Musikalischer Dank für Mexikos Protest gegen "Anschluss"

In der Diplomatischen Akademie wird am Dienstag die einsame Tat besungen und in einer Diskussion in Erinnerung gerufen.

Isidro Fabela
Isidro Fabela
Isidro Fabela – (c) APA/ Robert Jaeger

„Der politische Tod Österreichs“ stelle „ein schweres Attentat gegen den Völkerbundpakt und gegen die übernommenen Grundsätze des Völkerrechts dar“: Am 19.März 1938 legte der mexikanische Delegierte Isidro Fabela dem Völkerbund in Genf die Protestnote vor, die der einzige schriftliche Einspruch gegen den sogenannten „Anschluss“ Österreichs an das „Dritte Reich“ bleiben sollte (Hitler-Deutschland war 1933 aus dem Völkerbund ausgetreten). In Wien erinnern der Mexikoplatz und die Isidro-Fabela-Promenade an der UNO-City daran.

Auf den Tag genau 75 Jahre später stellt am Dienstag ein Konzert mit Diskussion diesen politischen Akt in seinen Mittelpunkt – und ruft einige von den Nazis verfemte Komponisten ins Gedächtnis zurück, die es auf der Flucht vor Hitler nach Mexiko verschlagen hat. Der Wiener Marcel Rubin arbeitete als Opernkorrepetitor und Chorleiter in Mexiko-Stadt; Hanns Eisler wurde nach dem Auslaufen seines US-Besuchervisums in Mexiko Asyl gewährt. Besonderes Interesse verdient auch Ruth Schönthal, die als junge Pianistin und Komponistin in Mexiko auf einer Konzertreise Paul Hindemith auffiel, der sie daraufhin als Studentin zu sich nach Yale holte.

Der an der Wiener Musikuniversität ausgebildete österreichisch-mexikanische Tenor León de Castillo, künstlerischer Leiter des Projekts, singt Lieder (Klavier: Jorge Viladoms) und hat ein Kammerorchester, ein Streichquartett und einen Chor um sich geschart. Moderiert von Dorothee Frank diskutieren der mexikanische Botschafter Alejandro Díaz y Pérez Duarte, Gerold Gruber (Verein Exil.arte) und Zeitzeugen: Festsaal der Diplomatischen Akademie (Favoritenstraße 15a), 19 Uhr, Eintritt frei. wawe

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2013)

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