Khadem-Missagh: Entspannt aufeinander hören

Bijan Khadem-Missagh spricht über kleine Anfänge, große Erfolge und das heurige Jubiläum seines Festivals „Allegro Vivo“ mit viel Musikmagie.

KhademMissagh Entspannt aufeinander hoeren
KhademMissagh Entspannt aufeinander hoeren
KhademMissagh Entspannt aufeinander hoeren

Schubert in Atzenbrugg, das klang nicht spektakulär. Allegro Vivo in Stift Altenburg, das hörte sich schon viel besser an. Heuer feiert das Kammermusikfestival seinen 35. Geburtstag, es hat sich längst als fixe, über die Grenzen des Landes ausstrahlende Größe etabliert. „In Wirklichkeit ist es nur ein kurzer Augenblick des Lebens gewesen“, sinniert Bijan Khadem-Missagh. Als Violinsolist, Dirigent, künstlerischer Leiter und spiritus rector von Allegro Vivo hat der Erste Konzertmeister des niederösterreichischen Tonkünstler-Orchesters das Waldviertel über die Jahre in eine klingende Sommerlandschaft verwandelt. Als junger Konzertmeister war es ihm von Beginn an ein großes Anliegen, mit seinen Kollegen – ohne Dirigent, dafür aufeinander hörend – zu musizieren.Daher kam die Idee, in Atzenbrugg, wo der Komponist seine Sommer verbrachte, im kleinen Kreis Schubert zu spielen.

Doch der ehemalige Musikreferent des Landes Niederösterreich, Alfred Willander, schlug stattdessen das Stift Altenburg in der Nähe von Horn vor. Die barocke Stiftskirche und die Bibliothek mit ihrer einzigartigen Akustik begeisterten Bijan Khadem-Missagh sofort. Willander zeigte ihm dazu noch das Schloss Breiteneich ganz in der Nähe, womit ein idealer Ort für die Sommerakademie gefunden war. Denn Allegro Vivo bedeutet auch aktives Musizieren, Ausbildung für alle Altersgruppen und Niveaus. Das galt vom Start weg: „Nachdem ich noch so jung war, lag meine eigene Studienzeit nicht lange zurück. Mein großer Wunsch war es daher, dass man eine Akademie so führt, dass die üblichen Zwänge des Studiums vermieden werden, all die falsch verstandene Konkurrenzierung, auch unter den Professoren, und somit eine gute Atmosphäre schafft“, erzählt Khadem-Missagh. Die Sommerakademie gliedert sich in drei Bereiche, bietet von bekannten Musikern geleitete Meisterkurse, Jugendförderung und Kurse für Kinder und Eltern. Letztere sind, so Khadem-Missagh, ziemlich einzigartig, binden sie doch die Eltern unmittelbar in die Ausbildung mit ein. Denn Khadem-Missagh weiß, auch aus persönlicher Erfahrung als Sohn eines Geigers, wie wichtig die richtige Beziehung von Eltern und Kindern für einen erfolgreichen musikalischen Werdegang ist. Gesunde Förderung statt eines falsch verstandenen Ehrgeizes lautet die Devise.

40 Konzerte in der ganzen Region. Sehr intim fiel die erste Ausgabe des Kammermusikfestivals 1979 aus: Eine Handvoll Musiker und Studenten spielten drei Konzerte in Stift Altenburg und ein paar Studentenkonzerte im Schloss Breiteneich. In der heurigen Jubiläumssaison dauert Allegro Vivo von 9. August bis 15. September. In diesen Wochen werden nicht nur das Stift Altenburg, sondern viele reizvolle Orte im Waldviertel bespielt. „It’s magic“ heißt heuer das Motto. „Magic“ meint nicht nur die 35-jährige Geschichte des Festivals, sondern auch den musikalischen Zauber der Britischen Inseln, der Komponisten wie Britten, Vaughan Williams, Elgar und Tippet hervorbrachte, aber auch Komponisten auf dem Festland inspirierte. Die Eröffnung gehört der Academia Allegro Vivo, dem Festivalorchester, das unter Khadem-Missaghs Leitung in der Bibliothek von Altenburg Mozarts erste Symphonie spielt, die er auf seiner London-Reise komponierte. Kombiniert wird sie mit Werken von Vaughan Williams und Britten, der im November 2013 seinen ­100. Geburtstag gefeiert hätte. Es ist der Startschuss für über 40 Konzerte in der ganzen Region.

„Quo Vahid – music meets magic“ heißt es am 16. August im Kunsthaus Horn, wenn der Geiger Vahid Khadem-Missagh mit dem Kontrabassisten Georg Breinschmid und der Pianistin Veronika Trisko Musik und Magie zum virtuosen Gesamtkunstwerk verbindet. Händels „Feuerwerksmusik“, Ausschnitte aus der „Zauberflöte“, Schuberts „Zauberharfen“-Ouvertüre sowie der von Chris Pichler rezitierte „Zauberlehrling“, der danach in der Vertonung von Ducas musiziert wird, sorgen am 17. August für weiteren „Zauberklang“. Eine „Bridge to Brahms and Elgar“ bauen Musiker rund um Weltklassegeiger Benjamin Schmid am 20. 8. „Fantasy“ wird mit Werken von Frank Bridge, Britten und Mozart auf der Burg Raabs klingend angeregt. Sogar die prachtvolle Stiftskirche von Göttweig wird bespielt. Mit einem Programm, das danach auch zum Festivalfinale im Stift Altenburg erklingt: Haydns Symphonie „Le miracle“, seinem Trompetenkonzert und Mendelssohns „Schottischer“.

TIPP

Allegro Vivo
9. 8. bis 15. 9. Auch geistliche Musik hat einen wichtigen Platz: z. B. 15. 8. Hochamt in der Stiftskirche Altenburg mit Musik von Purcell, Byrd, Britten. www.allegro-vivo.at

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