Gundula Janowitz, die Herrin der Goldtöne, ist 75

In Berlin geboren, in Graz künstlerisch gereift, wurde die Künstlerin zum Inbegriff der Mozart- und Richard-Strauss-Interpretin und zum Lieblings-Sopran Karajans und Böhms in Wien und Salzburg.

(c) ORF (Unitel)

Goldtöne. Wahrscheinlich war das die häufigste Assoziation. Die Stimme war unverwechselbar, von strahlender, wahrlich edelmetallisch schimmernder Qualität in der Höhe. Doch das eigentliche Faszinosum war die Gestaltungskraft dieser Künstlerin. Bei Mozart und bei Richard Strauss galt sie über lange Jahre als Idealbesetzung für die großen Primadonnen-Partien, ob „Figaro“-Gräfin oder „Arabella“, ob Donna Anna oder „Ariadne auf Naxos“.

Denn sie konnte mittels eines singulären Nuancenreichtums, vor allem, was Phrasierung und Artikulation betraf, alle erdenklichen Stimmungsvaleurs beschwören, Gedichte in Klang verwandeln – nicht von ungefähr gilt die Aufnahme, die von Richard Strauss' „Vier letzten Liedern“ Anfang der Siebzigerjahre unter Herbert von Karajans Leitung in Berlin entstand, als Meilenstein in der Schallplatten-Geschichte. Hermann Hesse und Eichendorff, transponiert ins Reich der vollkommenen Harmonie.

Die Janowitz und Karajan, das war über Jahre eine Symbiose, die der Sängerin sogar Ausflüge ins schwere Repertoire möglich machten, an die sie sich unter weniger behutsamen Dirigenten kaum gewagt hätte.

Im Übrigen aber blieb sie ihrem Kernrepertoire treu. Die Mozart-Produktionen unter Karl Böhms Leitung galten einer Generation von Musikfreunden als Maßstäbe setzend. Die Künstlerin konnte ihre Popularität dazu nutzen, in Liederabenden manch verborgenen Schatz des Repertoires zu heben. Sie sang neben Schubert auch Lieder von dessen kaum bekannten Zeitgenossen. Und sie setzte sich ihre ganze Karriere lang für Paul Hindemiths komplexe Rilke-Vertonung „Marienleben“ ein, sang also auch bei den Salzburger Festspielen einen ganzen Abend lang nur Hindemith – und wusste ihrer Hörer damit zu fesseln.

Und immer wieder die „Vier letzten Lieder“ hieß es für Janowitz-Verehrer in den letzten Jahren ihrer Zeit als aktives Mitglied des Staatsopern-Ensembles: Man ging in Ballettabende, um die zur Ballettmusik mutierte Musik – und vor allem: diese Stimme – fließen zu hören.

 

Mit Humor ins „Leben nach der Oper“.

Nach dem Bühnenabschied blieben den Musikfreunden Ton- und gottlob auch manche Video-Dokumente: Nicht nur die Richard-Strauss-Gestaltungen können nachfolgenden Sopranistinnen-Generationen als Vorbild dienen, auch etwa die Rosalinde in Otto Schenks „Fledermaus“-Verfilmung hält fest, wie eine souveräne Diva bei guter Laune das Operetten-Genre zu veredeln weiß.

Der Humor ist Gundula Janowitz bis heute erhalten geblieben, ein jugendfrischer Spaß an der Freud'. Wohl auch, weil sie sich nach ihrem Abgang von den internationalen Bühnen in Enthaltsamkeit übt und sich damit die schlimmsten Erfahrungen, die das Opernleben heutzutage bereithält, konsequent erspart ...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

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