Concentus Musicus: Harnoncourts Funke entflammt wieder

Nikolaus Harnoncourts Ensemble trat im Musikverein erstmals ohne ihn auf.

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(c) APA

Die Skepsis war groß: Würde der Concentus Musicus ohne seinen Begründer Nikolaus Harnoncourt bestehen? In der Musikvereins-Jahresvorschau waren die Auftritte des Ensembles noch als Einzelkonzerte an Sonntagvormittagen programmiert. Bereits in der monatlichen Programmvorschau fanden sie sich zu Saisonbeginn wieder als Doppelkonzerte zu den gewohnten Terminen (Samstagabend und Sonntagvormittag), allerdings im Brahmssaal. Das erste Programm war nun so gut wie ausverkauft. Eine Übersiedlung des Concentus in den großen Saal scheint für die kommende Spielzeit also nicht unwahrscheinlich . . .

„Der zugeworfene Funke ist am Entflammen“, zitierte der zum neuen Dirigenten gekürte Cembalist Stephan Gottfried in seinen emotionalen Gedenkworten für Harnoncourt einen Musikerkollegen. Konzertmeister Erich Höbarth setzte die Tradition der verbalen Konzerteinleitungen fort und erläuterte anhand des Konzerttitels „Concentus Musicus sacro-profanus“ die Untrennbarkeit geistlicher und weltlicher Musik im Barock.

 

Jubel im Publikum

Schon in der einleitenden Ouverture KV 355 aus Johann Joseph Fux' „Concentus Musico-Instrumentalis“ kamen Klangfülle und Farbenpracht voll zur Geltung. Der Schwerpunkt lag bei Johann Heinrich Schmelzer. Die virtuosen Anforderungen seiner Sonate bewältigten die Streicher mit sichtlichem Genuss. Im „Lamento sopra la morte Ferdinandi III“ schien der klagende Part der Primgeige zum eindringlichen Lamento für Harnoncourt zu werden. Zwischenapplaus gab es in Schmelzers Ballett „Fechtschul“ für die pittoreske Verwandlung der schlagenden Degen in Klang, Jubel für den von brillanten Trompetentönen überwölbten festlichen Glanz der achtstimmigen Sonata I aus Romanus Weichleins „Encaenia Musices“. Heinrich Ignaz Franz Bibers achtstimmige Sonate gab dann das perfekte Beispiel der erwähnten „sacroprofanen“ Musik mit ausdrucksvollen Soli in den Adagio- und höchster Brillanz und klarer Differenzierungskunst in den Presto-Sätzen. Vergnüglich dann die stark kontrastierenden Sätze von Georg Muffats Sonata II aus „Armonico tributo“. Das Publikum feierte seinen Concentus zuletzt ausgiebig: Das Finale der abschließenden Fux-Serenade musste wiederholt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2016)

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