Heinrich Schiff: Der große Meister des Cellos ist tot

Der legendäre österreichische Musiker, der zuletzt vermehrt als Dirigent tätig war, ist im Alter von 65 Jahren in einem Wiener Spital gestorben.

Heinrich Schiff
Heinrich Schiff
Heinrich Schiff – (c) Imgao

Einer der großen Cellisten Österreichs hat sich kurz vor dem Heiligen Abend für immer verabschiedet: Heinrich Schiff verstarb im Alter von 65 Jahren in der Nacht auf den 23. Dezember in einem Wiener Spital. Dabei hatte der gebürtige Gmundner schon vor Jahren einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften, musste er seine Solistenkarriere doch aufgrund gesundheitlicher Probleme 2012 beenden.

Seither war Schiff nur mehr als Dirigent tätig. Der Verlust für die Cellowelt blieb jedoch nicht nur für die Fans spürbar. Geboren wurde Schiff am 18. November 1951 im oberösterreichischen Gmunden, wobei ihm das Leben als Musiker förmlich in die Wiege gelegt wurde: Sowohl Papa Helmut Schiff als auch Mama Helga Riemann waren als Komponisten tätig. Im Alter von zehn Jahren nahm Schiff dann in Linz Violoncellounterricht. Weitere Stationen der Ausbildung wurden Wien und Detmold, bis der junge Musiker 1971 sein Debüt auf der großen Konzertbühne feierte.

Von Vivaldi über Haydn bis Bach und Lutoslawski

Dabei hatte Schiff mit Mara stets eine alte Dame an der Seite - genauer gesagt eine 300 Jahre alte Dame: Der Solist spielte auf dem Cello Mara von Antonio Stradivari, das 1711 gebaut wurde. Hinzu kam "The Sleeping Beauty" von Montagnana aus 1739. Mit ihnen legte Schiff den Grundstein für eine Erfolgskarriere auf den großen Bühnen der Welt. Auch spielte Schiff nahezu sämtliche bedeutenden Cellowerke der Musikliteratur ein - von Vivaldi über Haydn bis Bach und Lutoslawski. Mit den Wiener Philharmonikern unter Andre Previn nahm er Dvoraks Cellokonzert auf, mit den Berliner Philharmonikern unter Bernard Haitink Schumann. Im Jahr 2000 erntete seine Gesamtaufnahme von Beethovens Werken für Cello und Klavier Aufsehen, die er mit Till Fellner vorlegte.

Darüber hinaus war Schiff aber auch stets ein großer Apologet der zeitgenössischen Musik. Zahlreiche Komponisten verfassten eigens für den Cellovirtuosen Werke, darunter hochkarätige Namen wie Hans Werner Henze, Wolfgang Rihm oder Friedrich Gulda. 2006 brachte Schiff etwa bei den Salzburger Festspielen Johannes Maria Stauds "Segue" mit den Wiener Philharmonikern unter Daniel Barenboim zur Aufführung, im Jahr zuvor beging er die Uraufführung von Otto M. Zykans "Beethovens Cello" mit Zubin Mehta am Pult des Orchesters.

2012 endete die Solistenkarriere offiziell 

Aufgrund seiner gesundheitlichen Schwierigkeiten sah sich der begnadete Cellist jedoch mit dem schweren Schlag konfrontiert, 2012 seine Solistenkarriere offiziell beenden zu müssen. Erhalten blieb ihm sein zweites musikalisches Standbein, das Dirigieren. Seit den frühen 1990ern erschloss sich der Künstler sukzessive das Pult und stand bei Konzerten alsbald renommierten Formationen wie den Los Angeles Philharmonic, dem Orchestre de Paris oder der Sächsischen Staatskapelle Dresden vor. Gern gesehener Gastdirigent war er auch bei heimischen Klangkörpern wie dem Bruckner Orchester aus Linz oder dem Wiener Kammerorchester.

Hinzu kam Schiffs Einsatz als Lehrer - zunächst an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln, dann in Basel und später am Mozarteum in Salzburg und an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Und schließlich leitete der Musiker auch von 2006 bis 2009 die Musiktage Mondsee.

 

(APA)

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