Hier bezaubern nur Stimmen, nicht Bilder

Kritik Charmanter Papageno und koloratursichere Königin der Nacht bei der "Zauberflöte" in der Staatsoper.

Wenn auch inszenatorisch nicht alles aufgeht, für die aktuelle Besetzung lohnt sich der Besuch.
Wenn auch inszenatorisch nicht alles aufgeht, für die aktuelle Besetzung lohnt sich der Besuch.
Wenn auch inszenatorisch nicht alles aufgeht, für die aktuelle Besetzung lohnt sich der Besuch. – (c) Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Bezaubernd – das mögen andere Inszenierungen von des Wieners liebster Mozartoper sein. In Moshe Leisers und Patrice Cauriers Version ist die Szenerie karg, was vielleicht die Konzentration auf die Stimmen stärkt. Die aktuelle Serie bringt dabei einige Rollendebüts, von denen zwei hervorstechen: Thomas Tatzl, dessen Papageno überhaupt sein erster Auftritt in der Staatsoper ist, gibt einen quirligen, aber auch belustigend-ängstlichen Vogelfänger. Er zeigt Charme und Witz, wirft sich einmal einem Zuschauer im Parkett auf den Schoß und fängt echte Tauben, macht andererseits das Duett mit Pamina durch seinen warmen Bassbariton zu einem Höhepunkt des Abends.

In der stark reduzierten Inszenierung vor einer kahlen, dunklen Bühnenwand braucht es eben umso mehr einen mitreißenden Papageno. Mit Falltüren und Feuerwerkskörpern, wie man sie zur Zeit der Uraufführung liebte, wollte das Regieduo wohl Vorstadttheatergefühl von anno dazumal aufkommen lassen. Kein Sternenhimmel, für den Auftritt der Königin der Nacht müssen zwei Mondsichelbruchstücke genügen. Dafür schweben die drei Knaben an Seilen herein. Lacher gibt es auch für die tanzenden, einander umarmenden Bären, die Tamino (solide: Jörg Schneider) mit seiner Flöte zähmt, wie für die Polizisten/Wächter, die Papageno mit seinem Glockenspiel zum Tanzen bringt und die plötzlich wie bei den Ballets Trockadero im Ballett-Tutu davonspringen.

 

Bezsmertna: berührende Pamina

Wenn auch inszenatorisch nicht alles aufgeht, für die aktuelle Besetzung lohnt sich der Besuch. Allen voran ist Olga Bezsmertnas Pamina lyrisch-berührend, ihr sanfter, einschmeichelnder Sopran eignet sich hervorragend für diese Rolle. Auch wenn es für manch einen vielleicht eigentümlich wirkt, dass die zarte, junge Hila Fahima ihre Mutter verkörpert – und die Deutung als erschöpfte Diva mit Stöckelschuh in der Hand Fragen offen lässt – so sind es die gekonnt gesetzten, nie scharfen Koloraturen dieser israelischen Sopranistin, die an diesem Abend sängerisch am meisten beeindrucken. Eine junge, frische, flexible Stimme, die dennoch zu großer Wucht fähig ist. René Pape ist als Sarastro eine Kapazität. Adam Fischer am Pult sorgt für flotte, zupackende Tempi. Adrian Eröd verleiht der oft unterschätzten Sprecher-und-Priester-Rolle Würde. Eine „Zauberflöte“ also, die nicht durch Bilder, sondern durch Stimmen bezaubert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2017)

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