"7 Tage in Havanna": Ein Kuba-Kinotrip

Ein Episodenfilm von namhaften Regisseuren wie Cannes-Sieger Laurent Cantet lädt zum Leinwandurlaub in Havanna. Eine Entdeckungsreise an touristische Gemeinplätze. Ab Freitag im Kino.

7 Tage Havanna
7 Tage Havanna
7 Tage Havannainotrip – (C) ThimFilm

Ein Urlaubsfilm für die Sommersaison, eine Woche Havanna in zwei Stunden: „7 Tage in Havanna“ ist der neueste Eintrag in die Welle von Episodenfilmen über eine Stadt. Nach „Paris je t'aime“ und „New York, I Love You“ dient nun Kubas Kapitale als roter Faden für Kurzfilme mehr oder minder renommierter Regisseure – und als pittoreske Kulisse. Man darf sich ja zuweilen fragen, ob sich die rezente Renaissance des Episodenfilm-Formats dem Anzapfen von Tourismusförderung verdankt. Bei „7 Tage in Havanna“ ist der Hauptsponsor (bzw. Koproduzent) allerdings der bekannte Rumhersteller Havana Club International. Es wird also viel Havana Club getrunken in diesem Film, der auch sonst vor allem an Werbespots erinnert.

Zwar wurde der kubanische Krimi-Erfolgsautor Leonardo Padura („Das Havanna-Quartett“) für die Arbeit am Buch engagiert, aber statt authentischen Lokalkolorits suchen seine internationalen Regisseure – allein Juan Carlos Tabío fungiert als Quotenkubaner – austauschbare Gemeinplätze.

Jeder der sieben Kurzfilme spielt an einem Wochentag, und schon der Montag verheißt Stereotypes: In seinem Regiedebüt schildert Schauspieler Benicio Del Toro, wie sich ein US-Schauspieler (John Hutcherson) beim Gastspiel zwischen Luxushotel, jazzigen Rhythmen und Rum in eine glutäugige Schöne verguckt – die sich als Transvestit entpuppt. Diese platte Pointe ist weniger nervtötend als der Dienstag in Gesellschaft von Regisseur Emir Kusturica, von seinem argentinischen Kollegen Pablo Trapero als gestresster Karrierepreisträger am Havanna Film Festival in Szene gesetzt: Erst im Musizieren mit seinem Taxler findet er das Glück.

Von Julio Medems Mini-Telenovela mit Daniel Brühl bis zu Laurent Cantets dünner Satire über Religion und Heuchelei plätschert der Film so beliebig wie eintönig weiter – dabei ist die Abwechslung sonst das Belebende bei Episodenfilmen. Lebhaft sind hier nur die Klischees, zwei Episoden ragen immerhin stilistisch heraus: ein erotischer Exorzismus ohne Worte vom Franzosen Gaspar Noé und eine gewohnt schmähstad und symmetrisch komponierte Parabel vom Palästinenser Elia Suleiman. Suleiman selbst spielt den palästinensischen Politiker, der Fidel Castro treffen will, seiner jedoch nur im Hotelfernseher ansichtig wird. Eine Allegorie auf das Scheitern dieses Filmprojekts?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2013)

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