Klassik-Ranking 2014: Beethoven schlägt sämtliche Konkurrenten

Die Web-Seite Bachtrack führt Jahr für Jahr eine Statistik aller Klassik-Aufführungen. Im Vorjahr schlug Beethoven alle Kollegen. San Francisco Symphony ist das fleißigste Orchester der Welt.

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(c) APA/EPA/BRESCIA AMISANO/ HANDOUT (BRESCIA AMISANO/ HANDOUT)

Beethoven ist der meistgespielte Komponist, San Francisco Symphony das fleißigste Symphonieorchester, Andris Nelsons der meistengagierte Konzert-Dirigent, „La Bohème“ die meistgespielte Oper. Zumindest, was das Jahr 2014 anlangt.

Auf der Web-Seite bachtrack.com kann man Jahr für Jahr im Jänner nachlesen, was die statistische Auswertung der internationalen Spielpläne hergibt. Dabei zeigt sich, dass Künstler, die weltweit zu den meistbeschäftigten Zeitgenossen gehören, nicht unbedingt auch im österreichischen Musikleben entsprechend wahrgenommen werden.

Auf Nelsons, den man auch hierzulande schätzt, folgen bei den Dirigenten Jaap van Zweden und Michael Tilson Thomas auf den Plätzen 2 und 3. Sir Simon Rattle landete auf Platz 7 vor den in Wien oder Salzburg auch nicht gerade überbeschäftigten Maestri Boreyko, Nagano und Jurowski.

Traurig stimmt einen Wiener Musikfreund die Tatsache, dass mit Beethoven und Mozart zwar zwei der Wiener Klassiker die Rangliste anführen, der dritte im Bunde aber, Allvater Haydn, nicht einmal unter die ersten zehn gekommen ist. Bach, Brahms, Schubert, Richard Strauss, Tschaikowsky, Händel, Ravel und Dvořák liegen vor dem „Erfinder der Symphonie“.

Aber da gibt es, das räumen die Betreiber der Webseite ein, jährlich Verschiebungen; auch solche, die schwer zu erklären sind. So hat es zum Beispiel Serge Rachmaninows „Paganini-Rhapsodie“ 2014 von Rang 172 auf Rang 16 der meistgespielten Werke geschafft! Gedenkjahre fordern überdies ihren Tribut, nicht weiter verwunderlich also, dass ein Stück wie Igor Strawinskys Skandal-Ballett „Le sacre du printemps“, das 2013 sein 100-Jahrjubiläum feierte und entsprechend oft angesetzt worden war, 2014 wieder viel weiter unten in der Statistik aufscheint.

 

Mimi stirbt öfter als Violetta & Carmen

Die beliebtesten Klassik-Kompositionen im Vorjahr waren nach Händels „Messias“ Beethovens Symphonie Nr. 7 und sein fünftes Klavierkonzert, Tschaikowskys „Pathétique“, Beethovens „Eroica“, Dvořáks Symphonie „Aus der Neuen Welt“, Schuberts große C-Dur-Symphonie, Beethovens Fünfte, dicht gefolgt von seinem c-Moll-Klavierkonzert. – In den Opernhäusern gab es 2014 eine starke Präferenz für Puccinis Mimi, die vor Verdis Violetta („La Traviata“) und Bizets Carmen den Spitzenplatz belegt.

Es folgen „Tosca“ und „Madama Butterfly“, was die Puccini-Vormachtstellung besiegelt, dann „Die Zauberflöte“ und „Don Giovanni“ zur Ehrenrettung Mozarts, dessen „Figaro“ nach Rossinis „Barbier“ auf Platz 9 vor Verdis „Rigoletto“ landete.

Statistisch erfasst wird auch, welche Opernhäuser ihrem Publikum am meisten zu bieten haben: Die Wiener Staatsoper steht in der Liste vor der New Yorker Metropolitan und der Bayerischen Staatsoper auf Platz 1.

Was österreichische Beobachter noch interessieren dürfte: Rudolf Buchbinder ist der sechstmeist beschäftigte Pianist der Welt (nach Yefim Bronfman, Yuja Wang, Emanuel Ax, Nobuuyuki Tsujii und Dénés Várjon). Und mit Rücksicht auf alle Sparten (inkl. Musiktheater), gelangte Franz Welser-Möst als (Noch)-GMD der Staatsoper und Chef des Cleveland Orchestra immerhin auf Rang 5 der Kapellmeister-Liste, nach Jonathan McPhee, Nelsons, Nézet-Séguin und Rattle. Bei den komponierenden Zeitgenossen hat Arvo Pärt den „Minimalisten“ John Adams und Philip Glass den Rang abgelaufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2015)

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