Naomi Watts: Die Frau fürs Dunkle

Die englisch-australische Schauspielerin ist derzeit mit "Ich sehe den Mann deiner Träume" und "Fair Game" in zwei sehr unterschiedlichen Filmen im Kino. Im Interview erzählt sie, warum sie aufs Mysteriöse abonniert ist.

(c) EPA (JUSTIN LANE)

Naomi Watts ist glücklich, sie strahlt geradezu. Beim Lachen fällt sie seitwärts in den großen plüschigen Sessel, zieht ihre Augenbraue hoch, wenn sie möchte, dass man ihr wirklich zuhört, und streicht ihr blondes Haar hinters Ohr. Diese zarte Schönheit, die ihren klassischen English-Rose-Look mit eiser­ner australischer Charakterstärke kombiniert, hat endlich erreicht, was sie sich seit ihrer Ankunft in Hollywood gewünscht hat. Obwohl sie kurioserweise mitunter nach all den Jahren immer noch als Überraschungserfolg gehandelt wird.

Seit ihrer Familiengründung (sie hat zwei Söhne, zwei und drei, mit Schauspielkollege Liev Schreiber) sieht Naomi Watts das alles deutlich entspannter. „Ich fing mit 20 an, als Schauspielerin zu arbeiten, aber ich verstehe natürlich, dass die meisten Menschen meine Laufbahn in ,vor Mulholland Drive‘ und ,nach Mulholland Drive‘ einteilen. Ich hänge jetzt wesentlich weniger an meiner Karriere, und das war wohl schon der Fall, bevor ich Kinder hatte. Als ich Liev traf, kam irgendwann der Punkt, an dem ich es einfach leichter nehmen wollte. Nicht nur seinetwe­gen, sondern auch, weil ich zehn Jahre hart gearbeitet habe, um schließlich den Film Mulholland Drive mit David Lynch machen zu dürfen. Es war mein absoluter Lebensinhalt, diesen Status aufrecht- und den Schwung beibehalten zu können. Und dann stellte ich fest, dass ich das auch ohne Druck tun kann. Es hat eben ein bisschen gebraucht, um zu dem Punkt zu kommen, an dem ich mir erlauben kann, mich ein wenig zu entspannen, mich etwas zurückzuziehen und auch einmal andere Dinge zu tun.“


Die richtige Mischung.
Umso ironischer also, dass die gebürtige Engländerin genau das Gegenteil tat und sich einen Monat nach der Geburt ihres Jüngsten auf dem Set von Fair Game wiederfand. „Es ist nicht immer einfach und ich versuche noch, die Mischung richtig hinzukriegen. Ein ewiger Kampf – deine Familie möchtest du natürlich immer an erster Stelle sehen, aber ich bin auch jemand, der seine Arbeit nicht aufgeben möchte. Also muss ich mir immer überlegen, wie wird das meine Familie beeinflussen? Können wir so lange unterwegs sein, oder halte ich es so lang ohne sie aus?“

Liev Schreiber, ihr Partner und Vater ihrer beiden Söhne, Alexander und Samuel, steht ihr beim Jonglieren all der Dinge, die Naomi so wichtig sind, tatkräftig zur Seite. „Liev ist ein sehr praktischer Vater. Er macht einfach alles. Wenn es nach ihm ginge, würde er das Baby auch noch stillen. Ich bin überzeugt davon, dass er, wenn er könnte, sich diese Männerbrüste wachsen ließe, wie bei dem Film ,Meine Braut, ihr Vater und ich‘“.

Gleich zweimal ist Naomi Watts derzeit in den heimischen Kinos zu sehen, in Woody Allens „Ich sehe den Mann deiner Träume“ und in dem auf dem Leben der US-Spionin Valerie Plame basierenden „Fair Game“. Die CIA-Agentin wurde von ihrer eigenen Regierung verraten, eine Geschichte, die ganz Amerika schockierte. „Wann immer du eine reale, lebende Person darstellst, ist der Druck viel größer. Ich wollte die Geschichte so wahrheitsgetreu darstellen, wie ich konnte.“ Dafür musste die Schauspielerin sich dem echten CIA-Training unterziehen.

(c) Tobis Film

Auch einmal albern. Die 42-jährige Blondine ist in Hollywood dafür bekannt, schwierige Rollen bestens handhaben zu können. Es scheint, bei dunklem, schwerem Material gilt einer der ersten Anrufe stets Naomi Watts. „Großartige Dinge kommen aus dem Dunklen. Humor, Kreativität, Sexualität . . . Schmerz ist ein wichtiger Teil des Lebens. Er zwingt dich, dich mit unangenehmen Dingen zu konfrontieren und schwere Fragen zu beantworten. Ich denke, es ist als Künstler wirklich wichtig, selbst Schmerz erfahren zu haben. Und ich finde diese Seite des Lebens einfach interessanter. Natürlich kann man das auch übertreiben. Ich meine, sogar in einer angeblich romantischen Komödie wie ,Le Divorce‘ habe ich es geschafft, eine Frau zu spielen, die versucht, Selbstmord zu begehen. Aber ich wache nicht jeden Tag auf und nehme mir vor, wie düster ich heute wieder sein werde. Ich glaube, ich bin ziemlich komisch, ich bin sehr albern und ich bringe meine Freunde zum Lachen. Aber was Bücher, Filme und Gemälde betrifft, ziehen mich das Düstere und das Mysteriöse an."

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