Anton Corbijn: "Ein Publikum findet sich schon"

Anton Corbijns zweiter Spielfilm "The American" zeigt George Clooney als einsamen Killer. Berühmt wurde der Niederländer als Musikfotograf. Der Regisseur im Gespräch mit DiePresse.com.

Anton Corbijn Publikum findet
Anton Corbijn Publikum findet
(c) Tobis (Giles Keyte)

Lange hat der vielleicht berühmteste Musikfotograf der Welt, Anton Corbijn, nach dem richtigen Stoff für seinen zweiten Film gesucht. Vor drei Jahren feierte er mit "Control", einem filmischen Portät von Joy Divison-Sänger Ian Curtis, seine Premiere als Regisseur. Für sein neues Projekt begab er sich auf ein neues Thema abseits der Musik - "The American" ist ein Thriller mit Anklängen an das amerikanischste aller Filmgenres. "Diese Art Western-Struktur hat mich gefesselt, die Geschichte von jemandem, der sein Leben ändern, neu beginnen will", sagt Corbijn im Gespräch mit DiePresse.com. Ihm gefiele vor allem "diese Erlösungsgeschichte - Gut gegen Böse. Wobei nicht ganz klar ist, wer gut und wer böse ist."

Das Genre fasziniere ihn, seit er ein Kind war: "In den Fünfzigern, Sechzigern, in der Zeit, in der ich aufwuchs, liefen eine Menge amerikanischer Western im Fernsehen. Ich sah immer 'Rawhide' mit dem jungen Clint Eastwood in der Hauptrolle." Der Western, das sei der amerikanische Teil des Films, der europäische wiederum finde sich in den Figuren, den Schauspielern und den Schauplätzen: "Ich wollte eine andere Seite von Italien zeigen", sagt Corbijn. "Rom, Mailand und diese sanften Hügellandschaften - das kennt man. Diese karge, zerfurchte Landschaft - das ist das Land aus den Italowestern."

Clooney als erste Wahl

Dorthin flieht die Hauptfigur, Auftragsmörder und Waffenbauer Jack. Er ist ein zwielichtiger Charakter. "Man weiß nicht viel über ihn oder wieso er verfolgt wird. Diese Geschichte ohne Anfang und Ende", so der 55-Jährige. Hollywoodstar George Clooney gibt den Killer. Für Corbijn war er seine erste Wahl. "Es wird nicht viel geredet in dem Film. Darum brauchte ich jemanden, der sich durch sein Gesicht ausdrücken kann."

Zwar fotografierte Corbijn viele Größen aus der Musik- und Filmbranche. Doch Clooney habe er erst über "The American" kennen gelernt. "Ich habe ihm das Drehbuch geschickt und er mochte es. Also haben wir uns getroffen", erzählt Corbijn. Manchmal kann es so einfach sein. Aber auch aus der Musikbranche hat er sich für "The American" Unterstützung geholt: Herbert Grönemeyer, Nachbar in der gemeinsamen Wahlheimat London, schrieb die Filmmusik. "Das wird die Menschen in Deutschland wohl überraschen, denn sie kennen Herbert vor allem als Rocksänger", sagt Corbijn. Rockig sind die Klänge zu "The American" nicht, sie erinnern eher an die atmosphärischen Songs eines Brian Eno. "Ich wollte sehr subtile Musik, eine Art ambient sound", so Corbijn.

Melancholie in grobkörnigem Schwarzweiß

Musik begleitet ihn bereits sein ganzes Berufsleben: Zu Beginn seiner Karriere fotografierte er Joy Division, viele weitere Bands folgten. Sie zeigen die Abgebildeten meist mit melancholischem Blick in grobkörnigem Schwarzweiß. Zahlreiche Plattencover und Musikvideos stammen von ihm. Corbijn prägte vor allem das Bild von U2 und Depeche Mode. Er ist es gewöhnt, den Platz hinter der Kamera einzunehmen. Für "The American" überließ er es jedoch Martin Ruhe, mit dem er auch schon bei "Control" zusammengearbeitet hat, die Bilder einzufangen. Die Kamera aus der Hand zu legen, sei ihm nicht schwer gefallen, sagt Corbijn, weil Ruhe seine Vorstellungen sehr genau umsetze: "Es ist eine perfekte Ehe."

Warum er etwas, in dem er erfolgreich ist, gegen etwas anderes, wo er sich seine Reputation neu erarbeiten muss, eintauscht? "Mir geht es nicht darum, einen bestimmten Ruf zu haben", sagt Corbijn. "Ich möchte etwas tun, das ich liebe und für das ich mich interessiere. Ein Publikum findet sich dann schon." Die US-Kinogeher haben ihm Recht gegeben: In den Kinocharts stieg "The American" in der ersten Woche auf Platz eins ein.

 

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