Russell Brand: "Monarchie ist wie Pornografie"

In "Arthur" macht der Komiker Russell Brand nun auf der Leinwand auf sich aufmerksam - und plaudert über Helen Mirren, die britische Monarchie und seine Schwäche für Badewannen.

Russell Brand Monarchie Pornografie
Russell Brand Monarchie Pornografie
Russel Brand – (c) EPA (TRACEY NEARMY)

Seinen Flug ins All hat er schon gebucht, letzten Oktober feierte er mit US-Popstar Katy Perry eine exzentrische Hochzeit im indischen Rajasthan. Es sind Dinge wie diese, die man über Russell Brand weiß. In England weiß man freilich mehr: Etwa, dass er bei MTV rausgeflogen ist, weil er in Osama-bin-Laden-Verkleidung bei der Arbeit erschien. Helen Mirren schätzt den 35-Jährigen jedenfalls: Er habe den Drang, das Leben und die Menschen kennenzulernen, lobt sie. Gemeinsam standen die beiden für ein Remake der 1980er-Komödie „Arthur“ vor der Kamera – er als verwöhnter Millionenerbe, sie als seine Ersatzmutter.

Der Rock-Komiker und die Königin – das ist eine ungewöhnliche Mischung. Waren Sie eingeschüchtert von Mirrens Ausstrahlung?

Russell Brand: Natürlich. Helen hat mir bei den ersten Proben irgendwann leicht aufs Handgelenk geschlagen und gesagt: „Du musst damit aufhören, soviel Respekt vor mir zu haben!“ Vielleicht ist sie deswegen später im Bikini zur Arbeit erschienen...

 

Wie war es, mit ihr zu arbeiten?

Ich habe es geliebt, sie jeden Tag zu sehen und um mich zu haben. Und auch heute, mehrere Monate nach Drehschluss, trauere ich immer noch um diesen schweren Verlust.

 

Lust, einmal nicht den Clown zu geben?

Ich würde nicht für immer das Genre wechseln wollen. Ich mag Komödie, weil sich für mich eine besondere Verbindung zum Publikum aufbaut, wenn ich die Leute zum Lachen bringen kann. Aber einen wunderbar monströsen RichardIII. zu geben wäre fein.

 

Im Internet kursiert das Gerücht, dass Sie Bob Geldof in einem Biopic spielen werden.

Ich lese nicht mehr, was im Internet so geschrieben wird. Aber klar, gebt mir die verdammte Rolle, her mit dem Geld!

 

Gibt es Parallelen zwischen Ihnen und Arthur, der eine schlimme Nervensäge ist?

Einige. Ich flachse auch gern herum und lache viel, nehme das Leben generell nicht so ernst. Aber ich halte es für unmöglich, so eine exzessive Naivität und das pausenlose Erstaunen an den Tag zu legen, die sich zwangsläufig ständig an der Realität reiben müssen.

Würden Sie gern so reich wie Ihr Filmheld Arthur sein? Oder sind Sie es vielleicht?

Warum nicht? Aber eigentlich ist es mir egal. Weil ich zufällig tief in meinem Herzen die Erkenntnis verspürte: Geld ist bedeutungslos.

 

Immerhin haben Sie eine indische Hochzeit gefeiert. Das kostet doch auch ganz schön.

Trotzdem muss das nicht bedeuten, dass Geld mehr Bedeutung hat. Ich habe Kleider an, habe mir kürzlich Zahnpasta gekauft, ich bin ja kein Mönch. Aber ich könnte vielleicht einer werden.

 

Wie britisch sind Sie?

Hundertprozentig. Ich bin Brite, da gibt es kein Entkommen.

 

So sehr, dass Sie den Union Jack schwingen würden, um die Queen zu grüßen?

Ich glaube, wenn die Queen käme, würde ich Panik kriegen und in einen Schockzustand verfallen. Aber ich würde schon ganz gern winken wollen...

 

Im Zuge der Royal Wedding wurde die britische Monarchie immer wieder hinterfragt. Wie stehen Sie zu Ihren Royals?

Für mich ist die Monarchie wie Pornografie: Sie bereitet mir Freude, obwohl mir klar ist, dass ich das nicht dabei empfinden sollte. Clever, oder?

 

Sind Milliardäre für die USA das, was für Sie Ihre Royals sind?

Das glaube ich sicher. Man braucht symbolische Vertreter Gottes auf dieser Erde, eine Art Stammesführer oder höhere Wesen, das scheint ein gemeinsamer Kulturtrend zu sein, auch wenn er sich in jedem Land anders darstellt.

 

Wie waren Sie als Kind?

Schüchtern, pummelig, mit mir selbst beschäftigt, gedankenverloren.

 

Was ist Ihre größte Schwäche?

Ich mag Badewannen. Ich trinke ja nicht und nehme keine Drogen, daher ist das für mich der Moment des Entrücktseins... Ich lasse stundenlang Wasser nachlaufen, nehme einen Laptop mit, passe auf, dass der nicht ins Wasser fällt und schaue eine DVD.

 

Würden Sie gern den Titel „Sir“ tragen?

Das ist einfach unausweichlich, der Name Russell Brand bietet sich geradezu an dafür.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2011)

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