Abschied der Generali Foundation

Die Ausstellungseröffnung einer Wiener Institution als trauriges Kammerspiel. In ihren Rollen: die übergangene Direktorin, die idealistische Künstlerin, der verkannte Retter.

(C) Ulrike Grossarth

Auf Wiedersehen, sagte Dietrich Karner, Präsident der Generali Foundation, laut und deutlich in den Raum. Doch die Gruppe der Pressekonferenz hatte sich zerstreut, keine freundliche Antwort kam zurück. Der Mann aus der Wirtschaft, der vor 25 Jahren dieses Bollwerk der Konzeptkunst vorgedacht und schließlich begründet hatte, sollte hier am Ende keinen gefeierten Abgang erleben. Überall lange Gesichter.

Vor einer Woche hatte er in Salzburg das Ende dieser Wiener Institution bekannt gegeben. Ende 2015 wird die Generali Foundation mit Sack und reduziertem Pack ins Museum der Moderne am Mönchsberg siedeln. In die offenen Arme der Gründungsdirektorin dieser international renommiertesten Firmensammlung für Konzeptkunst. Sabine Breitwieser, 2007 in Unfrieden aus der Generali Foundation ausgeschieden, hat heuer die Leitung des Museums übernommen.

2007 begann das Schwanken der bis dato mustergültigen Konstruktion, die es Breitwieser ermöglicht hatte, seit 1988 ohne inhaltlichen Einfluss des Geldgebers einen Ort aufzubauen, der weltweit bei Künstlern und Kunstwissenschaftlern für Ernsthaftigkeit bekannt war. 2007 aber musste auch die österreichische Tochter des italienischen Versicherungsriesen sparen, zudem stieg man bei der Bawag ein und versuchte zwei Kostenstellen örtlich zusammenzuführen, die kulturpolitisch nicht zusammenführbar waren: die kulturellen Imageträger der Firmen, Generali und Bawag Foundation. Drei Jahre später verließ die Bawag Foundation diese Zwangsehe wieder, zog um und entschwand 2013 endgültig, ohne Leiterin, im Kassensaal des Otto-Wagner-Postsparkassengebäudes. Ausstellungsankündigungen für 2014: null.

 

Mit stoischer Miene auf dem Podium

Dieses Schicksal wollte Karner seinem „Baby“ ersparen. Gestern, Donnerstag, musste er seinen Plan dafür, den er bis zuletzt vor dem Team der Foundation geheim gehalten hatte, vor Ort erklären. Die Pressekonferenz zur vermutlich vorletzten Ausstellung in der von Jabornegg/Palffy ideal gestalteten Halle in der Wiedner Hauptstraße 15 geriet so zum bitteren Kammerspiel, bei der die Kunst zur Kulisse verkam. Auf dem Podium saßen Sabine Folie, die über die Medien von ihrer Aushebelung als Leiterin der Generali Foundation erfahren musste. Mit stoischer Miene stellte sie die Retrospektive der deutschen Künstlerin Ulrike Grossarth vor und erklärte, dass ihr sowohl die eigene Zukunft wie die der Qualität der Foundation noch unklar wären.

Grossarth neben ihr betrauerte diese nicht mehr zukunftsweisenden „Handlungsformen“ einer „neoliberalen Gesellschaft“. Karner hätte besser ein Exempel statuieren sollen, als dieses in Europa einzigartige Biotop, in dem Ausstellungen noch jahrelang vorbereitet würden, zu opfern. Doch Karner hatte es eilig, er werde 75, erklärte er, noch sei er Aufsichtsrat der Generali AG, sein Einfluss aber schwinde. Auf Wunsch der Salzburger Politik hatte er auf Fairness verzichtet, entschuldigte er sich bei Folie, er wollte keinen „Scherbenhaufen“. Ist es trotzdem einer geworden? Das Ende der Foundation als eigenständige Institution, ihre Übersiedlung in den vermeintlich sicheren Hafen eines öffentlichen Museums, markiert das Ende einer Ära. Als einige Konzerne mit ihrem Kunstengagement nach vorn preschten, sich spröde Räume und Profile leisteten. (Erste Bank und Verbund sind noch im Rennen.)

Unterm Strich bleibt für die Generali jedenfalls eine saftige Einsparung. Wurden in Wien zwölf Mitarbeiter beschäftigt, sollen in Salzburg nur noch drei finanziert werden. Die Kosten für Infrastruktur und Raum fallen weg – was mit ihm passiert, ist unklar. Nur das Budget für Ausstellungen und Ankäufe bleibt gleich (Summen werden keine genannt). Damit kann Breitwieser jetzt einkaufen gehen. In 25 Jahren, wenn der Leihvertrag der Generali mit dem Land Salzburg ausläuft, wird die Sammlung also gewachsen sein. Ob und wie viel im Wert, wird auch davon abhängen, wer Breitwieser nachfolgt, ihr Vertrag läuft fünf Jahre. Dann hat die Politik das Sagen.

Ulrike Grossarth, bis 29.6., Di bis So, 11–18Uhr. Wiedner Hauptstr. 15, Wien 4.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2014)

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