Fabio Luisi: Über die Kunst, eine Karriere zu planen

Wiens Symphoniker-Chef im Gespräch. Vierzig Vorstellungen will er in Zürich jährlich selbst dirigieren, zwei Premieren – „in der ersten Spielzeit sogar drei“. Ein wenig reduzieren wird Luisi seine Präsenz in Wien, wo er seinen Vertrag bis 2013 verlängert hat.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

"Es gefällt mir, Verantwortung zu tragen", sagt Fabio Luisi in ganz unzeitgemäßer Manier. An entsprechender Betätigung mangelt es dem gerade Fünfzigjährigen nicht. Luisi ist Chefdirigent der Wiener Symphoniker und designierter Musikchef der Zürcher Oper. Bis 2013, wenn er in Zürich an der Seite des Pereira-Nachfolgers Andreas Homoki installiert sein wird, hat er auch in Dresden noch viel zu tun, wo er Leiter der Oper und der Staatskapelle ist – aber bekannt gegeben hat, dass er seinen Vertrag nicht zu verlängern gedenkt.

„Dafür waren ausschließlich private Gründe maßgeblich“, sagt Luisi, „ich wollte mehr mit meiner Familie zusammen sein, aber meine Familie denkt nicht daran, nach Dresden zu ziehen.“ Womit die musiktheatralisch-symphonische Doppelbelastung, die diese Stadt für den Generalmusikdirektor bereithält, auf Dauer nicht zu ertragen ist. Wien und Zürich scheinen für den Familienmenschen Luisi die attraktiveren Adressen. Dabei hat es zunächst gar nicht danach ausgesehen, dass es mit dem Schweizer Engagement etwas werden könnte. Denn mit Verweis auf seine diversen Engagements hat Luisi das Angebot Homokis ursprünglich ausgeschlagen.

 

Zürichs beharrlicher neuer Mann

„Als er dann gelesen hat, dass ich in Dresden nicht verlängere, hat er mich sofort noch einmal angerufen und die Einladung erneuert.“ Also doch Zürich. Und zwar, apropos Verantwortung, als voll verantwortlicher Musikchef: „Ich habe die volle musikalische Kompetenz. Ich kann und werde aber nichts ohne Homoki entscheiden und er nichts ohne mich.“ Symphonische Konzerte wird Luisi übrigens auch mit dem Zürcher Orchester geben – die Hälfte der sechs Abonnementkonzerte leitet er selbst, und „anders als jetzt“, sagt er, „möchte ich mit den anderen Dirigenten, die wir einladen, über programmatische Leitlinien sprechen, um dem Programm übers Jahr ein Gesicht zu geben“.

Mit Homoki, derzeit Intendant der Berliner Komischen Oper, versteht er sich glänzend: „Wir haben dieselben Vorstellungen“, sagt Luisi, „und die unterscheiden sich natürlich von dem, was jetzt unter Pereira in Zürich passiert.“ Vor allem wird es in der kommenden Ära nicht mehr so viele Premieren pro Spielzeit geben wie heute. Dafür war Pereira bekannt, bei seinen Mitarbeitern allerdings auch gefürchtet. Luisi: „Ich glaube nicht, dass man zwölf oder 13 Neuproduktionen herausbringen kann und dabei immer das nötige Niveau halten kann.“

Vierzig Vorstellungen will er in Zürich jährlich selbst dirigieren, zwei Premieren – „in der ersten Spielzeit sogar drei“.

 

Ein bisschen weniger Wien

Ein wenig reduzieren wird Luisi seine Präsenz in Wien, wo er seinen Vertrag bis 2013 verlängert hat: „Schon meine Engagements an der New Yorker Met nehmen jedes Jahr zwei Monate in Anspruch.“ Dem erfolgreichen Debüt in Amerikas wichtigstem Haus folgten Einladungen für mehrere Serien pro Saison, in wechselndem Repertoire von Verdi über Massenet bis Richard Strauss.

Dass in Wien hinter den Kulissen schon wieder über die Finanzierung der Orchester diskutiert wird – auch über das Budget der Symphoniker –, will Luisi derzeit nicht dramatisieren: „Das Orchester spielt wunderbar und ist sehr beschäftigt. Ich würde mir ein langfristiges Konzept wünschen, das uns ermöglicht, unseren Marktwert im In- und Ausland besser auszuschöpfen. Dazu braucht es allerdings einen klaren politischen Willen, die Symphoniker als das zu betrachten, was sie immer waren: das Orchester der Stadt Wien. Das gilt es entsprechend wahrzunehmen.“

ZUR PERSON

Fabio Luisi (*1959, Genua) begann schon mit vier Jahren eine Klavierausbildung, nach deren Abschluss 1978 weckte die Arbeit als Korrepetitor sein Interesse, zu dirigieren. Er studierte an der Grazer Musikhochschule und debütierte 1984 als Dirigent. Von der Grazer Oper aus brach Luisi dann zu einer internationalen Karriere auf, er gastierte in den wichtigsten Opernhäusern und leitete viele der bedeutendsten Symphonieorchester. Als Chefdirigent der Wiener Symphoniker hat Luisi seinen Vertrag bis 2013 verlängert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2009)

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