Leonskaja singt Schönberg am Klavier

Die Pianistin gastierte im Wiener Musikverien mit Tschaikowski, Beethoven und Schönberg.

Elisabeth Leonskaja
Elisabeth Leonskaja
Elisabeth Leonskaja – EPA

So ungefähr muss sich das Arnold Schönberg vorgestellt haben in seinem viel zitierten Satz, dass die Menschen seine Melodien irgendwann auf der Straße pfeifen würden. Nicht, dass Elisabeth Leonskaja am Montag im Wiener Musikverein gepfiffen hätte. Aber sie spielte Schönbergs Suite für Klavier Opus 25, eines der früheren auf einer Zwölfton-Reihe basierenden Werke, mit einer derartigen Gesanglichkeit und Wärme, dass sich unmittelbar der Eindruck intimer Vertrautheit einstellte. Wie bei einem Lied, das man auf der Straße pfeifen würde.

Der Poetin, und das ist die Leonskaja am Flügel zweifellos, wird eben alles zur Poesie, ein Werk der Zwölftonmusik ebenso wie Beethoven – und die originelle Idee, die Schönberg-Suite zwischen zwei Beethoven-Werke ins Sandwich zu nehmen, ging auf. Beethovens weit in die Romantik reichende „Sturm“-Sonate und Schönbergs Suite erschienen plötzlich wie Nachbarn, das Zweite als logische Fortsetzung des Ersten mit anderen Mitteln. Und genau so hat sich Schönberg trotz des Bruchs in der Methode ja selbst gesehen. Selten wird das aber sinnlich so erfahrbar wie hier durch Elisabeth Leonskaja.

Behutsamer Beethoven

Zum Auftakt gab sie Beethovens selten gespielte H-Dur-Fantasie, und bescherte gleich den ersten magischen Moment an diesem Abend: Wenn aus dem freier gestalteten ersten Teil das innige Liedthema aufsteigt. Leonskaja gestaltete diesen neuralgischen Punkt mit einer Zartheit, die den Atem anhalten ließ. Überhaupt ist ihr Zugang zu Beethoven überaus behutsam, mit viel Sinn für die Schönheit im Schlichten. Sie hetzt nicht durch die „Sturm“-Sonate, sondern nimmt sich Zeit zum Nachspüren, besonders an Bruchstellen wie dem Übergang von der Exposition in die Durchführung. Zauberhaft auch, wie sie das Thema des Finales gleichsam aus dem Raum zu pflücken scheint, als wäre es immer schon irgendwie dagewesen – und den Satz dann unpathetisch verenden lässt, es also quasi wieder „zurückgibt“.

Nach der Pause war mit Tschaikowskys groß angelegter G-Dur-Sonate vor allem Virtuosität gefragt. Hier gelang es Leonskaja trotz eines sehr energiereichen Spiels vor allem im überlangen Kopfsatz nicht immer, die Spannung zu halten.

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