Festspielzeit: Wegmarken von Moderne und Barock

Anspruchsvolle Klassik eröffnet am Wörthersee den sommerlichen Festspielreigen.

Das Festival „Wörthersee Classics“ sorgt seit acht Jahren dafür, dass rund um den kalendarischen Sommerbeginn in Klagenfurt Musik für Kenner gemacht wird. Zwar verheißt auch das diesjährige Festspielprogramm wieder Kulinarisches – wie die Aufführung von Brahms' „Ungarischen Tänzen“ und einigen Liszt'schen Rhapsodien durch das Duo Kutrowatz heute, Samstagabend, oder Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ am Sonntagvormittag im Klagenfurter Konzerthaus. Doch schon die barocke Matinee-Darbietung kann mit einer Besonderheit aufwarten: Begleitet vom Wiener Concertverein musiziert Festspielchefin Elena Denisova die vier Concerti nämlich auf vier historischen Geigen, einer Stradivari (1711), einer Ruggeri (1639), einer Guarneri del Gesú (1730) und einer weiteren Stradivari (1709).

Außerdem gehört es für die Veranstalter, die Österreichische Gustav-Mahler-Vereinigung, zum guten Ton, Jahr für Jahr auch den Auftrag für eine Komposition zu vergeben. Vor dem Vivaldi erklingt, dirigiert von Martin Kerschbaum, daher eine von Kärntner Legenden inspirierte Novität des aus Siebenbürgen stammenden Komponisten Andreas Baksa.

Grundidee des Festivals ist es, vor allem Musik von Komponisten aufzuführen, die einen Teil ihrer Arbeitszeit am Wörthersee verbracht haben. So erklingt Jahr für Jahr auch Musik von Brahms und Mahler, dessen hochkomplexe Neunte, klug und sicher disponiert von Martin Sieghart, das Festival heuer eröffnete. Das Gastorchester, diesmal die Berliner Symphoniker, demonstrierte am zweiten Abend unter Alexei Kornienko, dem designierten Chefdirigenten der Sofioter Philharmoniker, mit Tschaikowskys Fünfter und dem Brahms Erstem Konzert (kraftvoller Solist: Sergei Babayan) gediegene Klangkultur.

Am Freitag sang Monika Theiss-Eröd, begleitet von Arabella Cortesi Lea, ein anspruchsvolles Lied-Programm, das nebst den „Mädchenblumen“ von Richard Strauss auch Gesänge von Hugo Wolf und Alexander Zemlinsky enthielt – dem zu Ehren die Wiener Zemlinsky-Gesellschaft im Klagenfurter Konzerthaus eine kompakte, höchst informative Ausstellung ausrichtete, die noch an diesem Wochenende zu sehen ist. sin

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2009)

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