"Nicht dran denken": Köpferl aus dem Sand

Bedingungslos liebe Familie: Gianni Zanasis sympathische Italo-Komödie „Nicht dran denken“.

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Nach dem Anfang kann es nur bergauf gehen: Ein Punkrock-Musiker stürzt sich von der Konzertbühne, doch kein Fan fängt ihn auf. Auf dem harten Boden der Tatsachen findet sich Gitarrist Stefano, Mittdreißiger mit jugendlichem Gemüt, nach dem Konzertabbruch auch in anderer Hinsicht: Mit seiner neuen CD wird es nichts, also sucht er Trost im Schoß der Familie in Rimini. Dort wird Stefano freudig begrüßt – und, nach und nach, mit ganz anderen Problemen konfrontiert.

Regisseur Gianni Zanasi liefert mit Nicht dran denken – Non pensarci einen kleinen Lichtblick im zuletzt eher dunklen Reich der italienischen Filmkomödie: Der Humor seines Films wird nie aufdringlich, weil ein Bezug zur Wirklichkeit bleibt. So mischen sich bittere Noten in den heiter-süßen Ton des von Herzen kommenden Generationsporträts: Zanasi, Jahrgang 1965, erzählt darin von den Kindern der Sechziger und Siebziger, die ohne materielle Sorgen aufwuchsen, nun zur Lebensmitte Bilanz ziehen – was wurde aus ihren Plänen und Träumen?

Auf der einen Seite steht Stefano, der das bürgerliche Leben hinter sich ließ, noch immer zu vergnügter Verantwortungslosigkeit tendiert: Eine ausgelassene Autofahrt mit den Kindern seines älteren Bruders Alberto endet prompt in Polizeigewahrsam. Alberto ging den anderen Lebensweg, steckt nun in Scheidungskrieg und Geschäftskrise: Er übernahm den Familienbetrieb, die Kirschkonservenfabrik steht nun vor dem Bankrott. Ihre versuchte Rettung dient als Rückgrat der in – meist amüsante – Episoden gestückelten Erzählung: Die liebe Familie muss zusammenhelfen und -kommen. Die jüngere Schwester, die ihr Studium abbrach, um mit Delfinen zu arbeiten; die Mama, die regelmäßig zum Selbsthilfeguru pilgert; der Papa, der um den drohenden Ruin wusste, aber das Köpferl in den Sand gesteckt hat.

 

Durchwegs exzellentes Ensemble

Etwas unbeholfen versuchen die Familienmitglieder, das Köpferl aus dem Sand zu ziehen, was die anderen angeht: Die bunte Mischung ihrer unterschiedlichen Lebensentwürfe prägt auch den Tonfall des stilistisch schnörkellosen Films, der liebenswert durch Hochs und Tiefs schlingert. Bei skurrilen Einlagen und Klischees wird nie ganz über die Stränge geschlagen: Der deprimierte Alberto wird zum Trost mit einer netten Prostituierten verkuppelt, will sie prompt heiraten – den Aberwitz der Szenen konterkariert ein Hauch glaubhafter Melancholie.

Das Gelingen verdankt sich auch einem exzellenten Ensemble: Als Stefano lässt Valerio Mastandrea hinter der (berufsbedingt) coolen Fassade kindliche Konfusion erahnen; Giuseppe Battistonis massiger Alberto hat rührende Unsicherheit; Anita Caprioli lässt der Schwester, dem Vernunftmenschen des Clans, einen Rest menschlicher Schwäche: Auch ihr platzt angesichts Stefanos Willkür irgendwann der Kragen. Da offenbart sich wie nebenbei: Die Kehrseite der Bedingungslosigkeit der familiären Liebe ist eben selbstverständliches Unverständnis. Dass Zasani eben kein großes Aufhebens um solche Einsichten macht, macht seinen Film sympathisch: Diese Art von solidem Italo-Unterhaltungskino ist rar geworden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2008)

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