Die sehr intimen Klangbotschaften unserer Romantiker

Im Musikverein behandelte das Fauré-Quartett große Dinge dezent.

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Symbolbild Musikverein Wien.
Symbolbild Musikverein Wien. – (c) imago/imagebroker (imageBROKER/Marc Rasmus)

Es ist ja nicht schwer, mit Tschaikowsky oder Mahler im großen Saal ebenso großen Effekt zu machen. Hermann Broch hat das Wort vom „Seelenlärm“ geprägt, das einem hie und da einfällt, wenn Orchester in Spätromantik schwelgen. Wie man dezenter mit klanggewordenen Emotionen umgeht, lernt man eher im kammermusikalischen Bereich; und da vor allem von Ensembles, die gelernt haben, ihre Spielweise adäquat zu zügeln.

Das deutsche Fauré-Quartett gab dafür im Brahmssaal des Musikvereins ein gutes Beispiel. Zwar stimmte schon die Programmankündigung auf Virtuoses ein, denn die Aufführung eines Arrangements von Mussorgskys „Bildern einer Ausstellung“ für Klavierquartett kann ja nicht ohne Tastendonner und verwandte Instrumentaleffekte auskommen. Doch leiteten die vier den Abend mit Robert Schumanns Opus 47 ein; und das ist eine der wunderbarsten Antworten auf die Frage, was denn musikalische Romantik eigentlich sei. Sobald das Cello mit der Adagio-Melodie anhebt, gibt es keine Zweifel mehr.

Umso dankbarer sind Musikfreunde, wenn sie mit dieser von Schumanns Innigkeit punktgenau vermittelten Einsicht möglichst allein gelassen werden, wenn also die Interpreten nicht noch durch allerlei künstlichen Nachdruck auf die ohnehin offen zu Tage liegenden, anrührenden Qualitäten der Musik hinweisen zu müssen glauben. Das Fauré-Quartett hat mit Sinn für wohl austarierten Zusammenklang ganz unprätentiös realisiert, was in den Noten steht, es hat, um auf Broch zurückzukommen, keinen Lärm gemacht. Goldrichtig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2017)

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