Kino: Frau Ott schlägt Männer nieder

Am 1.Oktober läuft "Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott". Mit der "Presse am Sonntag" sprach sie über die turbulenten Dreharbeiten, Lampenfieber und Liebesbeweise ihres Publikums.

Kino Frau schlaegt Maenner
Kino Frau schlaegt Maenner
Elfriede Ott – (c) Michaela Bruckberger

Toni und Horst, zwei junge Männer, leben zusammen in der Wohnung von Horsts Oma. Diese ist seit Jahren tot. Das darf aber niemand wissen, weil Horst ihre Pension kassiert. Als ein runder Geburtstag samt Bürgermeisterbesuch naht, ist Not am Mann. Eine Oma muss her. Toni und Horst entführen die nach einem Bühnenunfall im Spital liegende Elfriede Ott...

Am 1.Oktober läuft „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“, ein Film von Andreas Prochaska, im Kino an. Der gebürtige Wiener hat dafür einen tiefen Tauchgang im Grazer Milieu unternommen, sich Ideen des neueren, schrägen Heimatfilms einverleibt, dazu Kabarett, Slapstick gemischt – und das Tempo krass hoch gedreht. Das Ergebnis ist sehr amüsant.

Elfriede Ott (85) musste freilich allerhand über sich ergehen lassen. Im wirklichen Leben hat sie gerade eine Knieoperation überstanden. Im Film stürzt sie im Rollstuhl von der Bühne. Sie wird in Tücher eingewickelt durch Graz gerollt, muss raufen und Männer niederschlagen. Sind das Trick-Aufnahmen? „Natürlich nicht“, sagt die Ott entrüstet, „das ist alles echt! Den Sturz mit dem Rollstuhl habe ich lange geübt. Die Schläge für die Burschen waren kein Problem. Das ist doch ein Vergnügen! Aber in Wahrheit bin ich in diesem Film rein das Opfer. Kaum bin ich wach, werde ich schon wieder sediert, damit ich nicht merke, dass ich entführt worden bin.“


Komödienstar in einer Comedy. Leidet man als Komödien-Routinier gelegentlich unter Regisseuren ohne Humor? Ott: „Mir ist am liebsten, jemand sagt mir genau, was er sich wünscht, und spürt, was richtig ist. Die Arbeit mit dem Filmteam war sehr angenehm. Regisseur Andreas Prochaska hat punktgenau die Pointen mit der Kamera gesetzt. Das ist ein eigenes Talent. Dass jemand, der kein Publikum hat, das so genau inszeniert. Der Film ist stellenweise ziemlich arg, aber auch sehr lustig.“ Trotz ihrer langen und erfolgreichen Karriere hat die Ott noch immer Lampenfieber und fürchtet sich vor Verrissen: „Man beschäftigt sich wochenlang mit einer Rolle intensiv und denkt, jetzt habe ich es. Dann blättert man die Zeitung auf, und da steht, es war ganz schlecht. Das ist ein fürchterlicher Schock. Ich weiß, mir glaubt das keiner, weil ich auf der Bühne so extrovertiert bin. Aber ich war nie, niemals von mir überzeugt! Man schwebt immer in der Luft – bei jeder einzelnen Premiere – und fragt sich: Wie wird das werden?“

Wie war es – bei einem solchen Mangel an kaltem Blut –, mit einem beinharten Kritiker wie Hans Weigel (1908–1991) zusammen zu sein? Die Ott lächelt: „Ja, der Hans Weigel war wirklich gnadenlos. Aber ich habe ihn nie als Kritiker erlebt, das hätte ich auch nicht ertragen. Mich hat er nie verrissen.“ Weigel hat einmal geschrieben, man solle Schauspieler auf der Straße ansprechen, sie freuten sich darüber. Ist das wirklich wahr? „Bei mir schon“, sagt die Ott. „Es macht mir nichts, wenn die Leute mich auf der Straße ansprechen, außer ich habe irgendwas Dringendes zu tun und einer lasst mich gar nicht aus. Die Leute erzählen mir, wie sie mich auf der Bühne gesehen haben, sie erzählen mir ihre Familiengeschichten. Sie hauen mir auf die Schulter, greifen mich an oder beuteln mich sogar. Wenn so was der Christiane Hörbiger passiert, kriegt sie einen Nervenzusammenbruch.“


Bunter Abend mit Hund. Was bedeutet der Begriff Volksschauspieler heute? „Ich finde das prima. Volksschauspieler sein ist viel besser als Professor sein. Man ist nicht für das elitäre Publikum da, sondern für die Menschen. Wenn ich ins Burgtheater gehe, sehe ich oft diese jungen Intellektuellen. Die schauen selber aus wie kostümiert, und sie haben eigentlich alle dieselbe Maske. Für die bin ich sicher nix.“ Trotzdem freut sie sich, wenn die Jugend sie mag: „Na klar, ich war bei Stermann & Grissemann im Fernsehen zu Gast, die haben zu mir gesagt: ,Darf man Sie fragen, wie alt Sie sind?‘ Ich hab gesagt: ,Na sicher, ich bin 85 Jahre alt.‘ Das Publikum hat gerast!“


Ein Lied von Peter Alexander. Im Theater in der Josefstadt, seit Langem ihre künstlerische Heimat, ist die Ott ab 4.November bei einem bunten Abend des deutschen Serienfabrikanten solcher Kreationen, Franz Wittenbrink, zu sehen. Der gelernte Musiker ist für den im deutschsprachigen Theater nicht gerade stark verbreiteten Frohsinn zuständig. Er stellt Themenabende unter Mottos wie Tod, Mozart oder Sekretärinnen zusammen. Sein neuester für Wien heißt „Eh wurscht!“

Elfriede Ott wird dabei unter anderem mit einem Song von Peter Alexander präsent sein, es geht um einen Hund, der als Bestie beschimpft wird, was die Chihuahua-Freundin Ott natürlich niemals tun würde. Im Film verzehrt gar der fiktive Neffe ihren Hund: „Ja, aber nicht den richtigen, das würde ich nie erlauben“, sagt sie ganz ernst: „Ich sag auch nie Bestie zur Pipsi“, betont sie, während sie ihren Hund mit Käse füttert: „Bei mir dürfen alle alles machen, was sie wollen, die Tiere und die Menschen. Ich zwinge niemanden zu irgendetwas.“

Hat sie es jemals bereut, nicht – wie ihre Eltern es gewünscht hatten – Uhrmacherin geworden zu sein? „Nein, niemals. Obwohl man viel ertragen muss am Theater, was nicht mit der Kunst zu tun hat: Selbstzweifel, Ungerechtigkeiten, Intrigen.“ Wird sie wieder einmal ein Buch schreiben oder einen Film drehen? „Ich würde so vieles gerne machen, schreiben, malen. Es hängt alles davon ab, wie sich das mit meinem Knie weiterentwickelt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2010)

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