Burgtheater: Hartmann ließ die Bücher prüfen

Schon 2011 ließ Hartmann durch den Experten Peter F. Raddatz die Finanzen des Hauses durchleuchten. Von den Malversationen will er dennoch nichts gewusst haben.

PK BURGTHEATER ZU FESTIVAL 'SZENE UNGARN-AUSSCHNITTE EINER THEATERLANDSCHAFT': HARTMANN
PK BURGTHEATER ZU FESTIVAL 'SZENE UNGARN-AUSSCHNITTE EINER THEATERLANDSCHAFT': HARTMANN
(c) APA/HERBERT PFARRHOFER

Unser Ziel heißt Transparenz“, sagte Matthias Hartmann am vergangenen Dienstag zu den Journalisten, um sie im nächsten Satz darauf hinzuweisen, dass das Pressegespräch zum Ungarn-Theaterfestival „kein Interview und keine Fragestunde“ zu den aktuellen Ereignissen im Burgtheater sein werde. „Kein Statement“, ließ er auch am Mittwoch der „Presse“ ausrichten.

Bei der Anfrage geht es um Peter F. Raddatz und seine Tätigkeit für das Wiener Burgtheater. Denn dieser beschäftigte sich schon im Jahr 2011 eingehend mit den Finanzen des Burgtheaters. Dies geschah im Auftrag von Hartmann, der bis vor Kurzem von den finanziellen Malversationen am Theater nichts gewusst haben will.

Raddatz ist in der deutschsprachigen Kulturszene ein großer Name. Sein Curriculum Vitae erklärt seine Bekanntheit: Seit der Spielzeit 2013/14 ist der Deutsche kaufmännischer Geschäftsführer des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Schon von 1989 bis 2001 war er ebendort Geschäftsführer, wechselte aber dann nach Köln, wo er als kaufmännischer Intendant die Bühnen der Stadt leitete. 2009 kam es zum nächsten Karrieresprung: Raddatz wurde zum Generaldirektor der Stiftung Oper gekürt, unter deren Dach die Deutsche Oper Berlin, Komische Oper Berlin, Staatsoper Unter den Linden und das Staatsballett Berlin zusammengefasst sind. Der Mann kann also auf reichlich berufliche Erfahrung verweisen.

 

„Wirf einen Blick auf die Bücher“

Von seinen Kompetenzen dürfte auch Hartmann überzeugt sein, und zwar schon seit Langem. Wie „Die Presse“ erfuhr, war Raddatz auf Betreiben von Hartmann schon 2011 für das Haus am Ring tätig. Wie es dazu kam, erklärte Raddatz in einem Gespräch mit der „Presse“: „Hartmann rief mich an und bat mich, doch nach Wien zu kommen, um einmal über die Bücher zu sehen.“ Hartmann sei nämlich unklar gewesen, weshalb er an dem Theater – obwohl er die Kosten gesenkt und die Einnahmen gesteigert hatte– auf keinen grünen Zweig kam.

Man traf sich also in Wien zu einem ersten Gespräch, das konstruktiv verlaufen sein muss. Denn es ist, so bestätigte die Bundestheaterholding gestern, zu einer Zusammenarbeit gekommen. Die Holding hat mit Raddatz am 7. Jänner 2011 einen Werkvertrag für die Dauer von drei Monaten geschlossen. Der 60-Jährige wurde „mit der Erstellung eines umsetzbaren Konzepts zur Optimierung der betriebswirtschaftlichen Situation von Burgtheater, Wiener Staatsoper und Volksoper Wien“ beauftragt. Raddatz begann also, Anfang Jänner 2011 zu arbeiten.

 

Beratervertrag über ein Jahr

Nach dem Ende des Vertrages ging die Kooperation weiter, wie sich aus einem der „Presse“ vorliegenden Aufsichtsratsprotokoll vom 24.1.2012 ergibt. Hartmann hat an diesem Tag Raddatz den Aufsichtsratsmitgliedern der Burg erstmals vorgestellt: „Er wurde eingeladen, um die Kommunikation zwischen kaufmännischer und künstlerischer Direktion gelenkiger und transparenter zu machen“, heißt es da. „Der dazu abgeschlossene Beratervertrag erstreckt sich vorerst über ein Jahr, könnte aber auf zwei Jahre ausgedehnt werden.“ Raddatz selbst erklärte den Aufsichtsräten sein Vorhaben, „ein wesentlich stärker als bisher auf die künstlerische Planung aufbauendes Berichtswesen zu entwickeln“. Mit einer inszenierungsbezogenen Kosten- und Erlösplanung habe er bereits begonnen. Das darauf aufzubauende Berichtswesen für den Gesamtbetrieb solle es dem künstlerischen Leiter ermöglichen, „steuernd und führend einzugreifen“. Eine Aussage, die wohl einen Schluss zulässt: Hartmann muss Zweifel an der Art und Weise gehabt haben, wie Silvia Stantejsky ihrer Aufgabe als kaufmännische Direktorin nachkam. Weshalb hätte er sich sonst schon im Jänner 2011 entschlossen, den Experten Raddatz aus Berlin zu holen?

Der „Presse“ gegenüber betonte Hartmann noch im Jänner 2014, er habe Stantejsky „absolut vertraut“, weshalb er sie auch im September 2013 zu seiner Stellvertreterin gemacht habe. Zwei Monate später, am 18.November, folgte die Entlassung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2014)

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