Bady Minck

Bady Minck will in ihrem nächsten Film die Geschichte der Welt im Zeitraffer erzählen – mithilfe Hunderter historischer Weltkarten.

Von Hunderten alten Weltkarten ist Bady Minck umgeben: Sie kommen aus Bibliotheken, antiquarischen Büchern, Museen, aber auch aus dem Internet. In jahrelanger Kleinarbeit sind sie von Minck zusammengetragen worden: Die zwischen ihrem Geburtsland Luxemburg und Österreich pendelnde Künstlerin und Regisseurin origineller Animationsfilme will damit in ihrem neuen Projekt – „der Arbeitstitel ist Mappa Mundi“ – über die Geschichte der Welt erzählen. Im Zeitraffer: „Als einzelner Mensch ist man ja sonst so kurz auf der Erde, dass man die hundertfachen Wandlungen des Weltlichen in allen Bereichen gar nicht mitkriegen kann.“

Aber in Karten ist manches davon zu studieren, etwa die „permanente Veränderung der Geografie“ und die einhergehende Migration: „so wie die Bewegung der Kontinente. Einst war der Weg von Europa nach Afrika ausgetrocknet, das wird auch wiederkommen. Wenn sich die afrikanische und die eurasische Platte wiedervereinigen, das wird schön. Aber das werden nur unsere Erben erleben.“

Insofern tröstlich, dass Mappa Mundi am Ende auch in die Zukunft blicken wird: „Ich habe Wissenschaftler interviewt, über die nächsten 100 Millionen Jahre sind sich alle so gut wie einig. Und den continental drift der Zukunft habe ich schon gedreht, mit technisch ganz neuen Plastilintricks. Ich wollte etwas Lebendiges statt dieser allgegenwärtigen Computersimulationen: Man muss den unheimlichen Körper der Welt spüren.“

Bevor sie ab 1. September beim Filmfestival Venedig in der Jury des Zweitwettbewerbs „Orrizonti“ sitzt, schneidet Minck schon wieder in Luxemburg. 20 Minuten kurz soll der Film werden: „Das muss man schnell erzählen, sonst ist es fad!“ Isabelle Saurer

christoph.huber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2009)

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