Horrorfilm "Orphan": Die böse Saat

Selten war ein Kind im Kino so gewissenlos, brutal und böse: Ein neunjähriges adoptiertes Mädchen aus Russland plant Unmoralisches.

(c) Warner

Mörderische Kinder haben schon viel Verstörendes im Horrorfilm geleistet: Das Omen bemühte bekannterweise gleich den Sohn des Satans, das Modellstück für das Genre ist aber eigentlich der Fünfzigerjahre-heuler Die böse Saat um ein zwölf Jahre altes Killergirl. Was damals noch unerhörter Kultstoff war, dient heute bestenfalls als vergleichsweise zurückhaltende Vorlage für schicke Schockproduktion vom Fließband: "Orphan" von Jaume-Collet Serra hetzt dabei immerhin gute Schauspieler in die Falle.

Vera Farmiga und Peter Saarsgard spielen ein US-Ehepaar, dessen neunjährige Adoptivtochter (aus Russland!) hinterrücks Heimtückisches plant. Mittels Missbrauch von sonst sehr nützlichen Haushaltsgeräten (Hammer, Tranchiermesser . . .) zieht sie eine Blutspur nach sich, packt sogar die Lolita-Verführungskünste aus. Inszeniert ist das mit beträchtlicher Lust an der Amoral: Die Effekte sind ebenso übertrieben wie das Kokettieren mit der Provokation – selten war ein Kind im Kino so gewissenlos, brutal und böse. Aber alles heuchlerischer Verrat, so viel muss verraten werden, ohne die Details preiszugeben: Das wahre Opfer von Orphan ist die Intelligenz des Zuschauers.

Orphan, ab 23. 10. im Kino

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