Jean-Louis Trintignant und Ewa Aulin in „La morte ha fatto l'uovo“ („Die Falle“, 1968).
Jean-Louis Trintignant und Ewa Aulin in „La morte ha fatto l'uovo“ („Die Falle“, 1968). – (c) Cineteca Nazionale

In Quentin Tarantinos „Once Upon A Time . . . in Hollywood“ landet Rick Dalton, ein abgehalfterter US-Star, auf der Suche nach einem Karriereanker in Italien. Wir schreiben das Jahr 1969: Während sich Hollywood im Umbruch befindet, boomt am Mittelmeer die Kinoindustrie. Nicht nur dank Spaghetti-Western, wo der fiktive Dalton als Antiheld unterkommt; eine ganze Reihe von Filoni (der Lokalbegriff für Popkultur-Strömungen aller Art) erfreuen sich in den Bahnhofs- und Provinzkinos Europas größter Beliebtheit. Darunter das Peplum, eine Spielart des Sandalenepos. Die Verbrecherjagden des Poliziottesco. Und, nicht zuletzt, der Giallo.

Der Spitzname dieser Spannungskino-Variante verdankt sich den knallgelben Groschenhefterln, die der Mondadori-Verlag 1929 zu publizieren begann. In Italien steht er synonym für „Krimi“. Die Leinwand-Ausgeburt des Giallo (eigentlich Giallo all'italiana) verweist auf diese Taschenbücher, anfangs oft Übersetzungen von Agatha Christie, Edgar Wallace und Co. Dennoch weckt das Genre bei Fans und Verächtern eigenständige Assoziationen. Was wesentlich am Hang zur Grenzüberschreitung liegt – in jeder erdenklichen Hinsicht.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2019)

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