Arien von Haydn und Mozart in Eisenstadt

Die deutsche Sopranistin Simone Kermes war Star der Internationalen Haydntage auf Schloss Esterhazy.

(c) EPA (STEPHEN CHERNIN)

„Haydn und Mozart“ – diesem Motto verschrieben sich die „26. Internationalen Haydntage“ auf Schloss Esterhazy (4. bis 14. September). Am Freitag, just am Tag des Begräbnisses von Melinda Esterhazy, welches die burgenländische Hauptstadt für einen Nachmittag in eine an Luchino-Viscontis-Filme erinnernde, morbid-pittoreske Kulisse verwandelte, beendete die deutsche Sopranistin Simone Kermes ihren Arienabend im Haydn-Saal mit Händels Klage „Lascia ch'io pianga“.

Zuvor hatte sie eine zumindest in unseren Breiten ungewöhnliche, wohl aus dem Geist Stendhals inspirierte Kombination von Arien von Haydn, Mozart und Rossini gewählt und konnte auch in diesem Repertoire ihre vokalen Trümpfe ausspielen: sichere Intonation, souveräne Bewältigung der halsbrecherischsten Koloraturen, intelligente Phrasierungskunst, eine geradezu magische Piano-Kultur sowie eine temperamentvolle Musikalität. Zum Höhepunkt des Abends geriet Mozarts Konzertarie „Sperai vicino al lido“ KV 368 – ob ihrer geradezu surreal anmutenden Anforderungen kaum jemals zu hören. Dabei neigte die Stimme von Simone Kermes auch in extremsten Lagen nie zu klirrend-aseptischer Puppenhaftigkeit. Auch in den drei Rossini-Arien kam es nie zu quirlig-mechanisch kreisendem Leerlauf, sondern zur Darstellung affektreicher seelischer Tiefendimensionen.

 

Woody Allen lässt grüßen!

Dazwischen erklangen Ouvertüren von Haydn, Mozart und Rossini, vorgetragen vom eigens für diesen Abend zusammengestellten italienischen Originalklang-Ensemble „Péchés de Jeunesse“ und geleitet vom kurzfristig eingesprungenen Dirigenten Christoph-Matthias Mueller. Musste man am Beginn der „Così fan tutte“-Ouvertüre noch das Schlimmste befürchten (barsch abgerissene Akkorde, rhetorische Überphrasierungen, Paukensound wie der Klang einer Schuhschachtel in der Schlacht von Waterloo?), steigerten sich Orchester und der köstlich selbstironische Dirigent bei Rossini zu einer erfrischenden Höchstform – so detailreich, federnd, funkelnd, pointiert-witzig und charmant war Rossini selten zu hören gewesen.

Der Sonderpreis für die verschmitzteste musikalische Detailgestaltung geht an die drei köstlich näselnden Interventionen des Fagottisten in der „Cenerentola“-Ouvertüre – Woody Allen lässt grüßen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2014)

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