Zyklus „Great Talent“ startete mit Wiener Geiger

Kritik Emmanuel Tjeknavorian im Wiener Konzerthaus: jugendliche Nonchalance, gepaart mit technischer Präzision.

Emmanuel Tjeknavorian
Emmanuel Tjeknavorian
Emmanuel Tjeknavorian – (c) imago/CHROMORANGE/Franz Perc

Emmanuel Tjeknavorian als Nachwuchshoffnung zu bezeichnen ist fast schon obsolet. Der 1995 geborene Wiener Geiger überzeugte bereits zahlreiche Jurys internationaler Wettbewerbe. Nun wurde er für den Rising Star Zyklus der European Concert Hall Organisation ausgewählt, was ihn an führende Häuser bringt – am Freitag etwa in den Schubert Saal des Wiener Konzerthauses. Tjeknavorians große Affinität gilt Beethoven, ihm und Zeitgenossen wurde der kammermusikalische Abend gewidmet, bei dem der Geiger mit Yehudi-Menuhin-Wettbewerbs-Sieger Ziyu He an Violine und Viola sowie Rostropowitsch-Zögling Narek Hakhnazaryan am Violoncello auftrat.

Wenngleich die ausgewählten Stücke von Beethoven, Spohr und Romberg hoch anspruchsvoll waren, ging es nicht um technischen Leistungssport. Mit großem kammermusikalischem Einfühlungsvermögen präsentierten die drei jungen Musiker die einstige Gesellschaftsmusik. Besonders in Beethovens Streichtrio Es-Dur wurde offensichtlich, dass sich jeder auch zugunsten der anderen zurücknehmen konnte.

Auch in Louis Spohrs Duo Concertante präsentierten sich Tjeknavorian und He als äquivalente Partner, wenngleich letzterem die Lockerheit des ersten noch fehlt. Es sind nämlich nicht nur Tjeknavorians hochelegante Phrasierung und Klangschönheit, die er seiner Stradivari scheinbar mühelos entlockt – Ausstrahlung und Bühnenwirkung Tjeknavorians fußen auch in der Nonchalance, mit der er selbst schwierigste Passagen präsentiert.

Das Konzert war der vielversprechende Auftakt zum Zyklus „Great Talent“ des Konzerthauses, bei dem die drei Instrumentalisten sowie zwei Mezzosopranistinnen, Dorottya Láng und Sophie Rennert, bei ihrem internationalen Durchbruch umfassend begleitet werden sollen. Dabei präsentieren sie ihr Können in Kammermusik und Liederabend, werden aber auch auf arrivierte Künstler wie Elisabeth Leonskaja und, im Fall von Tjeknavorian, auf die Wiener Symphoniker unter Vasily Petrenko treffen.

Im nächsten Konzert des Zyklus steht Narek Hakhnazaryan am Violoncello im Mittelpunkt, er wird mit Schumann, Brahms, Ligeti, Tschaikowsky und Schostakowitsch noch mehr als zuletzt sein Können unter Beweis stellen. Ein Wiedersehen mit Tjeknavorian solo gibt es schon am 13. Dezember im Brahms-Saal des Musikvereins.
Nächstes Konzert in diesem Zyklus: Narek Hakhnazaryan, 10. Dezember.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2017)

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