Episodenblog

"Game of Thrones" Staffel acht, Folge eins: So beginnt das Ende

Blog Unangenehme Begegnungen, unangenehme Wahrheiten. "Winterfell", die erste Folge der letzten Staffel, kehrt an die Anfänge der Serie zurück.

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer – (c) HBO (Helen Sloan)

Spoiler-Warnung: In diesem Episodenblog wird die Handlung der jeweils beschriebenen "Game of Thrones"-Folge verraten.

54 Minuten dauert die Folge "Winterfell", die erste der achten und letzten Staffel "Game of Thrones" und sie beginnt mit einem neuen Vorspann: die Kamera gleitet am Anfang nicht wie sonst aus dem Süden über die Landkarte von Westeros, auf der sich Burgen und Städte emporschrauben. Nein, diesmal startet sie nördlich der Wall. Sie schwebt durch die Lücke in der Eismauer, die der Night King mit dem untoten Drachen Viserion am Ende von Staffel sieben schuf, zieht eine eisige Spur vorbei an der Burg Last Hearth (Haus Umber), schwebt Richtung Winterfell, wo sie hinabtaucht in die Krypta: dort liegen die Starks begraben. Dann gleitet sie weiter nach King's Landing und auch im Königssitz Red Keep begibt sie sich in die Tiefen: dorthin, wo die Gebeine der Drachen der Targaryen-Könige lagern. Das passt zu den Spekulationen, wonach die White Walker auch lange Verstorbene wieder aufwecken können (wie es der jüngste Teaser nahe legt): in Winterfell die toten Starks. Und in King's Landing die Drachen? Wird der finale Kampf zwischen Lebenden und Toten in der Hauptstadt ausgefochten?

"Winterfell" beginnt also mit der Sicht der White Walker. Wird man bald wissen, welche Motivation sie nach Süden treibt?

Die Folge ändert dann die Perspektive: ein Kind jagt durch die Winterlandschaft. Es ist nicht auf der Flucht, sondern es will nichts verpassen: Königin Daenerys Targaryen und (Ex-)König Jon Snow erreichen die Heimatburg der Starks. Im Gefolge haben sie die Armee der Unsullied und die Dothraki-Horden. Wie der Bub auf Gebäude und Bäume klettert, erinnert an die allererste Folge der Serie, "Winter is coming". Damals war Bran das Kind, das keine Höhenangst kannte.

Dieses Echo zieht sich durch die ganze Episode, mehrfach wird auf die erste Folge verwiesen. Man merkt: "Game of Thrones" ist am Ende angekommen und will seine Erzählfäden zusammenführen. "Winterfell" ist auch eine Rückkehr dorthin, wo alles begann: immer mehr der Hauptfiguren finden sich in der Burg im Norden ein.

Ein kurzes Update von Bran

Dass Jon Arya bei seiner Ankunft in der Menge nicht sieht und mit welcher Eiseskälte Sansa Daenerys empfängt, lässt nichts Gutes für die Anwesenheit der Drachenkönigin im Norden vermuten. Missandei ist offen schockiert über die Feinseligkeit (und den Mangel an Körperpflege) der Nordmänner und-frauen, die Drachen mögen in der Kälte nicht essen. Immerhin: Arya gefallen die Drachen. Das Wiedersehen von Bran und Jon fällt kurz aus (aber nicht ganz so unsensibel wie der Abschied Brans von Meera Reed). Der "Three-eyed raven" gibt seinem "Bruder" ein Update: die Wall ist gefallen, der Night King hat einen Drachen und die Armee der Toten kommt. Danke, freut mich auch, dich wiedersehen.

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
(c) HBO (Helen Sloan)

"You left Winterfell a King and look at you now"

"We make our stand here", sagt Jon zu den skeptischen Lords des Nordens. Sprich: die große Schlacht kommt. Bald. Mit Folge drei rechnen viele. Den kleinen Lord Umber schickt er nach Last Hearth - nach dem Vorspann ahnt man aber, dass er von dort nicht zurückkommen wird. Lyanna Mormont, die kindliche Lady von den Bear Islands ist enttäuscht von Jon: "You left Winterfell a King and look at you now." Innenpolitische Querelen darf man nicht unterschätzen, das weiß Sansa besser als Jon. Sie stellt seine Loyalität zu seiner Familie infrage und konfrontiert ihn zu seinem Verhältnis zu Daenerys: "Did you bend the knee to save the North, or because you love her?" fragt sie ihn.

Jon sollte auf Sansas Rat hören - und auch Tyrion, denn sie ahnt als Einzige, dass Cersei ganz und gar nicht vor hat, ihre Truppen in den Kampf gegen die White Walker zu schicken. "Many underestimated you", sagt Tyrion, immerhin ihr Ex-Ehemann zu ihr. "Many of them are dead now." Momentan ist sie auch schlauer als der schlaue Zwerg.

Kurzsichtige Cersei

Cersei wiederum verhält sich dumm. Sie findet es gut, dass die Toten Winterfell erobern werden? Und sie will ihre Brüder, auch Jaime, töten lassen, weil er ihr den Rücken kehrt? Ganz schön kurzsichtig. Dass Bronn ihren Mordauftrag wirklich ausführt, ist fraglich. Trotz seiner Gier. Wie sagt Tyrion Lannister immer? Er würde doppelt so viel zahlen ... Vielleicht ist doch ein Handel möglich. Und die Huren glauben sicher auch, dass die Seite mit den Drachen siegen wird.

Cersei weiß ihre Gegner nicht immer einzuschätzen - und auch nicht ihre Verbündeten. Sie ist enttäuscht, dass die Golden Company "nur" mit 20.000 Mann und ohne Elefanten kommt. Gar so glücklich wirkt Captain Strickland auch nicht über dieses Engagement. Ich glaube, auch Euron wird die Königin - negativ - überraschen. Sie lässt ihn nach langem Warten in ihr Bett. Und nennt ihn den arrogantesten Menschen, den sie kennt. Selbstsicher ist er offenbar nicht. Wieso sonst will er unbedingt hören, dass er im Vergleich mit ihren anderen Liebhabern gut abgeschnitten hat? Und weiß er von ihrer Schwangerschaft? Immerhin trinkt sie (einen Schluck) Wein ... Er will einen kleinen Prinzen in sie pflanzen, sagt Euron. Schon besetzt!

Seine liebste Gefangene verliert Euron außerdem. Theon gelingt es tatsächlich, seine Schwester Yara zu befreien. Nach einem beherzten Schlag ist sie ihm offenbar nicht mehr böse, dass er sie im Stich gelassen hat. Bewundernswert, wie schnell die Greyjoys manche Familienzwiste regeln. Freilich gehen sie nicht immer so glimpflich aus. Yara will die Iron Islands zurückerobern, um Daenerys einen möglichen sicheren Hafen vor den Whiten Walkern zu bieten. Theon will lieber in Winterfell kämpfen. Der einzigen Heimat, die er je gekannt hat. Sie lässt ihn gehen. Gut so.

Sam und Daenerys - das wird keine Freundschaft

In dieser Folge gibt es mehrere unangenehme Begegnungen: Arya und der Hound beispielsweise. Jaime und Bran (Jaime hat Bran immerhin aus dem Fenster geworfen). Die unangenehmste fängt eigentlich nett an: Daenerys kommt zu Samwell Tarly, um ihm für die Rettung von Jorah Mormont zu danken. Leider kommt das Gespräch auf seine Familie. Daenerys gesteht (Hut ab davor), dass sie seinen Vater und seinen Bruder ermordet hat. In Sam hat die "Drachenmutter" fortan keinen Fan gewonnen.

Warum nicht "Jon Snow. First of his name?"

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Jon reitet Rhaegal - und schlittert in eine Identitätskrise – (c) HBO/sky (Helen Sloan)

Das führt zu einem der zwei wichtigen Dinge, die in dieser Folge nach langer Wartezeit passieren: Endlich findet Daenerys' zweiter Drache Rhaegal einen Reiter. Es ist - erraten - Jon. Und endlich erfährt Jon, wer seine wahren Eltern sind: er ist der Sohn von Lyanna Stark und Thronfolger Rhaegar Targaryen. "You're the true King", sagt Sam zu Jon in der Krypta (!). "Aegon Targaryen. Sixth of the name." Bin das nur ich, oder findet ihr "Jon Snow. First of his name" besser?

Damit ist der Stachel in der Liebesgeschichte zwischen Jon und Daenerys jedenfalls gesetzt. Wäre Jon nicht vielleicht wirklich ein besserer König als die Drachenkönigin, die Feinde verbrennen lässt? Ja, vielleicht. Wäre er aber lange genug König, um einen Unterschied machen zu können? Ich habe meine Zweifel daran, dass unser Held die achte Staffel überlebt. Selbst wenn die Menschen über die White Walker siegen.

Ein „Sonnensymbol“ mit abgehackten Gliedmaßen

Und das ist momentan fraglich, ich traue George R.R. Martin durchaus ein großes Schlachten zu, bei dem nur ein paar wenige überleben. Was von den Menschen übrig bleibt, nachdem die White Walker vorbeigekommen sind, zeigt sich in Last Hearth: Beric und Tormund finden eine leere Burg vor (so leer wie Winterfell im zweiten Teaser). Mit einer Ausnahme: an der Wand hängt der kleine Lord Umber, der nicht nach Winterfell zurück wollte. "Game of Thrones" ist so unbarmherzig zu Kindern! Rund um seine Leiche sind abgehackte Gliedmaßen in einer Art Sonnensymbol an die Wand genagelt. Dieses Symbol haben wir schon einmal gesehen: am Anfang der allerersten Folge. Ist es Teil eines Rituals? Und wenn ja, was passiert dabei?

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Hier brennt der kleine Lord Umber – (c) HBO/sky (Helen Sloan)

Auffälliges:

  • Was ist das im Vorspann in der Mitte? Eine Eissonne? Ein gigantisches Auge?
  • Man sieht die White Walker in dieser Folge nicht
  • Was ist das für eine Waffe, die Gendry Arya machen woll?
  • Bran ist unheimlich. Vor allem in der Szene, in der er Sam zu Jon schickt: "Now is the time." Die Zeit wofür? Für den Zweifel an Daenerys?

Zitate der Woche:

  • Cersei zu Euron: "You're not boring. I give you that."

 

  • The Hound zu Arya: "You left me there to die."
  • Arya: "First I robbed you."

 

  • Jon Snow: „I wasn't a king."
  • Samwell Tarly: „But you were; you've always been."

 

  • Sam zu Jon über Daenerys: "You gave up the crown to save your people. Would she do the same?"

 

>> Mehr unter DiePresse.com/gameofthrones

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      "Game of Thrones" Staffel acht, Folge eins: So beginnt das Ende

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.