Philippe Jordan, ein Publikumsliebling mit solidem Fundament

Aus Ulm über Graz, Berlin und Paris nach Wien – die Karriere des zukünftigen Musikdirektors der Wiener Staatsoper.

„Nach zwölf Jahren in Paris ist für mich klar“, sagt Jordan im „Presse“-Gespräch: „Mit Mitte vierzig bin ich mit der Oper noch nicht fertig.“
„Nach zwölf Jahren in Paris ist für mich klar“, sagt Jordan im „Presse“-Gespräch: „Mit Mitte vierzig bin ich mit der Oper noch nicht fertig.“
„Nach zwölf Jahren in Paris ist für mich klar“, sagt Jordan im „Presse“-Gespräch: „Mit Mitte vierzig bin ich mit der Oper noch nicht fertig.“ – (c) APA/GEORG HOCHMUTH

Philippe Jordan kam 1974 in der Schweiz als Sohn des Dirigenten Armin Jordan zur Welt und studierte zunächst Violine und Klavier sowie Musiktheorie an der Zürcher Musikhochschule. Als perfekter Konzertpianist wurde er zum gesuchten Korrepetitor und zum Assistenten des Dirigenten Jeffrey Tate beim Festival von Aix-en-Provence. An Tates Seite kam Jordan auch mit Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ in Berührung: Er assistierte bei der Einstudierung der Tetralogie am Pariser Théâtre du Châtelet.

1994 begann Jordan zunächst als Korrepetitor, ab 1996 auch als Kapellmeister in Ulm – ein Faktum, das oft kommentiert wurde, denn an diesem Haus hatte einst auch Herbert von Karajan sein erstes Engagement absolviert.

Den letzten Schliff holte er sich als Assistent von Daniel Barenboim an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, wohin er nach seinem Engagement als Chefdirigent der Grazer Oper (2001–2004) als Kapellmeister zurückkehrte.

Seit 2009/10 fungiert Philippe Jordan als Musikdirektor der Pariser Oper – zusätzlich zu dieser Funktion beriefen die Wiener Symphoniker ihn zum Chefdirigenten. In dieser Funktion absolvierte er zunächst einen Zyklus mit den symphonischen Werken von Franz Schubert, um in der abgelaufenen Spielzeit eine viel beachtete Beethoven-Serie zu dirigieren, die ihm hymnische Kritiken und großen Publikumszuspruch bescherte.

 

Ein Jahr weniger für die Symphoniker

Der Vertrag mit den Wiener Symphonikern wurde jüngst bis 2021 verlängert – und wird nun nach der Bestellung zum künftigen Musikdirektor der Staatsoper, „auf amikale Weise“ um ein Jahr verkürzt werden. Ebenso verkürzt werden muss die Amtsperiode in Paris. Auch dort hat Jordan einen Kontrakt bis 2021 unterschrieben.

Als Operndirigent hat Jordan in den vergangnen Jahren an vielen bedeutenden Häusern fungiert, darunter New York („Carmen“), London („Samson und Dalila“, „Salome“) oder Dresden („Tosca“). Festspiel-Engagements führten ihn wiederholt nach Bayreuth und auch nach Salzburg, wo er sich einem Wiederengagement widersetzte, als ihm das Regieteam verbieten wollte, bei Mozarts „Così fan tutte“ die Rezitative selbst nach alter Kapellmeistertradition auf dem Hammerklavier zu begleiten.

An der Wiener Staatsoper dirigierte Jordan nach Lehárs „Lustiger Witwe“ die Premieren von Massenets „Werther“ (mit Elīna Garanča ) und Richard Strauss' „Capriccio“, aber auch Repertoirevorstellungen von Werken unterschiedlichster Stilrichtungen, von „Figaros Hochzeit“ oder „Der Rosenkavalier“ bis „Don Carlo“ und „La Bohème“. Außerdem betreute er die Festwochenpremiere der „Entführung aus dem Serail“ im Burgtheater im Mozart-Jahr 2006.

Bei den Bayreuther Festspielen, wo er bereits „Parsifal“ dirigiert hatte (2012), studierte Jordan heuer die Neuproduktion der „Meistersinger von Nürnberg“ ein. In Wien wird er in der kommenden Spielzeit für diverse Arbeitsphasen mit den Symphonikern erwartet, darunter für eine Wiederholung des Zyklus der Beethoven-Symphonien im Konzertaus und einen Bruckner-Schwerpunkt in Kombination mit Werken von György Ligeti, Giacinto Scelsi und György Kurtág im Musikverein. (sin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2017)

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