Loisiarte: Hörabenteuer im Weinland

Schwelgen in Klängen von Schubert und Philipp Glass, Respighi und heimischen Novitäten in Langenlois.

GERMANY OPERA MUSIC
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(c) APA/EPA/BRITTA PEDERSEN

Angelika Kirchschlager war der Star des ersten Abends von Christian Altenburgers feinem Festival im Loisium: Im tiefen Keller – im pittoresken Ambiente der sogenannten „Kathedrale“ in einem ehemaligen Weinkeller von Langenlois – sang die Mezzosopranistin „Il tramonto“ von Ottorino Respighi, eine Tondichtung nach einem todessehnsüchtigen Gedicht von Shelley. Zur Begleitung eines von Festivalchef Altenburger angeführten Streichquartetts verströmte sie ihren satten Mezzo und das Publikum schwelgte in den dunkel-schönen Herbstfarben, die der italienische Meister der Stimmungsmalerei beschwört.

Dass die Kirchschlager zunächst die deutsche Übertragung des Poems vortrug, verdichtete die Spannung enorm; eine Meisterleistung, denn Shelleys Verse können in der deutschen Übertragung noch verworrener wirken als im Original, würde man sie nicht so einfühlsam gliedern, wie es der Sängerin gelang. Zum Grundton der Loisiarte passte das perfekt, denn hier wird traditionsgemäß (heuer ist Festival Nummer zehn!) Musik mit Literatur subtil vermischt. So las Alina Fritsch gestern, Freitag, „Zur warmen Jahreszeit“ von Ray Bradbury.

Dass sich Kirchschlager zwischen zwei Aufführungen der „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Nali Gruber im Theater an der Wien für Langenlois Zeit genommen hat, ist bezeichnend. Die Atmosphäre im Loisium ist dank der klugen Programmierung stets besonders animierend; für Interpreten wie Zuhörer.

 

Musikhistorische Ausgrabungen

Stets gibt es Raritäten oder Neues zu entdecken, stets sind Könner zur Stelle, die sich intensiv mit den Werken auseinandergesetzt haben; und die auch für sich wieder Faszinierendes aus der musikhistorischen Schatzkiste ausgraben. So kam die Pianistin Maki Namekawa, die eben eine Gesamtaufnahme der Etüden von Philipp Glass eingespielt hat, nicht nur, um Ausschnitte aus dieser CD live zu präsentieren, sondern auch, um zum Finale des ersten Festspielabends selten gespielte späte Klavierstücke von Gioacchino Rossini vorzustellen.

Hausherr Altenburger engagierte sich für das hoch virtuose Capriccio des Koreaners Jeajoon Ryu – und hat für seine illustren Kammermusikpartner (etwa Klarinettist Ulf Rodenhäuser, Pianist Markus Schirmer, Cellist Patrick Demenga oder Kontrabassist Josef Niederhammer sowie die Wiener Richard Galler und Wolfgang Tomböck als Vertreter der Wiener Bläser-Prominenz) fürs Wochenende noch Werke von Schumann, eine Uraufführung von Richard Dünser und zum Finale Schuberts Oktett vorgesehen. Lesungen gibt es noch von Joachim Bißmeier (Siegfried Lenz, heute, Samstag, Abend) und Joseph Lorenz (morgen 11 Uhr, Schnitzlers „Ich“). Den Löwenanteil des Musikprogramms am heutigen Samstagabend bestreitet der Arnold Schoenberg Chor unter Erwin Ortner: Mendelssohn, Vasks und Brahms – unter anderem die erste Serie der „Liebesliederwalzer“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2015)

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